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30.10.07Leser-Kommentare

Frank Schirrmachers Welt ...

... überfordert mich intellektuell. Wie überhaupt das ewige Internet-Bashing, das unsere Alpha-Journalisten betreiben. Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass sie Johann-ohne-Land-Gefühle entwickeln. Natürlich verlieren durch den Zuwachs der Online-Medien die Holzmedien kontinuierlich an Relevanz. Deshalb aber wahllos mit dem Knüppel der Pauschalisierung herumzudräuen, wie der FAZ-Herausgeber in seinem Hausmedium und dann in der 'Süddeutschen Zeitung', das lässt mich am Qualitätsjournalismus zweifeln, an dessen Hagiographie sie doch alle wie ein emsiges Kaffeekränzchen häkeln.

Wenn ich über Journalisten oder Medien schreibe, dann sage ich - wie auch in diesem Fall - 'Frank Schirrmacher' oder auch mal pauschaler die 'FAZ', aber ich sage nicht 'die Zeitungen' oder 'die Journalisten'. So viel Konzilianz und Differenzierungsvermögen fallen vice versa wiederum einem Frank Schirrmacher schwer, obwohl er doch just den Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprache erhielt und er sich auch deshalb hier zu Wort meldet.

In schöner Regelmäßigkeit ist in seinem Text von DEM "World Wide Web", DEM "Internet" oder DEN "Blogs" die Rede, von einer furchtbaren, gleichgeschalteten, namenlosen Welt voller Dreck und Schlamm. Ein medialer Sumpf, wo das analphabetische "Nicht- oder Fastnichtmehrlesen" regiert, wo "pornographischer und gewalttätiger Extremismus" aus allen Löchern quillt, wo auch immer er, der große Qualitätsjournalist, seine Sonde in den Morast bohrt:

 

" Wir riskieren die wenigen Kinder , die unsere Gesellschaft in Zeiten des demographischen Wandels hat, mit seelischem Extremismus zu programmieren - wenn wir nicht bald eine Debatte über pornographische und kriminelle Inhalte im Internet beginnen.

 

Ob es überhaupt möglich sei, Menschen per Internet zu 'programmieren', das will ich hier gar nicht weiter untersuchen. Auch nicht, wie man vom Nichtlesen sprechen kann, angesichts des Siegeszugs der 'Blogosphäre', einer weltweiten Schreibbewegung im Netz. DAS Internet in toto aber für Online-Pornographie in Haftung zu nehmen, das ist ungefähr so sinnvoll, wie DIE deutschen Zeitschriften für Beate Uhses Hochglanzprodukte an den Pranger zu stellen. Letztlich ist solch ein Lack-und-Leder-Magazin doch auch nur ein Print-Erzeugnis. Und die Schreiber dort sind auch nur Journalisten.

Ebenso ist es mit den Porno-Portalen, die Frank Schirrmacher am Schlafittchen packt und anklagend herumzeigt. Auf der technischen Ebene sind es x-beliebige Content Management Systeme wie Spiegel Online auch. Das Internet stellt nur die Schienen. Die Waggons aber, die darauf rollen, werden von ganz anderen befüllt. Schirrmacher redet dennoch, als wäre die Eigenschaft 'Online', die Verkehrstechnik also, für alles Schlechte im neu-medialen Raum verantwortlich, was ungefähr so sinnvoll ist, wie 'die Drucktechnik' für Nazi-Propaganda zur Rechenschaft zu ziehen.

Natürlich überschreitet das Internet längst nationale Grenzen, ein kalifornisches Giddel-Portal benötigt nach dortigem Recht nur die Zusicherung des Betrachters, dass er 18 sei, schon steckt der mitten im Hardcore-Geschehen. Das gilt dann auch für den ebenso arglosen wie seelisch keuschen Jungdeutschen aus guter Familie, der sich dort - natürlich gaaanz zufällig! - 'als Kalifornier' einwählt. Hier, bei der Harmonisierung internationalen Rechts, steckt die Bringschuld - konkreter: bei der Politik. Man kann aber nicht das Internet abschalten, nur deshalb, weil einige Teile der Welt ihren Bürgern Inhalte zumuten mögen, die anderswo als 'Ähbäh!' gelten.

