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14.02.14

"Freunde finden"-Funktion in Apps: Die Wahl ist schwieriger als gedacht

Ein Kontaktabgleich mit sozialen Netzwerken ist für junge Apps mit kommunikativer Komponente ein idealer Weg, um Nutzer schnell mit "Freunden" zusammenzubringen. Doch die Wahl der "Provider" - ob Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn - will gut überlegt sein.

Freunde findenWenn Mobile Startups mit begrenzten Ressourcen ihr Produkt entwickeln, stellt sich ihnen meist die schwierige Frage nach der Plattform, auf die sie sich zuerst fokussieren sollen: iOS oder Android? Doch die Macher von Anwendungen, bei denen es um die Interaktion zwischen Nutzern geht, stehen oft noch vor einer weiteren grundlegenden Problematik: welche externen sozialen Netzwerke für den Freundeabgleich sie integrieren sollten. Virtuelle Geisterstädte begeistern niemand, weshalb die Verknüpfung mit Facebook, Twitter und Co ein äußerst sinnvoller Weg ist, um User einer neuen App umgehend zeigen zu können, welche ihrer Web-Kontakte ebenfalls schon dabei sind.

Wie groß die Wirkung dessen auf die User Experience sein kann, zeigte der gestrige Vergleich zwischen den zwei Vielflieger-Anwendungen Flying und Mileways. Flying erlaubt den Kontaktabgleich mit Twitter, Facebook und sogar Xing. Die Chance, dass User auf diese Weise einige ihrer Online-Freunde oder Bekannten finden, welche die jeweilige App ebenfalls schon verwenden, ist da relativ groß. Bei mir war Twitter mit Abstand der ergiebigste "Kontaktvermittler". Mehr als ein Dutzend der von mir abonnierten Twitter-User fand ich bei Flying durch den Sync mit der Microbloggingplattform. Facebook-Freunde bei Flying, auf die ich nicht zuvor schon per Twitter gestoßen war, gab es so gut wie keine. Twitter ungeeignet für "Echte-Freunde-Apps"

Mileways bietet bisher nur einen Kontaktabgleich mit Facebook, vernetzt einen mit dort gefundenen User dafür aber automatisch. Dahinter steht eine grundsätzliche Entscheidung von Gründer Alexander Lueck: Bei Mileways sollen Anwender sich in erster Linie mit ihren "echten Freunden" vernetzen. Ausgehend von dieser Zielsetzung wäre es kontraproduktiv, Mileways-Anwendern in der App ihre Twitter-Kontakte zu präsentieren. Denn bei Twitter abonniert man Personen meist ausgehend von ähnlichen Interessen, nicht auf Basis einer existierenden Freundschaft aus dem "realen" Leben.

Aus Sicht von Lueck sprechen noch weitere Aspekte dafür, andere soziale Netzwerke abseits von Facebook auszuklammern: Ein Twitter-Sync würde es erschweren, Klarnamen zu etablieren. Zudem seien die Sicherheitsstufen bei Facebook mit Blick auf den Login und die Privatsphäreeinstellungen höher. Nicht zuletzt wolle er in Zukunft auf einen eigenen Login setzen, also klassisch per E-Mail und Passwort. Jede weitere Login-Variante führe irgendwann einmal zu Problemen. Insofern erschien die Begrenzung auf Facebook aus seiner Sicht als die beste Option.

Valide Punkte, die allerdings zu einer Situation führen, bei der ich zum aktuellen Zeitpunkt in Mileways keine Freunde/Kontakte habe, in Flying aber schon recht viele. Zwar präsentiert sich Mileways noch etwas mehr als Flying als Vielflieger-Werkzeug, das auch ohne soziale Vernetzung Mehrwert bieten möchte. Dennoch ist es deprimierend, auf den Menüpunkt "Freunde" zu klicken und dort niemanden vorzufinden.

Kontakt-Lieferanten wollen klug gewählt sein

Die Situation zeigt, dass die verlockend einfach klingende Philosophie "Je mehr Integrationspunkte mit dem Social Web desto besser" nicht unbedingt der Realität entspricht. Apps, die sich auf den privaten Social Graph fokussieren, sind gut beraten, genau darüber nachzudenken, ob sie wirklich einen Kontaktabgleich mit Twitter, LinkedIn oder anderen eher professionell ausgerichteten Tools einführen möchten. Andererseits könnte es ihnen bei einem Facebook-only-Ansatz so ergehen wie Mileways, nämlich dass User zum Start nur wenige Freunde vorfinden und damit nicht den bestmöglichen Eindruck einer App erhalten.

Zusätzlich müssen Anbieter bedenken, dass ihnen die großen Netzwerke jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen können. Bei kleinen Fischen in Nischensegmenten ist diese Gefahr zwar nicht so groß. Aber Vine, Instagram und Tumblr durften alle schon erleben, wie ihnen "Freunde finden"-Funktionen durch Facebook beziehungsweise Twitter abgetrennt wurden. Das Risiko dafür besteht besonders, wenn ein App eine potenzielle direkte Konkurrent zu den führenden Networks darstellt.

In jedem Fall lohnt es sich, über die Wahl der "Kontakt-Provider" etwas genauer nachzudenken, sofern kommunikative Elemente einen wichtigen Teil einer Anwendung ausmachen. So harmlos und nebensächlich die Problematik erscheinen mag: Eine nicht durchdachte Entscheidung könnte sich langfristig rächen. /mw

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