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08.03.13 12:48, von Martin Weigert

foursquare: Im Niemandsland zwischen Geek-App und Dienst für die Masse

Der Locationdienst foursquare befindet sich irgendwo im Niemandsland zwischen Geek-App und Massenphänomen, während jüngere mobile Apps schnell den Mainstream erobern. Das ist schade, denn nützlich ist der Service.


Kein anderer renommierter Dienst der späteren Web-2.0-Ära macht eine derartig eigenartige Entwicklung durch wie der New Yorker Locationservice foursquare. Anders als andere bekannte Internetunternehmen, die ungefähr zeitgleich an den Start gingen, befindet sich das Anfang 2009 lancierte Unternehmen seit längerem schon im Niemandsland zwischen Early-Adopter-Phänomen, also Nische, und dem Mainstream - da wo Twitter, Tumblr, Instagram, WhatsApp oder Dropbox angekommen sind. Diese Situation ist äußerst selten, verläuft der Produktlebenszyklus der meisten an Endnutzer gerichteten Webdienste und Apps doch in der Regel so, dass sie entweder trotz aller Bemühungen gar nicht erst aus der Geek-Sphäre herauskommen, oder aber diese Grenze mit schnellen Schritten Richtung Durchschnittsnutzer durchbrechen und dann exponentiell wachsen. Mit laut eigenen Angaben "über 30 Millionen registrierten Mitgliedern" ist foursquare keineswegs mehr ein kleiner Fisch. Dennoch gelingt es dem Service, der mit regelmäßigen Produktanpassungen und Funktionserweiterungen sichtlich für Anerkennung und Nutzerinteresse kämpft, auch vier Jahre nach dem Debüt in US-Städten nicht, so richtig aus dem Knick zu kommen. Schon sieben Monate nach der Lancierung wuchs Instagram so schnell wie foursquare erst nach über zwei Jahren. Heute ist der jetzt zu Facebook gehörende Fotodienst mit über 100 Millionen aktiven Mitgliedern mehr als dreimal so groß wie der Locationservice.

Die Gründe für den zögerlichen Fortschritt sind vielseitig. Zahlreiche Konkurrenten im Discovery- und Social-Bereich dürften ebenso dazugehören wie ein noch immer nicht hundertprozentig klares Alleinstellungsmerkmal. Immer wenn ich Leuten foursquare zu erklären versuche, merke ich, wie ich bei der Beschreibung zwischen "Check-Ins", "sehen wo Freunde sind", "Empfehlungen für gute Locations beziehen" und "persönliches Archiv besuchter Orte" hin- und herwechsle (den Punkt gelegentlicher Freebies spare ich mir meist in der Aufzählung). Klar, dass weniger geduldige und experimentierfreudige Menschen da schnell abwinken. Die meisten Konsumenten wollen ein (!) klares Argument, warum ein spezielles Angebot ihre Zeit und Aufmerksamkeit wert ist.

Die Vielseitigkeit von foursquare mag den Dienst vom Big Apple an der Akquisition von eher "alltäglichen" Usern hindern, für mich als treuen Nutzer allerdings ist es ein Vorteil. Denn anstatt dass ich den Service nur zur Zufriedenstellung eines Bedürfnisses einsetzen kann, bereichert er meinen mobilen Alltag gleich in mehrfacher Hinsicht. Besonders stark merke ich das gerade während meines Aufenthalts in Tokio. Durch Check-Ins an und in den den von mir besuchten Plätzen, gastronomischen Einrichtungen und Geschäften lege ich eine Art "Tagebuch" meines Aufenthalts an. Gleichzeitig sortiere ich Locations in verschiedene Listen ein, um sie später leichter wiederzufinden - was sich schon deshalb anbietet, da ich etwa bestimmte Bars aufgrund der japanischen Namen im Nachhinein nicht einfach per Namenseingabe in foursquares Suche wiederfinden kann (der Check-In ist aufgrund der Sprachbarriere häufig auch kompliziert, aber meist klappt es dann doch). Zusätzlich verwende ich häufig die Explore-Funktionalität von foursquare, um mir angesagte und populäre Locations in der Umgebung anzeigen lassen. Habe ich etwa genug von Ramen und Sushi, finde ich so schnell ein trendiges Hamburgerrestaurant. Praktisch ist auch, den ein oder anderen Check-In bei Facebook zu publizieren, wenn ich aus irgendwelchen Gründen möchte, dass meine Freunde dort davon erfahren. Lediglich die soziale Komponente von foursquare bringt mir in Tokio wenig, weil ich unter meinen Kontakten quasi niemanden habe, der sich ebenfalls hier aufhält oder in der Vergangenheit hier war. Besucht von ihnen aber künftig jemand die Stadt, dann stoßen sie vielleicht auf meine Tipps und Kommentare, die ich an verschiedenen Locations hinterlassen habe.

