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02.05.14Leser-Kommentare

Foursquare entbündelt seine Funktionen: Aus einer App werden zwei

Foursquare beteiligt sich am Trend des munteren Entbündelns von Funktionalitäten. Alle Social-Networking-Elemente sowie der Check-In ziehen in eine neue App namens Swarm. Das Startup steht unter massivem Wachstumsdruck.

Man hätte es ahnen können: Auch Foursquare springt auf den aktuellen Entbündelungs-Trend der führenden Onlinedienste auf, wie gestern in einem längeren Bericht von The Verge erläutert wurde. Doch im Gegensatz zu Facebook oder Dropbox, wo der Schritt in erster Linie eine experimentelle Maßnahme darstellt, um sich im künftigen Rennen um die Beachtung durch mobile User zu positionieren, steckt bei Foursquare eine akute "Notlage" hinter der Entscheidung: Denn seit längerem stagnieren die Userzahlen bei dem Anfang 2009 gegründeten Startup weitgehend. Zwar verzeichnet das Unternehmen bei der Monetarisierung Fortschritte, wie uns Business-Development-Chef Holger Luedorf im Dezember erklärte. Doch für eine auf Wachstum ausgelegte, mit viel Wagniskapital finanzierte Firma reicht es nicht aus, auf niedrigem Niveau um ein paar Millionen User pro Jahr zuzulegen. Bei 45 Millionen stet aktuell der Zeiger. Peanuts im Vergleich zu vielen Nachbarn der Webwirtschaft.

Ein wahrlich radikaler Schritt soll diese Misere nun beenden: In wenigen Wochen wird Foursquare eine zweite App namens Swarm veröffentlichen. Diese Anwendung soll künftig alle Bedürfnisse der Foursquare-Gemeinde rund um soziale Interaktion mit Kontakten befriedigen und der Check-In-Funktion ein neues Dach über dem Kopf gewähren - denn aus der eigentlichen Foursquare-App verschwindet diese komplett. Foursquare (die App) übernimmt in Zukunft allein die Rolle eines Entdeckungswerkzeugs für empfehlenswerte Orte und wird direkt gegen den börsennotierten Konkurrenten Yelp antreten. Foursquare-Chef Dennis Crowley hat sich mit seinem Team zu diesem potenziell kontroversen Vorstoß entschieden, nachdem Analysen ergaben, dass nur fünf Prozent aller Anwender während einer Nutzungsphase der App die Social- und die Discovery-Komponente zugleich verwendeten. Auch kam man am Firmensitz an der US-Ostküste zu der Erkenntnis, dass die stetige Ermunterung zum Check-In ein zumindest subtiles Hindernis für alle User darstell, die mit Foursquare lediglich ein gutes Restaurant oder Café finden, sich sonst aber nicht weiter aktiv beteiligen wollen.

Swarm

Swarm-App (zum Vergrößern klicken, Quelle: TheVerge)

Mit der Trennung der Interaktions- beziehungsweise Kommunikationsfunktionalität vom Locationguide wollen die Macher des Startups dieser Tatsache Rechnung tragen. Swarm wird momentan von einem ausgewählten Kreis an dem Unternehmen nahestehenden Anwendern getestet, interessierte User können sich in eine Warteliste für die erweiterte Beta eintragen. Die App zeigt in der Nähe befindliche Foursquare-Freunde an und ist in der Lage, auch ohne explizite Check-Ins den aktuellen Standort zu erfassen. Sie ähnelt dabei konzeptionell dem neuen "Freunde in der Nähe"-Feature, das Facebook derzeit sukzessive für seine iOS- und Android-App verfügbar macht.

Foursquare geht mit der Entscheidung zur Entbündelung ein nicht unerhebliches Risiko ein. Die angekündigte Entfernung des Check-Ins aus der Primär-App erfordert von den 45 Millionen Nutzern, von denen manche seit Jahren sehr engagiert dabei sind, einen nicht unwesentlichen Umgewöhnungsprozess. Derartige Maßnahmen führen leicht zu Protesten. Zudem besteht die Gefahr, dass die in Swarm ausgegliederten Social-Networking-Funktionen für die Mitglieder des Dienstes für sich genommen nur geringen Nutzwert besitzen - sollten sie erkennen, dass viele der losen Kontakte, mit denen sie sich irgendwann einmal bei Foursquare vernetzt haben, für sie nicht relevant genug sind, um regelmäßig Swarm einen Besuch abzustatten.

Andererseits legen die New Yorker mit der Aufteilung in Foursquare und Swarm die Grundlage für einen eventuell doppelten Durchbruch im Mainstream. Sofern die Prämisse stimmt, dass der Mangel an Fokus Foursquare am Erfolg hinderte, dann könnte aus der jetzt eingeschlagenen Zwei-App-Strategie ein Szenario resultieren, in dem sich das Unternehmen plötzlich über zwei in hohem Tempo Nutzer akquirierende Anwendungen freuen darf. Sollte eine der zwei Apps richtig durchstarten, ist wahrscheinlich, dass die andere dadurch gewisserweise mitgezogen wird.

Als langjähriger treuer Foursquare-Nutzer bin ich sehr gespannt auf das Tandem aus Swarm und dem überarbeiteten Foursquare. Auch wenn ich mir etwas Sorgen mache, dass der Reiz, den der Dienst bislang für mich hatte, durch den Schritt verloren geht. Andererseits musste man ahnen, dass es früher oder später zu einschneidenden Veränderungen kommen würde: Dass nach fünf Jahren noch immer fast keine meiner persönlichen "Real-Life"-Freunde (Menschen, die ich nicht über das Internet kennengelernt habe) bei Foursquare ihre Zelte aufgeschlagen haben, sagt viel über den Status des Angebots aus. Schon aufgrund der vermutlich unruhigen Investoren im Hintergrund konnte sich das Unternehmen eine derartige Nischenstellung nicht mehr länger leisten.

Kommentare

  • Eike Rah

    02.05.14 (11:09:36)

    für mich stellt sich die Frage, ob die Check-Ins, Mayorships und Badges in Swarm übernommen werden.

  • Joern

    02.05.14 (14:01:33)

    Ich glaube dieser Schuss geht nach hinten los...

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