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04.06.14Leser-Kommentare

Foursquare und Swarm: Eine Entbündelung allein macht noch keinen Erfolg

Die Aufteilung in zwei Apps sollte Foursquare mehr Schärfe verleihen. Doch leider hat der Schritt dem Dienst auch die Seele genommen.

SwarmIch habe mir über zwei Wochen Zeit gegeben, um mich mit Foursquares neuer Social-Networking-App Swarm und der Tatsache anzufreunden, dass der Check-In und die Interaktion mit meinen Kontakten nun nicht mehr über die Primär-App läuft. Zu Anfang genoss ich noch das Gefühl der Spannung und Vorfreude auf die groß angekündigte Anwendung. Doch - wie so oft bei neuen Apps - trat schnell Ernüchterung ein. Und jetzt ist die Zeit für ein Urteil reif: Die Aufsplittung von Foursquare in zwei verschiedene Services wirkt auf mich wie eine Verschlechterung.

Jedes Mal, wenn ich Swarm öffne, um einen Check-In zu praktizieren, begleitet mich das seltsame Gefühl, dass dieser Prozess in die originale Anwendung gehört und aus dieser unnötigerweise herausgerissen wurde. Auch einen halben Monat nach dem Debüt. Die Trennung von Location-Empfehlungen und sozialen Features mag für die Foursquare-Macher auf dem Papier sinnvoll erscheinen. In der Praxis fühlt sie sich fremd und unnatürlich an - speziell wenn man beide Aspekte parallel verwendet und ständig zwischen den zwei Apps hin- und herwechseln muss. 

Swarm: Außerhalb von Ballungsräumen eine Geisterstadt

Optisch macht Swarm einen belanglosen, uninspirierten Eindruck. Der App fehlt ein eigener Charakter. Zudem führt die passive Standorterkennung und umgebungsabhängige Auflistung von Freunden dazu, dass User abseits von Ballungsgebieten oder solche ohne viele Kontakte den klassischen Geisterstadt-Effekt erleben. So wie die App einem regelrecht aufdrängt, dass der nächstgelegene Swarm-Freund sich über 40 Kilometer entfernt aufhält, ist das eigentlich eine fatale Einladung an User dazu, sich nicht länger mit der Anwendung zu beschäftigen.

Die teilweise neue Funktionalität, die Swarm bietet, begrüße ich durchaus, und das passive Location-Sharing bietet einige Vorteile. Die Umsetzung aber und vor allem die Loslösung von Foursquare wirkt auf mich gezwungen. Vielleicht bessert sich das, wenn in den nächsten Wochen die komplett überarbeitete Foursquare-App mit ihrem hundertprozentigen Schwerpunkt auf der Entdeckung interessanter Orte veröffentlicht wird.

Bislang und nach ausgiebiger Auseinandersetzung mit Swarm würde ich den Relaunch und die Entbündelung aber eher als Fehlschlag bezeichnen. Sie hat mein Verhältnis zu dem Dienst beschädigt, nicht verbessert. Das wäre aus Sicht des New Yorker Unternehmens kein Drama, würden sich bisher von Foursquare nicht angesprochen fühlende User in großer Zahl auf den Service stürzen. Es existieren jedoch keine Anzeichen dafür, dass dies geschieht. Die Zahl der Freundesanfragen hat nicht zugenommen, und in den letzten Wochen habe ich unzählige Male sehr technologieaffine Menschen gefragt, ob sie denn Foursquare/Swarm nutzen, und stets die gleiche Antwort erhalten: ein (gleichgültiges) Nein.

In einem Blogbeitrag am 19. Mai, kurz nach der Vorstellung von Swarm, titelte Michael Kroker im Wirtschaftswoche-Blog gewohnt provokativ: "Begeht der Check-in-Dienst Selbstmord aus Angst vor dem Tod?" Mittlerweile halte ich diese in die Runde geworfene Frage für durchaus relevant. Das wiederum stimmt mich sehr bedenklich, denn kaum eine App hat mir in den vergangenen Jahren so viel Spaß und praktischen Nutzen (auf Reisen) beschert wie Foursquare. Das, obwohl ihre Macher um CEO Dennis Crowley in fünf Jahren unzählige Möglichkeiten ausgelassen haben, die Foursquare innovativer und spannender für die breite Masse hätten machen können.

Gerade wurde bekannt, dass zwei führende Persönlichkeiten das Startup in dieser wichtigen Phase verlassen. Es kann Zufall sein. Trotzdem lässt solch eine Meldung in dieser Lage Warnsignale aufleuchten.

Während des Schreibens dieses Artikels traf eine E-Mail von Foursquare bei mir ein, die mich zur Teilnahme an einer Umfrage zur Zufriedenheit mit Swarm aufrief. Ich kann mich nicht entscheiden, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist. /mw

Kommentare

  • Hendrik Mans

    04.06.14 (11:48:45)

    Was mich am meisten wundert: dass der Spaß unter einer ganz anderen Marke stattfindet. FourSquare tut sich damit langfristig sicher keinen Gefallen.

  • Joern

    04.06.14 (12:38:10)

    Sehe ich auch so. Mit Swarm hat sich Foursquare sein eigenes Grab geschaufelt.

  • karl

    04.06.14 (13:21:25)

    Ich ging noch einen Schritt weiter und benutze seit langer Zeit nur noch Checkie (https://itunes.apple.com/us/app/checkie-for-foursquare/id382356167?mt=8). Aber das ist nur empfehlenswert wenn man weder am Stream seiner „Freunde“ noch an sonstigen social features oder Empfehlungen interessiert ist. Warum überhaupt benutzen? Zum später tracken und erinnern.

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