Die einzelnen erwähnten Elemente von foursquare sind jeweils auch bei diversen anderen Apps und Anbietern zu finden. Doch all die beschriebenen Features und Prozesse aus einer Anwendung heraus erledigen zu können, ist nicht nur bequem sondern auch effizient.

Vielleicht wächst foursquare auch deshalb vergleichsweise langsam, weil sich sein voller Nutzen erst nach und nach und mit relativ geringem Tempo entfaltet. Wer nicht gerade tausende Kontakte hat, der wird immer wieder in Gegenden kommen, in denen zumindest aus dem eigenen "Social Graph" keine Empfehlungen existieren. Allerdings zeigt meine Erfahrung: Es geht auch sehr gut ohne. foursquare eignet sich prima als Single User Utility, selbst wenn die volle Wirkung erst mit einem hinreichend großen Netzwerk zu spüren ist.

Jüngst erhielt ich zu meiner Überraschung die foursquare-Kontaktanfrage eines ganz und gar nicht sonderlich techaffinen Freundes. Kurz darauf fing er an, sich in Kommentaren darüber zu beschweren, dass er bei jedem Check-In von mir eine Push-Mitteilung auf seinem Smartphone erhält. Die Funktion, mit der sich dies deaktivieren lässt, kannte er nicht. Das Beispiel ist vielleicht symptomatisch für den Konflikt, den foursquare bewältigen muss, will es aus dem Schatten der eingangs erwähnten Smartphone-Trafficmaschinen herauskommen. foursquare muss Early Adopter und Geeks bei Laune halten - ohne die es (noch) nicht geht - aber gleichzeitig Wege finden, um sich auch bei Menschen mit eher durchschnittlichem Onlineverhalten beliebt zu machen. Ich würde mich freuen, wenn dies gelingt. Denn profitieren würde davon die gesamte foursquare-Community. /mw

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Kommentare: foursquare: Im Niemandsland zwischen Geek-App und Dienst für die Masse

finde 4square seit der ersten stunde an cool u bin immer überrascht, wenn es "social media-experten" erklärt werden muss - es ist eine art hybrid aus eleganterem qype und location-instagram. auch gefällt mir, dass es nischenportal bleibt und nicht ambitioniert markttypisch explodiert - vielleicht ist genau das der/die USP..

Diese Nachricht wurde von lokalreporter am 08.03.13 (13:55:41) kommentiert.

Hm - ich glaub ja dass sich Foursquare Richtung B2B entwickelt und seine Datenbank anderen Apps zur Verfügung stellt - siehe Instagram und Vine. Location ist nur ein Puzzleteil eines größeren Ganzen, ich glaube nicht, dass das langfristig als Fundament reicht, um einen eigenständigen Dienst zu betreiben.

Diese Nachricht wurde von Jakob Steinschaden am 08.03.13 (14:06:36) kommentiert.

Ich möchte doch noch etwas zu dem vernachlässigten Punkt "Freebies" ergänzen: Mich ärgert es schon, dass es hier in München eine Starbucks Filiale gibt, bei der ich 19 Mal eingecheckt habe, ohne dass es jemand registriert. Stattdessen bekomme ich zufälligerweise beim 20. Check-in einen halb Meter langen Ausdruck vom Kassierer auf dem eine Codenummer und eine Webseite genannt sind. Dort soll ich mich registrieren, damit ich mein Freigetränk bekomme. Gehts noch komplizierter??? Der Kassierer "Michael" war regelrecht geschockt, als ich ihm mit Foursquare nachweisen konnte, dass ich schon 20 Mal da war ohne Reaktion. Sprich: ich halte dieses Feature eigentlich für ein optimales Kundenbindungsinstrument unterhalb der Kundenkarte. Nur liegt der Bekanntheitsgrad von Foursquare in Deutschland irgendwo knapp über Null. Solange Foursquare dagegen nichts tut, also z.B. Geschäfte aktiviert, wird sich der Nutzen, so wie im Artikel beschrieben, auf den einzelnen User bzw. eine kleine Zahl von Geeks und Nerds beschränken. Die kritische Masse werden sie damit nicht überschreiten, was aus den nunmehr hier vollzählig genannten Gründen bedauerlich ist.

