<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

09.05.08Leser-Kommentare

Freie protestieren gegen Springer

Jetzt auch in der Schweiz: Freie Journalisten sollen dem Axel Springer Verlag schriftlich weitgehende Nutzungsrechte ihrer Werke einräumen – Berufsverbände protestieren.

Für den Axel Springer Verlag in der Schweiz tätige freie Journalisten (Handelszeitung, Bilanz, Beobachter) erhalten dieser Tage die Aufforderung, eine neue Regelung für die weitere Zusammenarbeit zu unterschreiben. Damit sollen die Freien viele ihrer bisherigen Rechte abtreten. So soll der Verlag nach den neuen Regelungen Texte und Fotos beliebig oft verwenden und an beliebige Publikationen weiterverkaufen können.

 

"Interne Mehrfachverwendungen sollen entschädigungslos möglich werden. Und beim Weiterverkauf außer Haus ist zwar eine Entschädigung für die Journalisten vorgesehen, aber die Urheber haben keinen Einfluss darauf, wo ihr Werk noch überall erscheint – und zu welchem Preis", kritisiert Urs Thalmann vom Journalistenverband Impressum die Einschränkungen. Bei Impressum und der Mediengewerkschaft Comedia seien in den letzten Tagen eine ganze Reihe Beschwerden eingegangen. "Wir werden mit Springer in Kontakt treten und Verhandlungen verlangen", sagte Thalmann. Bis dahin wird freien Journalisten empfohlen, die neuen Bestimmungen nicht zu unterschreiben.

Kein Einzelfall

Springer ist kein Einzelfall. Auch andere Schweizer Verlage versuchen, immer weitgehendere Nutzungsrechte von ihren Autoren zu bekommen. "Als die Südostschweiz ähnliche Regelungen durchsetzen wollte, konnte das Schlimmste nur durch schlechte Presse abgewendet werden", sagt Thalmann. Dennoch werde weiter systematisch versucht, Freie zum Abtritt aller Rechte zu bewegen.

In Deutschland sollen die Freien umfangreiche Rechte bereits seit dem 1. Januar 2007 an den Axel Springer Verlag abtreten. Gegen diese Bedingungen gehen der Deutsche Journalisten Verband (DJV) und Freelens derzeit noch gerichtlich vor. Einen Teil der AGB hat das Landgericht Berlin bereits für unwirksam erklärt. Weitgehende Nutzungsrechte wie das Werberecht sollen aber weiterhin abgetreten werden. Beide Seiten sind in Berufung gegangen. Der DJV empfiehlt, auch gegen die neue Fassung der AGB Widerspruch einzulegen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • mds

    09.05.08 (16:35:51)

    Ich vermisse Argumente dafür, wieso Journalisten für ihre Arbeit mehrfach bezahlt werden sollen ? jenseits des Journalismus ist ja üblich, dass man für seine Arbeit «nur» einmal bezahlt wird, sprich Auftrag, Arbeit, Bezahlung.

  • Peter Sennhauser

    09.05.08 (22:56:08)