An einigen Stellen schlägt's auch bei Schirrmacher dann durch, worum es ihm im Kern geht. Es sind bedrohte ökonomische Interessen im kulturellen Gewand, die dort verteidigt werden - und die werden auch noch schlecht verteidigt. Denn diese Logik klingt wohl nicht nur in meinen Ohren 'verwegen':

 

"Die Zeitung liefert eine Haltbarkeit von mindestens 24 Stunden, und in ihren Kommentaren, Rezensionen und Kritiken will sie sogar vor der Nachwelt bestehen. Im Vergleich zum Internet ist sie das verzögernde Moment in der gesellschaftlichen Kommunikation. Deshalb wird sie immer unverzichtbar sein".

'Ewigkeitswerte' also - und 'produktionstechnische Schwächen als Stärken gedeutet', das ist der doppelte logische Kern, an dem sich Schirrmachers Pudel verschluckt hat. Es geht ihm um den Versuch einer 'Zeitungsrettung'. Nur ist ein produktionstechnisches Defizit in meinen Augen noch lange keine Stärke. Schirrmacher behauptet trotzdem frischweg: Weil Print so langsam ist, müssen wir ihn als unverzichtbar erachten. Man stelle sich diese Argumentation vor, angewandt auf den Flug- oder Postverkehr. Nach dem Motto: Die Zukunft gehört der Bimmelbahn! - in diesem Fall dem "Qualitätsjournalismus", begriffen als gute, alte Tradition, auch wenn die Lobhudelei des eigenen Berufsstandes am Ende in ein Geschwurbel aus 'Latenz' und 'Tiefenschichten' übergeht:

 

"In Deutschland nennen wir das, was wir tun, ?Qualitätsjournalismus?, und gemeint ist ein Journalismus der großen Zeitungen, der nicht nur auf Verlässlichkeit setzt, sondern auch einer redaktionellen Ausstattung bedarf, die diese Verlässlichkeit sichert. Zeitungen sind Qualitätszeitungen, weil sie auch dort analysieren, wo vorläufig kein ?Markt? im herkömmlichen Sinn existiert, in der Latenz, in den politischen, wirtschaftlichen und kulturen Tiefenschichten des eigenen Landes und der globalen Gemeinschaft."

Bei Schirrmachers zweitem Pferd im Stall schließlich, dem Nachruhm-Kriterium, frage ich mich, weshalb es seit Sieburgs und Kästners Zeiten kein Journalist zu einer eigenen Werkausgabe mehr brachte? Obwohl das doch das sicherste Dokument fortwährenden Nachruhms wäre.

Der Gipfel ist erreicht, wenn Schirrmacher von seinem emporgejubelten 'langsamen Medium', von seiner Rosinante, der Qualitätszeitung, behauptet, das andere, das 'schnelle Medium', die Blogosphäre also, würde sich bei diesem Schnecken-Kurier notorisch die Agenda zusammenrauben. Vermutlich ja deshalb, weil 'das Internet' so teuflisch schnell ist, dass es sich mit einer Runde Vorsprung der Zeitung schon wieder von hinten nähert, wenn die gerade ihre goldenen Ostereier ins Nest des Mythologen legt. Kurzum: Der Schirrmacher hat seine Nase nach meinem Empfinden etwas zu tief ins Märchen vom Hasen und Igel gesteckt:

 

"Fast alles, was im Netz auf Dauer ernst genommen wird, hat seine Urquelle in den Zeitungen."

Oder an der Quelle gezapft:

 

"Diese Geschichte ist eigentlich gelogen, Kinder, aber wahr ist sie doch, denn mein Großvater, von dem ich sie habe, pflegte immer, wenn er sie erzählte, zu sagen: »Wahr muß sie sein, mein Sohn, sonst könnte man sie ja nicht erzählen«."

Fazit: Für verquere Logik und argumentative Zerrspiegel gibt's heutzutage den Jacob-Grimm-Preis für deutsche Sprache. Obwohl derjenige für Märchen der Moderne angebrachter wäre. Kein Wunder jedenfalls , dass es keine Werkausgaben von Journalisten mehr gibt. Weshalb Christian Stöcker dieses fernab jeder Realität verfasste Prosastück "eine geschliffen formulierte Ermutigungsrede an die Freunde des gedruckten ... Wortes " nennt, das erschließt sich mir nicht. Vermutlich fehlt mir dazu der journalistische Kopf. Ob ich persönlich unsere Printen noch ernst nehmen soll? Nun ja, weil Frank Schirrmacher sagt, sein Geschreibsel sei gar "kein Kulturpessimismus ", tue ich es besser nicht ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Samarkant

    30.10.07 (19:53:02)

    Ganz hervorragend, diese Bildung "Johann-ohne-Land-Gefühle", das ist geschliffen formuliert.

