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20.01.11Leser-Kommentare

FriendCaller: Wie der deutsche VoIP-Dienst im Ausland Erfolge feiert

Während sich viele hiesige Startups bei der Expansion ins Ausland schwer tun, verläuft diese für den deutschen Skype-Konkurrenten FriendCaller sehr erfolgreich.

 

Web-Startups aus Deutschland mit Privatanwenderfokus, die über ihren Heimatmarkt hinaus auch im Ausland erfolgreich sind, gelten gemeinhin als Seltenheit (auch wenn ein eindeutiger Trend zur Internationalisierung erkennbar ist). Als noch exotischer muss man Onlinedienste bezeichnen, die ihren Schwerpunkt auf ausländischen Märkten sehen und trotzdem ihren Sitz in Deutschland haben.

FriendCaller, ein Dienst aus Werl bei Dortmund, den wir im August vergangenen Jahres als das "deutsche Skype" vorstellten, fällt in diese sehr ungewöhnliche Kategorie.

Im Gegensatz zu seinem großen VoIP-Vorbild setzt FriendCaller keinen lokal installierten Client voraus sondern ermöglicht kostenfreie Gespräche zu anderen FriendCaller-Anwendern sowie kostengünstige Telefonate in Fest- und Mobilfunknetze direkt aus dem Browser heraus (ein Vorhandensein von Java vorausgesetzt). Eine Desktop-Software wird zusätzlich angeboten, genau wie Apps für iPhone, Android und ausgewählte Nokia-Smartphones.

Ein anderes Differenzierungsmerkmal zu Skype ist eine transparente Preisstruktur ohne Zusatzgebühren für die Initiierung von Gesprächen oder sonstige versteckte Kosten.

Die FriendCaller-Betreiberin C2Call GmbH hat uns einige interessante Zahlen zur internationalen Verbreitung des Dienstes geschickt:

Im November überschritt das Unternehmen die Marke von zwei Millionen Usern. Rund 51.000 aktive Nutzer pro Monat verwenden beispielsweise FriendCallers Facebook-Applikation, mit der sich browserbasierte Telefonate direkt aus dem sozialen Netzwerk heraus durchführen lassen. Ein Blick auf die Herkunft der User zeigt, dass Deutschland lediglich an neunter Stelle rangiert. Die dominierende Nutzergruppe kommt dagegen aus den USA:

1. USA: 19.711 Installationen bei Facebook

2. Indien: 14.830 Installationen

3. Indonesien: 14.066 Installationen

4. Philippinen: 11.255 Installationen

5. Großbritannien: 10.328 Installationen

6. Kanada: 8.896 Installationen

7. Malaysia: 4.025 Installationen

8. Frankreich: 3.925 Installationen

9. Deutschland: 3.791 Installationen

Deutlich wird die größere Bedeutung ausländischer Märkte für FriendCaller auch im Hinblick auf Apples App-Store-Statistik aus dem vergangenen Jahr: So landete die kostenlose FriendCaller-iPhone-App, die auf "In-App-Purchases" zum Erwerb von Gesprächsguthaben setzt, im US-App-Store auf dem ersten Platz in der Kategorie "soziale Netzwerke" (Deutschland Platz 7) sowie auf Platz fünf im übergeordneten Ranking der umsatzstärksten Apps (in Deutschland nicht in der Topliste vertreten).

Die Top-10-Länder hinsichtlich Installationen der iPhone-App:

1. USA

2. Kanada

3. Großbritannien

4. China

5. Deutschland

5. Frankreich

7. Australien

8. Mexiko

9. Indien

10. Singapur

Als einen der Gründe für den deutlich größeren Erfolg von FriendCaller außerhalb Europas sieht Maximilian H. Nierhoff von FriendCaller die Tatsache, dass in Deutschland und anderen europäischen Ländern die Kosten für herkömmliche Telefonate auch durch verbreitete Flatrate-Modelle relativ niedrig sind, was die Nachfrage nach alternativen VoIP-Services verringert.

Einer der großen Vorteile von FriendCaller gegenüber Skype sind die günstigeren sowie transparenteren Tarife, und die kommen bei Usern vorrangig in den Ländern an, in denen herkömmliche Fern- und Auslandsgespräche zu teuer oder Anwender besonders preissensibel sind.

Was FriendCaller dagegen fehlt, sind die Netzwerkeffekte, von denen der Marktführer Skype profitiert, gerade in Bezug auf die Möglichkeit von Chats und kostenlosen Telefonaten von Skype zu Skype.

Die Entwicklung von FriendCaller ist ein bemerkenswerter Sonderfall, was das Thema Internationalisierung betrifft. Im Gegensatz zu dem Gros der hiesigen Webdienste besteht die Herausforderung für den Dienst aus Nordrhein-Westfalen nicht im erfolgreichen Schritt ins Ausland sondern darin, im eigenen Heimatmarkt mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Sofern dies überhaupt ein erstrebenswertes Ziel darstellt.

Kommentare

  • Christoph

    03.02.11 (13:17:22)

    Es versteh nicht, was ihr meint mit "Was FriendCaller dagegen fehlt, sind die Netzwerkeffekte, von denen der Marktführer Skype profitiert, gerade in Bezug auf die Möglichkeit von Chats und kostenlosen Telefonaten von Skype zu Skype." FriendCaller hat doch auch die Möglichkeit, kostenlose FriendCaller zu FriendCaller Gespräche zu ermöglichen. Ich mein man kann dort auch eine Kontaktliste anlegen. Außerdem gibt es doch auch die Möglichkeit, zu chatten. Man wird sogar informiert, wenn jemand etwas ins Chatfenster schreibt während man Offline ist. Ich versteh also nicht, was ihr damit meint. Meint ihr, dass es so wenige Nutzer gibt, dass dadurch kein Netzwerkeffekt zustande kommt?

  • Martin Weigert

    03.02.11 (13:20:00)

    Genau. Gib jemandem die Wahl, Skype oder FriendCaller zu nutzen, und die Chance ist groß, dass Skype vorgezogen wird, weil die jeweilige Person bereits weiß, dass viel Freunde Skype verwenden - was die Wahrscheinlichkeit für kostenlose Gespräche erhöht.

  • Christoph

    03.02.11 (13:31:48)

    Ah ok, dann hab ichs gecheckt ;) Ich persönlich nutze FriendCaller sehr gerne, schon allein, weil ich nicht jedem meine Skype ID geben will.

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