    mds, hast Du eine Ahnung von den Honoraren, die freien Journalisten (und hier ist die Rede von denen, nicht von angestellten) bezahlt werden? Der Tagessatz gemäss (von den Verlegern vor Jahren gekündigtem) Gesamtarbeitsvertrag beträgt in der Schweiz keine 500 Franken, alles inklusive. Das ist ein Betrag von rund 50 Franken pro Stunde. Brutto-Einnahmen, wohlgemerkt. Und selbst dieser Wert ist pure Theorie, weil sich die Ressorts den wahren Aufwand gar nicht leisten können: Die Kollegen Redaktoren rufen an und wollen eine grosse Silicon-Valley Reportage mit Interviews, eine Reisestory aus Yosemite oder einen mehrseitigen Rückblick auf den Summer of love. Aufwand in jedem dieser Fälle mindestens vier Tage (alles andere ist Selbstbetrug, bei freien Journalisten leider weit verbreitet), häufig mit Autospesen, Hotels etc in Höhe von nochmals 500+ Franken verknüpft. Typisches Angebot einer Schweizer Tageszeitung (die ungleich besser zahlen als deutsche Publikationen): Eineinhalb Tage. Magazine und Wochenpublikationen: Zwei bis maximal drei Tage. Spesen müssen in der Regel erkämpft werden. Unter diesen Voraussetzungen hast Du als freier Journi drei Möglichkeiten: Du akzeptierst einen realen Tagesansatz von vielleicht 300 Franken (wohlgemerkt: Du hast Fixkosten für ein Büro, Kommunikationsmittel, Fahrspesen, Infrastruktur etc) und machst damit langfristig dein eigenes Berufsfeld noch mehr kaputt. Du versuchst, den Aufwand zu minimieren und lieferst Arbeit, die weit unter Deinem eigenen Qualitätsstandard liegt (und selbst dann noch nicht wirklich Verdienst bringt) Du suchst weitere Abnehmer für die gleiche Geschichte und sagst erst zu, wenn ein realistisches Einkommen erzielt werden kann. Letzteres ist mühsam, raubt einem freien Journalisten typischerweise mehr als 50 Prozent seiner journalistischen Arbeitszeit und macht ihn zum Info-Broker, was die nötigen Einnahmen verdoppelt - die Rechnung geht hinten und vorne nicht auf. Ausserdem ist Journalismus eine Mischung aus Handwerk und Kreativ-Arbeit. Kein Buchautor, kein Musiker, kein Fotograf tritt alle Rechte an seiner Arbeit ab - wieso sollte er sich als Taglöhner bezahlen lassen und allfällige Zweit- und Drittprofite aus weiteren Verwertungen dem Auftraggeber überlassen? Das tun Festangestellte - im Austausch gegen ein vernünftiges Einkommen, Arbeitsplatzsicherheit, Spesen und Pensionskasse. Dein Einwurf wäre gerechtfertigt, wenn die Verlage den Freien zu anständigen Ansätzen den Aufwand entschädigen würden. Diese Zeiten sind vorbei. Heute versuchen sie, ihren Profit zu maximieren, indem sie auf einem freien Markt "Content" weit unter Gestehungspreis einkaufen und dann Konzernweit verwerten. Warum bitte sollte ich das Eigentum an meinem Werk zu einem Preis verscherbeln, der aufgrund eines freien Marktes von einmaligen Publikationsrechten zustande gekommen ist? Die Verleger vermengen hier zwei völlig verschiedene Preismodelle, und das ist unredlich. Es ist aus meiner Sicht auch ausgesprochen dumm und entspringt kurzfristigem Profitdenken: Statt in eine Redaktion mit der Erfahrung, der Leidenschaft, dem Charakter und der konsistenten Effizienz eines Think Tanks zu investieren, stellen immer mehr Verlage ahnungslose Textverwalter zu einem Bruchteil früherer Redaktorengehälter an und lassen die für ein Trinkgeld die umfassenden Rechte an den Werken von immer weniger freien Fachjournalisten und immer mehr genauso unerfahrener Selfmade-Journalisten zusammenramschen. Das sieht in der Jahresrechnung gut aus und schlägt sich in einem massiven Effizienz- und Qualitätsverlust der Publikation nieder. Interessanterweise finden sich grade in der Blogosphäre genug Schreiber, die selbstgerecht genauso auf den vermeintlich hochbezahlten Journalisten herumhacken wie auf den zunehmend erbämlichen Produkten. Qualität kostet Geld. Der journalistische Braindrain in die weit lukrativere PR-Wirtschaft spricht Bände. Wenn das breite Publikaum aus dem Newsticker-Rausch aufwacht, in dem es sich jetzt befindet, und den Informations- und Genusswert gut recherchierten, gut produzierten Hintergrund-Journalismus' wieder entdeckt, wird es für die Discount-Verlage ein böses Aufwachen geben.

  • mds

    09.05.08 (23:02:15)

    mds, hast Du eine Ahnung von den Honoraren, die freien Journalisten (und hier ist die Rede von denen, nicht von angestellten) bezahlt werden? Nein, deshalb habe ich gefragt und bin Dir entsprechend dankbar für Deine ausführliche Antwort. Weitere Fragen meinerseits folgen allenfalls, sobald ich Deine Ausführung nochmals in aller Ruhe gelesen habe.

  • Klaus Jarchow

    09.05.08 (23:43:35)

    Der Journalismus ist überall auf den Hund gekommen. Verantwortlich dafür: die Verleger. Die längst keine mehr sind ...

  • meisterantonio

    10.05.08 (10:21:41)

    Klaus Jarchow: Ein wirklich sehr einfaches Weltbild. Peter Sennhauser: Freie sind teilweise schlecht bezahlt. Das stimmt und das ist falsch - wenn letztlich wohl auch eine Frage von Angebot und Nachfrage in einem Berufsstand, in dem jeder mittun kann und keiner zuerst einen Fähigkeitsausweise vorlegen muss. Die Freien, die auf Auftragsbasis für 300 Franken pro Tag arbeiten, sind aber nur ein Teil des Gesamtbildes. Genauso viele freie Journalisten arbeiten als "feste Freie" mit einem monatlichen Fixum und durchaus guten Honoraren. Die sind von der neuen Regelung von Springer wohl genauso betroffen. Und ich pflichte MDS zu: Es ist grundsätzlich nicht einzusehen, weshalb Journalisten - anders als Werber, Forscher aber auch Künstler - nach dem Verkauf ihres Werkes an den Auftraggeber weiterhin weitgehende Rechte daran besitzen sollten.