  • Der Gabriel

    30.10.07 (23:41:48)

    DAS Internet in toto aber für Online-Pornographie in Haftung zu nehmen, das ist ungefähr so sinnvoll, wie DIE deutschen Zeitschriften für Beate Uhses Hochglanzprodukte an den Pranger zu stellen. Letztlich ist solch ein Lack-und-Leder-Magazin doch auch nur ein Print-Erzeugnis. Und die Schreiber dort sind auch nur Journalisten. Dieser Vergleich hinkt ja total. Es geht ja nicht darum, das Internet als solches für etwas haftbar zu machen. Es geht um die VERFÜGBARKEIT von all dem Scheiss. Der Gewalt. Der Erniedrigung. Dem Nazi-Dreck. Den Kinderpornos etc. ad infinitum... Also wer Kinder hat, der weiss wohl, wo hier das Problem liegt. Denn: Versuch mal als 9-Jähriger, am Kiosk ein Playboy zu kaufen. Könnte klappen? Okay: Versuch mal am Kiosk, ein Heft mit Anal Fisting zu finden. Wird garantiert nicht klappen, wohl auch als 19-Jähriger nicht. Im Netz aber ganz bestimmt. Auch als 5-Jähriger. Auch mit 5-Jährigen, ganz sicher. Vergewaltigungen? Zwei, drei Klicks - in Schulen übrigens als Mutprobe beliebt zum ankucken. Ausserdem sehe ich nirgends, dass er «das Internet in toto in Haftung nehmen» will. Er will aber eine «DEBATTE» über die kriminellen Inhalte. Warum auch nicht? Das «Chaos», von dem er ja auch spricht, das ist ja da, das lässt sich ja wohl nicht leugnen... Auch wenn seine Beobachtungen zu Zeitung vs. Internet so nicht gelten können, so ist am Kulturpessimismus Schirrmachers (den er aber nicht als solchen verstanden haben will) doch einiges dran. Seien wir mal ehrlich: Nimmt man den intellektuellen Durchschnitt von dem, was im Internet steht - dann ist das die pure, reine Scheisse (Wieviel % Porno nochmal? Wieviel % Gewalt?). Die FaZ hingegen ist eine verdammt gute Zeitung. Noch immer. Auch im Netz. Und egal, ob Online oder nicht (schliesslich handelte es sich um eine Dankesrede, in der es um Print-Journalismus ging): Dieses Zitat von Schirrmacher ist doch eine grossartige Grundmaxime für gutes Schreiben, egal in welchem Medium: dort analysieren, wo vorläufig kein ?Markt? im herkömmlichen Sinn existiert, in der Latenz, in den politischen, wirtschaftlichen und kulturen Tiefenschichten des eigenen Landes und der globalen Gemeinschaft.? Nur: Die Autoren, die noch so arbeiten können, die werden leider immer seltener. Denn: Wer leistet die sich heute noch, bis auf ganz, ganz wenige Qualitätszeitungen? Die Internetisierung der Medienwelt ging schon auch einher mit einer Marktorientierung der Inhalte. Das ist doch leider auch wahr... Ich wüsste jedenfalls keinen Blog, der es mit dem FaZ-Feuilleton, der ZEIT, dem NYTimes-Kultur- und Politikteil auch nur Ansatzweise aufnehmen könnte, was obige Maximen betrifft.