Diese Nachricht wurde von MarkusP am 08.03.13 (14:42:53) kommentiert.

bald ist wieder #4sqday nach dem Event steigen die Nutzerzahlen ;-)

Diese Nachricht wurde von Markus Jakobs am 08.03.13 (22:37:23) kommentiert.

Ich frage mich, wie weit sich dieser Trend fortsetzt. Ich sehe es eher Website App Dienste erscheinen. Auch in den Niederlanden, folgen wir dieser Entwicklung eng. @ Markus Jakobs, was meinst du genau? Grüßen Jan Artikel

Diese Nachricht wurde von Artikel am 09.03.13 (16:48:27) kommentiert.

Hallo Jan, ich wohne in Grenznähe. In den Niederlanden werden lbs viel intensiver genutzt ;-) Am 16.4. gibt es eine internationale Foursquare Party. Jeder der sich berufen fühlt kann in seiner Region ein 4sq Event starten. http://www.meetup.com/foursquare/

Diese Nachricht wurde von Markus Jakobs am 10.03.13 (08:44:14) kommentiert.

Ich sehe das ganz ähnlich wie Martin. foursquare ist im Gegensatz zu z.B. Instagram ein sehr komplexer Dienst. Zwar ist die App inzwischen schon beim ersten Öffnen sehr ansprechend und zeigt was die Vorteile sind, der wirkliche Nutzen dahinter offenbart sich aber erst nach einiger Nutzung. Jedoch beobachte ich mit Freude, wie in den letzten Monaten die Aktivität von foursquare auch hier in Deutschland zunimmt und glaube dass dies dazu beitragen kann, den Dienst weiter bekannt zu machen. Besonders wenn große und bekannte Marken auf foursquare aktiv werden.

Diese Nachricht wurde von Florian am 11.03.13 (11:48:46) kommentiert.

Yo Leute, ich hab´s ja gesagt - jetzt sagt es Dennis Crowley höchstpersönlich http://techcrunch.com/2013/03/11/dennis-crowley-on-using-foursquare-to-build-the-marauders-map/

Diese Nachricht wurde von Jakob Steinschaden am 11.03.13 (19:49:38) kommentiert.

Die Datenbank ist sicher gut und sinnvoll. Aber sie allein ist imo kein Next Big Thing. Und bringt foursquare bisher auch kein Geld. Wobei ich in meinem Beitrag ja die Userperspektive betrachtete und weniger die Business-Seite. P.S. Crowley hat in den vergangenen Jahren schon viel gesagt. Aber das ist vielleicht auch ein Problem: Immer wieder werden andere Aspekte von foursquare in den Fokus gerückt. Auch das hilft nicht direkt dabei, Nutzern den Kernzweck verständlich zu machen.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 12.03.13 (01:36:20) kommentiert.

Die App lag eine gefühlte Ewigkeit ungenutzt auf meinem iPhone. Bis ich zu einer Weltreise aufbrach und sie wurde fast wichtiger als MAPS. Wo war ich, was gibt es hier feines, waren nützliche Funktionen. Und die Badges eine lustige Sache, wenn ich am Schluss insgeheim auch auf einen Round the world Badge gehofft habe. Vergeblich. Seit meiner Rückkehr? Kein Check-in mehr, nur noch Mails mit Mayors, die ich von wunderschönen Orten verliere. Auch aus Japan. Enjoy your stay!

Diese Nachricht wurde von Daniel Niklaus am 13.03.13 (08:53:37) kommentiert.

Deshalb hast du so lange nicht mehr kommentiert ;) Da scheinen wir also die gleiche Erfahrung gemacht zu haben: Der Nutzwert von foursquare vervielfacht sich bei Reisen stark.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 13.03.13 (08:56:35) kommentiert.
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