  • arbiter

    10.05.08 (11:42:37)

    @MEISTERANTONIO. Reden wir hier vom Urheberrecht und seinen Spielarten, derjenigen europäischen Zuschnitts, und derjenigen anglo-amerikanischen/japanischen? Welcher Sangeskünstler bekommt für die "einmalige" Studioaufnahme, wenn sie dann über andere Tonträger verbreitet wird, nicht seine Tantiemen? Welcher Architekt verliert mit Auftragserledigung das Urheberrecht an seinem Werk? GEMA, VG-Wort, VG-Bild &Kunst sind Gesellschaften, die sich mit den `Zweitrechten´an den abgelieferten Werken im Auftrag des Gesetzgebers zur Lebenssicherung der jeweils in dem Genre schaffenden Künstler befassen! Die Springer-Attacke ist der Versuch, unter Mißbrauch des Rechtes auf freie Vertragsvereinbarungen amerikanische Verhältnisse einzuführen. Was ist daran "frei", wenn ein Verhandlungspartner nach dem Motto `friß oder stirb´ Vertragsbedingungen diktiert, die der andere Teil wegen des Fressens unterschreiben muß? Wer heute ein Buch publiziert, das in Bibliotheken zur Nutzung durch eine Vielzahl "nichtzahlender" Konsumenten aufliegt, hat z.B. Anspruch auf Bibliothekstantiemen. Warum soll ein Journalist für seine Texte schlechter gestellt sein? Jeder Schauspieler erhält für erneuten Verleih/Wiederholung seine Tantiemen. Im übrigen, ohne diese gesetzliche(!) Regelung würden 70 Prozent der Betroffenen noch ihr zernagtes Hungertuch gegen ein Leichentuch tauschen dürfen. Bezahlung einer über den ursprünglichen Verwertungsvertrag hinausgehenden nutzung MUSS sein! Oder vereinbart jemand pauschal mit einer Leihwagenfirma eine Nutzung des Fahrzeugs für 100 Kilometer und bildet sich ernsthaft ein, 900 Mehrkilometer müsse er nicht bezahlen?

  • Peter Sennhauser

    10.05.08 (12:27:56)

    @Meisterantonio: Genauso viele freie Journalisten arbeiten als ?feste Freie? mit einem monatlichen Fixum und durchaus guten Honoraren. "Genauso viele" hätte ich doch gerne in der Statistik belegt. Das simpelste Argument, warum ich meinen Kunden nicht mein Werk, sondern nur ein Abdruckrecht verkaufe, besteht darin, dass diese Kunden meine Arbeit zu einem Bruchteil der Kosten kriegen, die ich als Festangestellter verursachen würde. Das Risiko liegt vollständig bei mir, also bleiben auch die Rechte bei mir. Werber kreieren massgeschneiderte Kampagnen für Kunden und kassieren dafür Beträge, die mit dem Verdienst von Journalisten nicht vergleichbar sind (siehe Braindrain in Richtung PR/Werbung); Forscher beantragen Patente und verdienen nicht selten an den Lizenzeinnahmen kräftig mit; "Künstler" wie Musiker, Schriftsteller, Fotografen, Schauspieler oder Filmer kassieren Tantiemen und Urheberrechtsabgaben (wie war das gleich nochmal mit der Suisa und dem iPod-Preis?. Zu Deinen übrigen Behauptungen: Das "Fixum" ist meistens eine Minimalgarantie (und in den andern Fällen ist es eine Teilzeitanstellung mit Kündigungsschutz und allen Boni der Festangestellten); die Honorare pro Geschichte müssen meist immer noch einzeln ausgehandelt werden; die 300 Franken (die eigentlich knapp 500 sein müssten) beziehen sich auf die "Elite" mit Fähigkeitsausweis bestehend aus 10 Jahren Berufserfahrung und beispielsweise Jouschu oder Maz-Diplom; im lokalen Tagesjournalismus werden weit geringere Ansätze oder gar Zeilenhonorar bezahlt etc. Ich arbeite seit 20 Jahren als Journalist, 2/3 davon als Redaktor in allen Schweizer Zeitungskategorien. Und wenn's Dir aus meinem ersten überlangen Aufsatz nicht klar geworden ist, sag ich es gerne noch mal: Angebot und Nachfrage bezog sich bisher auf einmalige Abdruckrechte, und die Honorare kamen aufgrund der Mischrechnung im Hinblick auf Mehrfachauswertungen zustande. Die Ansätze der regionalen Tageszeitungen waren tiefer als die der nationalen, weil ein Mitarbeiter seinen Text gleichzeitig in Baz, BT, LNN und "Bund" veröffentlichen und so ein passables Einkommen erzielen konnte. Das Urheberrecht wurde geschaffen, weil geistiges Eigentum keine physische Handelsware ist und den Schöpfern ein vernünftiges Einkommen garantiert werden sollte. Meine Auftraggeber kaufen nicht mein Werk, sondern das Recht, dieses Werk in ihrem Titel zu publizieren, genauso, wie Du eine Software nicht kaufst, sondern das Recht, sie zu benutzen. Während allerdings Du die Software auf deinem Rechner löschen und das Nutzungsrecht einem Dritten weiterverkaufen kannst, kann eine Zeitung die Nutzung meines Texts nicht rückgängig machen - und deshalb kann sie meinen Text auch nicht weiterverkaufen. Für Bilder beispielsweise gibt es klar abgestufte Lizenzrechte, von einmaligem Abdruck- bis zum unbeschränktem Nutzungsrecht - mit entsprechend verschiedenen Tarifen. Was Springer und andere einzuführen versuchen, ist das globale Nutzungsrecht zum Tarif der einmaligen Publikation. In der Musik-, Film und Softwarebranche würde man das als Raubkopie bezeichnen. Und wie immer werden dies alle Einsteiger ohne "Fähigkeitsausweis" mitmachen müssen, und die andern legen den Wisch in den Rundordner. Das muss man sich aber auch zuerst mal leisten können, und weil die Verlage zugleich den Budget-Druck auf die Kollegen und Kolleginnen in den Redaktionen steigern, sinkt insgesamt logischerweise die journalistische Qualität. Ein billiger, schlechter Text von 5000 Zeichen füllt nämlich genau gleich viel Platz zwischen den Inseraten wie ein hochwertiger.