  • Klaus Jarchow

    31.10.07 (08:31:22)

    1. Die beklagte 'Zugänglichkeit' hat in meinen Augen die berühmten zwei Seiten der Medaille: Einerseits gibt es natürlich die Seiten FÜR Kinderschänder, andererseits wurde dieser Kanadier als multipler Kinderschänder kürzlich wiederum auch nur deshalb gefasst, WEIL es das Netz und das einschlägige Material in ihm nutzte. Vor 20 Jahren hätte er vermutlich noch Jahre so weiter machen können, wie einst Hamann in Hannover. Da das Netz wiederum nicht einfach 'abschaltbar' ist, wie es sich einige Herren von der kulturkritischen Front offenbar gern vorstellen, die wohl am liebsten die Server bombardieren würden, müssen in Zukunft andere Mechanismen greifen. So hat mich 'Fisting' nie interessiert, obwohl es auch für mich 'zugänglich' wäre. Weshalb? Wieso? Warum? Und wieso glauben eigentlich alle, dass ihre Kinder Fisting gucken würden, wenn die an Fisting halbwegs problemlos herankämen? 2. Überhaupt sind die ganzen Vorstellungen von einer 'Programmierung' der hilflosen Medienkonsumenten per Internet zum Extremismus, die in Schirrmachers Rede herumgeistern, finsterster Behaviorismus aus Packards Zeiten. Der Mensch ist strikt eine 'nichttriviale Maschine', unvorhersagbar und autopoietisch. Den einen machen Gewaltbilder zum Verbrecher, dem anderen gehen sie am Mors vorbei, den dritten verwandeln sie in einen Pazifisten (ich denke z.B. an die berühmte Heartfield-Sammlung mit den 'Gesichtern des Krieges', wo niemand über Verrohung durch 'Ikonographie' zetert, obwohl uns auch da 'zum Kotzen' ist). 3. Wer ständig den bestimmten Artikel vor 'das' Internet setzt, der meint nicht nur Teile, er zielt auf die Totalität. Vor allem meint er das dann, wenn er soeben als Sprachpapst ausgezeichnet wurde. 4. Es geht weniger um die Fähigkeiten einer aussterbenden Autorengattung, die überhaupt noch so arbeiten 'konnte' - davon gäbe es immer noch genug. Es geht darum, welche Autoren im Print heute noch so qualitätsbewusst arbeiten 'dürfen'. Denn die Krise der Zeitungen ist weitgehend hausgemacht. Denn der Print kommt weniger durch 'das' Internet auf den Hund, sondern durch völlig überzogene Renditeerwartungen deutscher und anderer Verlagshäuser. Sie haben ein internes Problem, indem sie ständig den 'Qualitätsjournalismus' nur noch im Maul führen und anklagend auf das Internet zeigen. 5. Blogs wollen es m. E. mit dem FAZ-Feuilleton gar nicht aufnehmen. Es ist in der Masse nicht ihr primärer Ehrgeiz, Buchrezensionen zu bringen. Blogs sind auch keine Zeitungen. Es sind neuartige Mikromedien mit einem Jedermann-Potenzial, von dem noch niemand weiß, wie sich das einmal auswirken wird. Den Untergang des Abendlandes muss man deswegen sicher nicht ausschreien, auch wenn intelligente Leser von der Zeitung zu Online wechseln, weil sie sich den quotenfixierten Meinungsjournalismus à la Steingart, Jörges, Wagner und Aust nicht länger antun mögen. 6. Wenn weniger Zeitungen gelesen werden, muss niemand gleich von abnehmenden Lesefähigkeiten fabulieren. Der Buchmarkt wächst und wächst. Es wird also mehr gelesen, nur eben nicht mehr so viel Zeitung. Das aber mag an der Berufsauffassung unserer Journalisten liegen - und an ihrem Bild vom Leser, wo mir der Schirrmacher doch ein sehr patriarchalisches Verhältnis zu polieren scheint. Ein echter 'Gatekeeper' alter Schule halt. Der grassierende Analphabetismus jedenfalls, den Schirrmacher ausschreit, der ist ein Phantasma, das ihm nur von seiner Redaktionswarte aus so erscheint. 7. Seine jeweils eigene 'Blogosphäre' muss sich jeder selber schaffen. Zunächst erhielt auch ich nur den Eindruck eines blanken Chaos, eines grandiosen Dilettantismus und endloser Beliebigkeit im Netz. Das liegt u. a. daran, dass das Internet 'uferlos' ist und von Millionen Monaden bevölkert statt bloß von einigen Tausend Journalisten. Wo sich jeder artikuliert, trifft man aber irgendwann auch jeden. Sogar Leute, die zu einem passen. Gruß, KJ

