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05.04.11

Friendsurance: Versicherungen mit Hilfe von Freunden

Das Berliner Startup Friendsurance will mit einem recht abenteuerlichen Konzept das Versicherungswesen revolutionieren, indem Kosten für kleinere Schäden von Freunden getragen werden.

Spontan könnte man meinen, es gäbe nichts Langweiligeres als Versicherungen. Im Ernstfall freut man sich zwar, sie abgeschlossen zu haben, aber ansonsten kosten sie nur Geld, erfordern das Durchforsten und Vergleichen einschläfernder Angebote und bringen nervigen Papierkram mit sich.

In Anbetracht dessen muss man dem Berliner Startup Friendsurance ein Kompliment für die erfrischende Website machen, welche auch mit ihrem kumpelhaften Duz-Ton eher den Eindruck einer verspielten Webapp vermittelt als den eines Versicherungsvermittlers.

Andererseits positioniert sich das von Tim Kunde, Dr. Sebastian Herfurth, Sebastian Beuster, Kay Bucksch und Janis Meyer-Plath gegründete und vor wenigen Tagen offiziell gestartete Angebot auch weit weg von klassischen Maklerportalen. Die Idee: Indem die Zahlung für kleinere Schäden durch sorgfältig ausgesuchte Freunde gedeckt wird, können bedeutend günstigere Versicherungsbeiträge angeboten werden.

Friendsurance stellt Anwendern eine Auswahl an über Partner angebotene private Haftpflichtversicherungen, Hausratversicherungen, Rechtsschutzversicherungen und Fahrradabsicherungen bereit. Einige Versicherungstarife enthalten eine so genannte „Freundesoption". Bei diesen können Nutzer Freunde und Familienmitglieder per Mail oder Facebook in ihr persönliches Sicherheitsnetz einladen.

Wer einem Sicherheitsnetz beitritt, verpflichtet sich, für Schadensfälle mit vordefinierten Geldbeträgen (z.B. 20 Euro) auszuhelfen, statt den Schaden von der Versicherung decken zu lassen. Je größer das persönliche Sicherheitsnetz ist, das günstiger wird der jährliche Versicherungsbetrag, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das eigene Sicherheitsnetz die gesamte Schadenssumme aufbringen kann.

Laut Friendsurance macht die Regulierung größerer Schäden nur maximal 30 Prozent der Kostenstruktur einer Sachversicherung aus. Während also die Schadenssummen variieren, bleibt der Verwaltungsaufwand für jeden Schaden gleich groß. Hier will das Berliner Startup mit seiner Lösungen die Versicherungen entlasten und den so erzielten Kostenvorteil an die Verbraucher weitergeben. Zudem erwartet es eine Minimierung von (sonst bei Tarifen eingepreisten) Betrugsfällen, weil diese dann zu Lasten der in das Sicherheitsnetz eingespannten Freunde gehen würden.

Die Monetarisierung soll durch Affiliate-Einnahmen erfolgen, die beim Abschluss einer von Drittanbietern bereitgestellten Versicherung über den Dienst generiert werden.

Die fünf Gründer bezeichnen ihr Angebot als "weltweit erste Social-Network-Versicherung" und sehen mit ihrer Entwicklung die Chance, das Versicherungswesen zu revolutionieren.

Dass das abenteuerlich anmutende Konzept an der ein oder anderen Stelle wackelig wirkt, ist offensichtlich: Konflikte zwischen Freunden, die aus welchen Gründen auch immer plötzlich nicht für den Schaden eines Sicherheitsnetz-Mitglieds einspringen wollen, sind programmiert. Friendsurance empfiehlt deshalb, nur Leute einzuspannen, denen man vertraut. Außerdem erfordert das Konstrukt, dass Bekannte sich ebenfalls für einer Versicherung über Friendsurance entscheiden, was einiges an Überzeugungsarbeit erfordert. Andererseits wird so natürlich die Grundlage für eine fleißige Bekanntmachung über Word of Mouth gelegt (zumal für geworbene Kunden 10 Euro Versicherungsguthaben winken).

Optisch wirkt die Plattform wie eingangs erwähnt sympathisch und sehr munter. Ob in der Praxis alles wirklich so funktioniert wie angepriesen, werden mit Sicherheit bald erste Erfahrungsberichte im Netz zeigen.

Grundsätzlich ist der Ansatz trotz einiger potenzieller Unwägbarkeiten (oder gerade deshalb) zu begrüßen: Die Friendsurance-Macher wagen ein durchaus mit Risiken behaftetes Experiment. Wenn es misslingt, haben sie viel gelernt. Wenn ihre Rechnung aber aufgeht, könnte es ihnen vielleicht tatsächlich gelingen, die Versicherungsbranche aufzumischen. Bedarf daran besteht garantiert.

Link: friendsurance

via @kehrseite

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