  • Peter

    10.05.08 (15:27:23)

    Freie, hört auf zu jammern, denkt wie Unternehmer, erhöht die Preise ? die Zeiten sind gut für gute Texte. Verlage bauen Stellen ab. Wer auf einer Redaktion sitzt, hat kaum mehr Zeit zu recherchieren und zu schreiben. Magazine und Zeitungen sind angewiesen auf gutes Material von Freien. Nehmt die Bilanz aus dem Hause Springer: Mit einer kleinen Redaktion und vielen Freien entsteht ein hochwertiges Magazin. Ohne Freie wäre das Heft leer. Die Nachfrage nach guten Texten von Freien hat sich in den letzten Jahren drastisch erhöht, also steigen auch die Preise. Freie, nicht die Verlage müssen die Preise diktieren. Das geht aber nur dann, wenn die Freien bessere Geschichten schreiben als die Redaktoren. Freie sollten den Computer öfters abstellen, in der Welt und nicht im Internet recherchieren. Freie müssen Nischen-Player sein, nicht Gemeingüter produzieren. Denkt wie Unternehmer. Freie sollten möglichst viele Kunden haben, damit sie ihre Texte zum best möglichen Preis los schlagen können. Kunden gibt es weltweit. Die Globalisierung ist gut für Freie. Es gibt einen globalen Markt. Gute Reportagen und Interviews lassen sich weltweit verkaufen. Texte lassen sich günstig übersetzen. Das geht natürlich nur, wenn das Urheberrecht und Nutzungsrecht vollständig beim freien Autor bleibt. Wer das abtritt, ist nicht mehr frei. Die US-Gründerväter schrieben den Schutz des Urheberrechtes bewusst in der Verfassung fest. Sie wussten, dass Autoren nur dann gute Produkte hervorbringen, wenn sie von deren Verwertung leben können.

  • Peter

    10.05.08 (15:36:38)

    @ Klaus Jarchow: Ich stimmen zu, der Journalismus ist auf den Hund gekommen, aber nicht wegen den Verlegern. Schuld sind die Journalisten. In kaum einem Gewerbe wird mehr gefälscht, gestohlen, gemogelt als im Journalismus. Das machen nicht die Verleger, das machen die Schreiber.  