  • Der Gabriel

    31.10.07 (09:19:33)

    Whoa. Danke für die Riesen-Antwort. Ich hab leider heute keine Zeit, das gebührend mit einer weiteren Riesen-Antwort zu würdigen. Nur ein paar Punkte: Niemand will das Netz abschalten (Schirrmacher jedenfalls sicher nicht). Schlussendlich geht es doch um eine Debatte über bürgerliche Werte, es geht um Gesellschaft, Demokratie (wir sprechen immerhin über die FAZ ;-). Ich wiederhole mich zwar, aber: Was die Kids heute wissen, und gesehen haben, und bei «Freunden» kucken, das glaubt man nicht. Und es sind nicht Schiessereien in «Indiana Jones», es sind echte Schlägereien, echte Gewalt... Die «wollen» das sehr wahrscheinlich nicht, es geschieht aber trotzdem. Der Mensch ist strikt eine ?nichttriviale Maschine?, unvorhersagbar und autopoietisch. Nein, nein, nein. Aber ich habe leider keine Zeit für ein Philosophieseminar. Die Geschichte lehrt doch aber, dass es kaum Trivialeres gibt als den Menschen und sein Verhalten. I mean, look at the goddamn planet and compare... Zum Analphabetismus: Der ist kein «Phantasma», jedenfalls bei uns nicht. Ich weiss nur von Zahlen aus der Schweiz. Unser Bildungssystem ist ja teurer als das Deutsche. Trotzdem sind die Zahlen absolut alarmierend: Es ist nicht falsch, von gravierenden Problemen zu sprechen, bei Leuten, die die obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben. Leseverständnis von kurzen, einfachen Texten absolut übel (laut PISA und laut den jährlichen Aushebungsstests fürs Militär, die alle jungen Männer mitmachen)... Und das IST doch ein Problem, wenn die Leute nicht mal mehr schnallen, was in einem verdammten Text überhaupt drin steht, weil sie so verblödet sind... Wo sich jeder artikuliert, trifft man aber irgendwann auch jeden. Sogar Leute, die zu einem passen. Das stimmt natürlich. Aber es ändert nichts am Lärm der Niederungen, seiner erdrückenden Masse und Macht, die durch das Internet sehr viel spürbarer, mächtiger und - eben schon - verfügbarer geworden ist...

  • marcel weiß

    31.10.07 (10:59:25)

    Großartiger Text, Klaus. Danke dafür.

  • Klaus Jarchow

    31.10.07 (11:29:16)

    @gabriel: Nur eine kurze Replik zu einem Punkt. Die Menschen selbst sind nicht trivial, sie werden erst mühsam 'trivial' (oder 'uniform' bzw. 'berechenbar') gemacht durch Medien und Bildungssysteme. Die 'Trivialisierung' großer Menschenmassen, das ist in totalitären Staaten noch immer die primäre Aufgabe der TV- und Radiosender sowie der Zeitungen. In demokratischen Staaten heißt das wohl 'gesellschaftlicher Konsens', wobei es regierungserschwerend eine 'Medienvielfalt' gibt - oder verschiedene Spielformen der Trivialisierung. Wegen dieser genuinen Funktion heißen die Medien doch überhaupt erst 'Massenmedien'. Das Resultat ist eine durch Meinungsführer formierte Gesellschaft, wobei das Wort 'Meinungsführer' in meinen Ohren sehr seltsame Konnotationen hat. Heute schwindet dieser Einfluss. Man könnte also sagen, dass durch das Freigehege Internet eine 'Enttrivialisierung' der Menschen stattfindet. Wohin uns das führt? Heiße ich Hanussen?

  • Klaus Jarchow

    01.11.07 (12:35:13)

    Nachtrag zur Klarstellung: Um zu zeigen, wozu auch 'der Print', in diesem Fall ein 'internationales Lifestyle-Magazin', fähig ist, verweise ich auf diesen Link: http://www.off-the-record.de/2007/10/30/spiesser-alfons-jung-v-matt-voellig-auf-den-hund-gekommen/ Die Schmuddels sind eben nicht nur im Internet zu finden ...

  • Eva

    01.11.07 (15:39:48)

    Wunderbar! Bin durch Perlentaucher darauf aufmerksam geworden und hab sehr gelacht über die treffenden Formulierungen.

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