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17.09.10

Fragwürdiger Trend: Facebook-Präsenz als Website-Ersatz

Erst das deutsche Magazin FHM, jetzt die schwedische Niederlassung des globalen Agenturverbunds Grey Global: Unternehmen schaffen ihre Websites ab und ziehen unter das Dach von Facebook. Das Social Network scheint sogar aktiv für einen solchen Schritt zu werben.

 

Vor zwei Monaten sorgte das Männer-Lifestylemagazin FHM mit der Entscheidung für Aufsehen, seine Website www.fhm-online.de abzuschaffen und sich ab sofort nur noch über eine Facebook-Seite zu präsentieren - ein Schritt, den nicht nur wir nicht richtig nachvollziehen konnten, sondern auch ein Großteil der zahlreichen Kommentatoren.

Dass ein Vorstoß wie der von FHM kein Einzelfall bleiben würden, lag auf der Hand - egal wie wenig nachhaltig es erscheint, den wichtigen digitalen Kommunikationskanal mit der Nutzerschaft derartig von einem einzigen, noch dazu recht unberechenbaren Unternehmen abhängig zu machen. Diese Woche nun wagte sich die nächste Firma aus der Deckung und verkündete, ihre Website zugunsten einer Facebook-Page einzumotten - wenn auch nicht in Deutschland:

Grey Stockholm, die schwedische Dependance des weltweit agierenden und zum Werbekonzern WPP Group gehörenden Kommunikationsverbunds Grey Gobal Group, machte gestern in Schwedens Branchenmedien mit der Meldung Schlagzeilen, ihre Unternehmenswebsite einzustellen und zu Facebook umzuziehen.

Wer www.grey.se ansteuert, stößt lediglich auf einen einem Facebook-Statusupdate nachempfundenen Hinweis, dass die populäre Werbeagentur dorthin will, wo 2,5 Millionen Schweden bereits sind, und dass man sich auf www.facebook.com/greystockholm wiedersehen würde.

David Schwieler, Digital Director bei Grey, begründet die Entscheidung im Gespräch mit dem Branchendienst Resumé (Übersetzung auf Englisch) damit, dass man nun nicht mehr zwei Webpräsenzen aktualisieren müsse. Außerdem könnten sich fortan alle Mitarbeiter gleichermaßen an der Site beteiligen.

Interessant ist eine Anmerkung im Resumé-Artikel, die besagt, dass Facebook es Firmen seit einem halben Jahr anbieten würde, bei dem Social Network "einzuziehen". Das klingt, als sähe der US-Dienst in seinem Pages-Produkt nicht mehr länger nur eine Ergänzung  zu existierenden Websites, sondern verstärkt einen vollwertigen Ersatz.

Für eine Firma wie Grey hat ein Umzug der Website zu Facebook einen entscheidenden Vorteil: Ein Großteil aller Unternehmen macht sich gerade Gedanken darüber, wie sie sich dem Hype-Thema Social Media annähern. Was wirkt da bei der Neukunden-Akquise besser als darauf verweisen zu können, die eigene "unsoziale" Site aufgegeben zu haben und ganz auf Facebook zu setzen. Zumindest ist vorstellbar, dass Grey damit seinen Kunden imponieren können wird.

Doch abgesehen von dieser branchenspezifischen Eigenheit sowie dem imageträchtigen, aber nur einmal funktionierenden Trendsetter-Effekt gilt auch hier wieder: Der vollständige Umzug zu Facebook mag kurzfristig attraktiv erscheinen, bringt aber Unternehmen und Organisationen zahlreiche Einschränkungen in der Gestaltungsfreiheit, macht sie vollständig abhängig von den Launen des Social Networks und zerstört zudem viel von dem, was an Zeit und Geld in die Suchmaschinenoptimierung einer Domain gesteckt wurde. Das Netz ist offen und bietet damit allerlei Freiheiten. Freiheit freiwillig aufzugeben, kann man eigentlich irgendwann nur bereuen.

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