  • Urs Thalmann

    11.05.08 (14:21:42)

    Schön, dass eine lebhafte Diskussion stattfindet! Instruktiv: http://www.impressum.ch/data/de.pdf Nun, ich bin von einem der Verbände, die den Freien empfehlen, den Vertrag Springers nicht zu unterschreiben. Hier ein paar Kommentare zu der bisherigen Diskussion: 1. Wieso "beklagen" sich freie Journalisten über ein Honorar von real 300.- / Tag(das ist übrigens für viele noch hoch gegriffen!). Jeder Angestellte soll mal versuchen, sich zu verselbständigen und dann damit zu leben, wenn man damit die realen Personalkosten und nicht nur den Lohn bezahlen muss, inklusive Spesen und 100% der Kosten für Sozialversicherungen. 2. Weiter ist zu beachten, dass die Freien - wie alle selbständigen - ja nicht wissen, ob sie nächsten Monat/Woche/Tag wieder gleich viel Aufträge bekommen. Sie müssen also eine Reserve haben. Sonst ist eine Familie schlicht nicht ernährbar... 3. Zum Vergleich: Sucht Euch mal einen Informatiker oder selbständigen Musiklehrer, der Tagesansätze von 300 CHF (NICHT EURO!) akzeptieren würde. Wieso sollen die zu grössten Teil hochschulgebildeten und weitergebildeten Journalisten weniger zugute haben als die Informatiker in der gleichen Firma? 4. @PETER: Nun, mach doch mal ein halbes Jahr Journalismus und versuche herauszufinden, was passiert, wenn Du einem Chefrdeaktor ins Gesicht sagst, du akzeptierst seinen Tarif nicht. Das können sich (leider) nur ganz wenige Stars leisten. 5. @meisterantonio: Stimmt. Manche Journalisten verdienen gut, auch Freie. Aber leider sind das immer weniger. Und die, die nicht zu den Stars gehören, kommen immer mehr unter Druck. Daher ist es die Pflicht der Verbände, das zu tun, was die Journalisten aus den unter 3. erwähnten Gründen alleine nicht tun können: Die Verlage unter Druck setzen, um faire Honorare und Urheberrechtsregeln zu bekommen. 6. Stimmt. Dem Schreiner gehört sein Stuhl nicht mehr, nachdem er ihn verkauft hat. Aber wenn er davon leben will, bekommt er auch einen anständigen Preis dafür. Das hängt zusammen. Niemand sagt, Urheberrecht dürften partout nicht abgetreten werden, aber nicht einfach so gratis oder gegen ein Butterbrot. 7. Zusammengefasst: Die Freien wollen nämlich nicht mehr als ein bisschen Fairness. In der Charta der Rechte der Freien der EFJ steht, was wir fordern, und das ist wirklich nicht zuviel verlangt... http://www.impressum.ch/data/de.pdf Die Karte können Sie übrigens in D beim DJV bestellen. Verleger und Chefredaktoren freuen sich immer über einen Gruss mit der Postkarte ;-) Grüsse und danke für alle weiteren Diskussionsbeiträge! Urs

  • Peter

    11.05.08 (15:11:13)

    @ Urs Thalmann: Ich bin seit zehn Jahren freier Journalist. Und: Danke für die Empfehlung, nicht zu unterschreiben. Die Diskussion läuft seit über zehn Jahren. Bei den Urheberrechten haben die Gewerkschaften bis anhin leider versagt. Es sind andere Zeiten, der Markt für journalistische Produkte hat sich in den letzten fünf Jahren komplett verändert. Fast alle Formen von Informationen ? Sport, Wirtschaftsnews, Agenturen ? sind heute irgendwo kostenlos zu haben. Insofern sind Informationen ein Allgemeingut mit sehr geringem Wert geworden. Journalisten müssen sich diesen neuen Marktumständen anpassen. Was hat noch einen Wert? Recherchier-Journalismus, Reportagen, hard-to-get Interviews. Danach besteht grosser Bedarf. Klar, diese journalistischen Formen sind aufwändiger und zeitintensiver. Wer in diesem Marktumfeld bestehen will, muss Mehrarbeit leisten. Und er muss die Kontrolle über seine Arbeit haben, also sämtliche Rechte behalten können.

  • Frank

    11.05.08 (18:54:25)

    Zu den Preisen, die noch vor etwa 10 Jahren für nichtexklusive und einmalige Verwertungsrechte gezahlt wurden, wollen die "notleidenden" Verleger heutzutage das exklusive lebenslange Verwertungsrecht. Mal rechnen: in weiteren 10 Jahren werden sie für diese Preise dann das alleinige Nutzungsrecht am entsprechenden Autoren (incl. Organ-Ausschlachtung) beanspruchen. Echt klasse.

  • Klaus Jarchow

    11.05.08 (20:14:55)

    @ Peter: Es ist richtig, dass der Wert der 'Information' oder des 'Nachrichtenkerns' sich im freien Fall befindet. Informationen 'an und für sich' haben keinen Wert mehr, ganz wenige Wirtschaftsdienste vielleicht ausgenommen. Die Folge: Der brave Reporter, der dem Herausgeber die 'Nachricht' apportiert, der hat ausgedient. Auch das beliebte Insistieren vieler auf der Recherche - zum Beispiel beim 'Netzwerk Recherche' - ist keineswegs Überlebensgarantie oder auch nur zukunftsfähig: Im Falle eines Falles recherchiert 'der Schwarm' im Netz viel effektiver als ein einzelnes Individuum, und sei sein Telefonbuch mit den Kontakten noch so dick. Da nämlich immer mehr - fast alles - im Netz zu finden sein wird. Anders ausgedrückt: Das Netz - und nicht die vergilbende Presselandschaft - wird zum informativen Spiegelbild dieser Welt werden. Ganz von selbst dank der Netzbewohner, ohne Zwischenträger oder 'Reporter' ... Der gewinnbringende Journalismus, also derjenige, der dem Schreiber ein Überleben gestattet, der ist dann derjenige, der die Nachricht, die alle bereits haben, nur zum Anlass nimmt: Der darum herum ein 'erzählerisches Gebäude' zu errichten weiß. Die Kunst des Journalisten ist damit die 'Narration' statt der Information, er kann eine Nachricht so erzählen, dass sie gelesen wird. Was wiederum nur geschieht, wenn der Text durch Dramaturgie, Stil usw. zu fesseln weiß. Die Lösung, der Unterschied, der den Unterschied macht, lautet damit gewissermaßen 'Literatur' ...

  • arbiter

    12.05.08 (01:21:08)

    @ PETER: Irgend etwas an dem Faksimile der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung über meinem Arbeitsplatz scheint nicht zu funktionieren. Auf der handschriftlichen Unabhängigkeitserklärung vom 04. Juli 1776 findet sich weder in Englisch -Amerikanisch konnten die Unterzeichner noch nicht- noch in Deutsch, das sie auch nicht schrieben, ein Wort vom Urheberrecht. Völlig unabhängig vom Preisverfall der Honorare/Entgelte für Journalisten/freie Journalisten, zugleich aber parallel verfällt der Wert der Nachricht. Dies hat nicht zuletzt mit dem Einzug der IT in Redaktionsstuben zu tun. Mit dem Wandel des Arbeitsumfeldes weg vom Setzer, Layouter hin zum Desktopjournalismus bleibt der journalismusfremde Produktionsrest auf der Tastatur kleben, muß ein- und abgearbeitet sein, vom Journalisten. Es entwickelt sich ein völlig anderer und neuer Zeit- und Arbeits- und Produktionsdruck, dem das eigentliche Tätigkeitsfeld `Journalismus´ zum Opfer fällt. Ausgehend von dem Informationsgehalt der vier heute persönlich konsumierten Tageszeitung-Wochenendausgaben bin ich sicher, das Internet kann dezeit und auf längere Sicht solches nicht zur Zufriedenheit des Users leisten. Sicher bin ich auch, keiner der Verleger, der mir sein Exemplar geliefert hat, zahlt drauf. Mag sein, mit Fortschreiten der Technik holt das Web bei den Informationen auf. Aber auch das führt allenfalls zu einer Angebotsflut von Informationen, längst nicht zur kommentierten Nachricht, schon gar nicht zu qualitativ transportiertem Nachrichteninhalt. Zudem müßte es die Gewohnheiten des Lesekonsums entweder akzeptieren oder grundsätzlich umformieren. Beides zeitraubende Prozesse. Ob allerdings `lierarische´ Berichterstattung Gewinn generiert? Ein Literat(!) berichtete neulich, ein rennomierter Verleger habe seinen Text letztens mit der Begründung abgelehnt, er sei `literarisch´ zu anspruchsvoll, gehobene Literatur verkaufe sich nicht. Wäre vielleicht mehr Ehrlichkeit und mehr Neutralität oder einfach nur weniger parteische Berichterstattung ein `journalistischer´ Weg? Der wird allerdings im Streit um die Verwertungsrechte des geschriebenen Wortes kein Gewicht haben.

  • Peter

    12.05.08 (15:07:39)

    @ ARBITER: genau lesen. die US-Gründerväter haben das Urheberrecht in die Verfassung geschrieben, nicht in die Unabhängigkeitserklärung. Article I, Section 8, Clause 8: To promote the Progress of Science and useful Arts, by securing for limited Times to Authors and Inventors the exclusive Right to their respective Writings and Discoveries. Wer etwas über Urheberrechte lernen möchte, sollte sich mit diesem Paragrafen und vor allem seinen rechtlichen Folgen befassen. Daraus ist eines der stärksten Copyright Laws entstanden. Vor noch nicht allzu lange hat der Supreme Court übrigens entschieden, dass eine Weitergabe von Werken in Datenbanken eigenständige und neue Werke sind. Die Autoren werden dafür bezahlt.

  • jean-claude

    12.05.08 (16:52:16)

    Eine prima Diskussion. Medienlese gewinnt an drive. Wieder was gelernt: Gegen die US-Verfassung zu argumentieren, wird den Springer-Leuten schwer fallen. Das Urheberrecht ist substanziell und für die meisten Freischaffenden existenziell. Da lohnt ein harter Fight. Es sei daran erinnert, was die amerikanischen Drehbuchautoren kürzlich erreicht haben (dabei ging es um Honorare, aber auch Urheberrechte). Sie haben gewonnen. Besonders gut finde ich die Argumentation von Peter. Freie müssen sich auf die grundlegend neuen Verhältnisse einstellen. Das ist auch eine Chance. Viele Redaktionen kommen gar nicht mehr zum Recherchieren und Rausgehen. Die Nischen sind wirklich da , aber man muss das Besondere und eben Qualität liefern. An solchen Stories ist der Bedarf eher grösser als kleiner geworden. Das müssen keineswegs superexklusive Stücke sein, aber besondere. Es geht, wenn man die gleichen Texte in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz verkaufen kann. Viele Redaktion sind da durchaus tolerant, sofern nicht ein unmittelbarer Konkurrent beliefert wird. Man muss aber den Redaktionen gegenüber mit offenen Karten spielen und zum Beispiel Erstabdruckrechte bez. Nachdruckrechte vereinbaren Deutschsprachige Autoren müssen auch versuchen, ungewöhnliche Texte in Englisch, Französisch, Spanisch anzubieten. Das erweitert den Markt, dank Internet, beträchtlich. Das ruft nach einer neuen Dienstleistung: Uebersetzungen zu günstigen Tarifen. Auch nichtprofessionelle Uebersetzer können solche Texte sehr gut sozusagen nebenher übersetzen und sind oft froh um ein Zubrot. Dazu braucht es keine siebenfach vereidigten - und dann sehr teuren - Uebersetzer. Ich suche schon lange nach solchen Angeboten. Ein Tip: In Berlin sitzt der Verein der Ausländischen Presse VAP mit etwa 400 professionellen Journalisten, die in ca. 40 verschiedenen Muttersprachen und Dialekten schreiben. Nur muss man natürlich sicherstellen, dass einem die Story auf diesem Weg nicht einfach geklaut wird. Aber es geht, das lässt sich schriftlich wie ein kleiner - einklagbarer - Vertrag fixieren. Auf diesem Weg lassen sich auch neue Absatzkanäle erschliessen.

  • arbiter

    12.05.08 (17:10:44)

    @ PETER: Yes, Sir, und sorry. Steht so in der US-Verfassung. Der Supreme court hat auch so entschieden, auch wenn`s niemanden ernsthaft juckt. Der Jurist mag US-Copyright für eines der stärksten halten. Warum sehen die Schreiber das regelmäßig anders? In der BRD wird das Urheberrecht, obwohl beim Patentamt angesiedelt, `körbeweise´ im Bundestag verhandelt. Und weil gerade Korb II verabschiedet und seit 1.1.2008 in kraft ist, wird unverzüglich an Korb III geflochten, im übrigen sehrwohl unter Beteiligung und Engagement der gescholtenen Gewerkschaft Verdi mit Jouzrnalisten- und Schriftstellerverband. Der Haken ist, Schröder/Zypries hatten in ihrer Agenda US-Standard auf dem Papier. Bei dem Gerangel darum kam Verbänden und Wahrnehmungsgesellschaften nur noch Verhinderungsfunktion zu, kein Spielraum für aktive Gestaltung. Die hier diskutierte Springer-Praxis ist nichts als der Versuch, über `freie´ Vertragsgestaltung die Ergebnisse von Korb II auszuhebeln und für Korb III vorab Tatsachen zu schaffen. Politiknähe eines Mathias Döpfner ist da sehr nützlich. Scheint, als wäre der starke US-Standard hierzulande bei den Betroffenen nicht gar so beliebt.

  • dms

    13.05.08 (01:59:19)

    1. Wer keine oder geringe Werte schafft, wird demnach gar nicht oder nur schwach entschädigt. 2. Es gibt keinen Anspruch mit seiner Lieblingstätigkeit reich zu werden. 3. Wer kreativ ist, braucht kein Urheberrecht. Das Urheberrecht zerstört das Kreative. 4. Wie in jedem Bereich sind die meisten durchschnittlich bis schlecht. Wer damit ein Problem hat, muss sich einen Bereich suchen, wo er gut bis am besten ist. 5. Nach Asien blicken und sich überlegen, wie man mithalten kann! Mit Jammern und dem Beharren auf das überkommene Urheberrecht ganz offensichtlich nicht!

  • Peter

    13.05.08 (02:07:30)

    @ dms. Wer das Urheberrecht besitzt, der hat einen Ansporn, kreativ zu sein. Die intellektuelle Idee hinter der Copyright Clause der US-Verfassung ist Handel und Kommerz. Ist Kommerz möglich, entstehen tolle Texte, grossartige Wissenschaft, gute Filme, etc. Wer das Urheberrecht hat, braucht nicht zu jammern, wer es abtritt, kann aufhören.

  • Wolf-Dieter Roth

    13.05.08 (07:20:53)

    @Klaus Jarchow: Auja, alles nur noch aus dem Netz recherchieren statt persönlich. Wenn etwas im Netz steht, muß es ja stimmen. Bald gibt es täglich Entenbraten. Mniam mniam. Allgemein: US-Copyright und europäisches Urhebberecht haben deutliche Unterschiede. Das US-Recht schützt mehr Konzerne als Urheber @DMS: Was Du ausrufst, fördert aber gerade Mittelmaß und Billigproduktion. Masse statt Klasse. Und Asien? Ja wat? Sollen wir unsere Zeitungsartikel nun in Sweatshops in China schreiben lassen?

  • Klaus Jarchow

    14.05.08 (15:43:52)

    @ Wolf-Dieter: Das Netz 'wird dazu werden' habe ich geschrieben, das ist Futur Zwei. Der Ist-Zustand ist davon noch weit entfernt.

  • Wolf-Dieter Roth

    15.05.08 (12:05:33)

    @Klaus: Das kann man jetzt als Pessimismus ("Es wird nur noch abgeschrieben")oder Optimismus ("Netz-Schwarm-Intelligenz") ansehen. Ich glaube aber in der Form nicht dran. Journalisten haben zumindest gelernt (und sei es aus Erfahrung), wann eine Story komisch riecht. Wenn sie dann doch reinfallen, liegt es am heute üblichen Leistungsdruck - ein anderer könnte ja zuerst seine Geschichte online haben und dann die Google-Besucher abziehen. (Oder daran, daß sie Hitler so fasziniert, daß ihnen bei Tagebüchern über Blähungen nichts komisch vorkommt). Bei allen anderen mag man zwar auf die schiere Menge hoffen ("einer wird den Entenbraten schon riechen"). De facto machen die meisten was typische Nachrichten betrifft aber auch nichts anderes, als erstmal nachzuplappern, was woanders steht. Daß dann zwei Wochen später mal hier und da ein verschämtes "war doch anders" stehen wird, geht ebenso unter wie die Korrekturspalte in der Bild. Ich wüßte nicht, wieso das zukünftig anders ablaufen sollte. Klar, nach zwei Wochen hat dann irgendwer die Ente zur Strecke gebracht. Aber das passiert auch heute. Daß das Tierchen aber überhaupt erstmal in die freie Wildbahn gelangt, das ist mit Web 2.0 m.E. sogar deutlich wahrscheinlicher. Typischer Fall war das hier: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22017/1.html Zugegeben keine extrem wichtige Story, aber die eine Mail "Stimmt das?" an den, dessen Mailadresse ja fast schon auf dem Foto zu sehen war, die hätten auch Blogger schreiben können. Aber das hätte ja die lustige Story kaputtgemacht und wer hat schon die fünf Minuten Zeit? Und wenn selbst Leute, die dort studiert haben, die Ente fressen? Das sind einfach grundlegende Probleme, daran ändert auch das Web nichts, außer daß halt nun alles schneller geht. Nur langfristig tun sich Enten vielleicht schwieriger. Der einzige Unterschied: Ein Journalist wird geköpft, wenn er Hitler-Tagebücher anschleppt. Ein Blogger kann Verschwörungstheorien ohne Ende bringen und so vielleicht sogar eine große Fangemeinde aufbauen. Daß er großer Hitler-Kenner ist, würde die Sache nicht unbedigt glaubwürdiger machen. (Ersetze jetzt z.B. mal Hitler durch Bush - was keine wertung darstellen soll - und Du findest viele, die genau das tun). Wem würdest Du im Zweifelsfall eher vertrauen? Ich doch immer noch dem, der Konsequenzen fürchten muß, wenn er Unsinn erzählt.

  • Klaus Jarchow

    15.05.08 (22:30:30)

    @ Wolf-Dieter: Ich glaube gerade daran nicht. Journalisten sind genauso anfällig für Hexenwahn und Bullshit wie alle anderen Menschen auch. Negativer Beweis: Einen habe ich heute in der 'Sargnagelschmiede' verlinkt. Komischerweise berichtet außer der 'taz' kein Medium über diesen absolut mittelalterlichen Rationalitätsunfall der italienischen Qualitätsmedienkollegen.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer