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05.12.13Leser-Kommentare

Foursquare: Das Startup, das einst bekannt dafür war, kein Geschäftsmodell zu haben

Bei Foursquare, dem Startup, das lange keine Erlösquellen vorweisen konnte, brummt mittlerweile das Werbegeschäft. Der aus Deutschland stammende Business-Development-Chef Holger Luedorf gibt Einblicke.

Wie wollt ihr Geld verdienen? Wann kommt ihr im Mainstream an? Seit Jahren hören die Vertreter des New Yorker Locationdienstes Foursquare diese zwei immer gleichen Fragen. Lange Zeit durchaus berechtigt, immerhin gelang es dem Anfang 2009 gegründeten Startup trotz einer äußerst loyalen und aktiven Kernnutzerschaft bislang nicht, sich als fester Bestandteil des mobilen Alltags bei Durchschnittsanwendern zu etablieren. Und bis vor kurzem hatte das Unternehmen zudem keine nennenswerten Umsätze vorzuweisen.

Doch heute, Ende 2013, seien beide Fragen nicht mehr wirklich aktuell. So sieht es zumindest Holger Luedorf, bei dem 170 Mitarbeiter zählenden Unternehmen für das Business Development verantwortlich. Im Gespräch in Foursquares San Francisco-Niederlassung erklärt der Deutsche, dass die seit dem Sommer auf breiter Front forcierte Werbevermarktung bereits ordentlich Umsätze in die Kassen spüle. Genaue Angaben möchte Luedorf zwar nicht machen, betont aber, dass das einstige Image des Unternehmens als vor allem bei Early Adoptern und technologie-affinen Usern beliebten Dienstes ohne Monetarisierung überholt sei. Standortrelevante und personalisierte Anzeigen

Holger Luedorf

Mit offiziell "mehr als 40 Millionen Mitgliedern" spielt Foursquare zwar im Vergleich zu einschlägigen Social-Web-Giganten nach wie vor nur in der Kreisliga, doch gemäß Luedorf genüge bereits diese freilich auch nicht gerade zu verachtende Zahl, um Geld zu verdienen. Denn die verschiedenen, Usern während der Interaktion in der App und im Umfeld von Check-Ins dargestellten Anzeigen seien aufgrund der Personalisierung und Standortbezogenheit weitaus effektiver und relevanter als herkömmliche Werbebanner. Luedorf führt das Beispiel einer Kampagne eines Spirituosen-Herstellers an, dessen Anzeigen Nutzer nach dem Check-In in ausgewählten Bars zu sehen bekommen. Diese Art von ortsabhängiger Werbung funktioniere extrem gut, gibt der dreifache Vater zu verstehen. Viele größere Marken und Ketten würden mittlerweile Kampagnen schalten. Über das Self-Service-Portal stehen die Tools auch kleineren Geschäften und Gastronomen zur Verfügung.

Luedorf ließ sich 2005 nach mehreren Jahren bei der Telekom in Bonn und London in San Francisco nieder und heuerte nach einigen Jahren bei Yahoo 2010 bei Foursquare an. Da er aus familiären Gründen kein Gefallen an der Idee fand, nach New York zu ziehen, überzeugte er Foursquare-Gründer Dennis Crowley davon, eine Dependance in San Francisco zu eröffnen. Nach den Worten des Deutschen wäre dies früher oder später ohnehin geschehen. Luedorf beschleunigte den Prozess. Als erster Mitarbeiter von Foursquare an der Westküste fand er zu Beginn in den Räumen des von Foursquare-Investor Jack Dorsey gegründeten Startups Square unterschlupf. Später zogen er und weitere frisch rekrutierte Kräfte in eigene Räumlichkeiten. Heute besteht das Team in San Francisco aus rund 35 Personen.

Der deutsche Markt hat keine Priorität

Der deutsche Markt liegt Luedorf nach eigenem Bekunden aufgrund seiner Herkunft natürlich besonders am Herzen. Das jedoch ändere nichts daran, dass Deutschland als großer Werbemarkt zwar generell für Foursquare attraktiv sei, allerdings derzeit nicht die oberste Priorität besitze. Dazu böten andere Länder eine deutlich größere Nutzermasse. Wie bei Twitter und anderen neuen Social-Konzepten seien die Deutschen auch im Bezug auf Foursquare eher zurückhaltend - obwohl das Startup zwischen Nordsee und Alpen durchaus eine aktive Community habe. Dies sei jedoch nichts im Vergleich zu Ländern wie der Türkei oder Brasilien, wo der Dienst zu einem Massenphänomen avanciert. Vom kleinen Londoner Europa-Büro aus, wo aktuell drei Personen stationioniert sind, werde sich demnächst ein neues Team-Mitglied ausschließlich um den türkischen Markt kümmern. Jemanden speziell für den deutschsprachigen Markt einzustellen oder gar ein Büro in Deutschland zu eröffnen, stehe laut Luedorf momentan nicht zur Debatte.

Passive Empfehlungen und fortgesetzte Lokalisierung

Neben der Intensivierung der Monetarisierungsbemühungen stehen für die New Yorker im Augenblick die Verbesserung und fortgesetzte Lokalisierung des Datenmaterials sowie die flächendeckende Einführung passiver Empfehlungen im Zentrum. Letztgenannte Funktion wurde mit der jüngsten Version der Android-App eingeführt und steht auch ersten iOS-Anwendern bereit. Ähnlich wie beim einstigen Feature "Foursquare Radar" meldet sich die Foursquare-App gelegentlich mit zum Interessenprofil der User passenden Push-Empfehlungen zu in der Nähe befindlichen Locations. Holger Luedorf erklärt, dass die Ingenieure des Jungunternehmens zwei Jahre an einer Verbesserung des nie wirklich ausgereiften Radar-Features gefeilt hätten. Nun sei sichergestellt, dass die regelmäßig im Hintergrund den Standort abfragende Option sich nicht nennenswert auf den Akku-Verbrauch auswirke, und auch die Empfehlungen seien erheblich besser.

Kurze Rückfragen für vollständigere Datensätze

Foursquare profitiert hierbei natürlich auch von seiner in puncto Qualität und Quantität im Zeitverlauf immer solideren Datenbank. Luedorf merkt stolz an, dass die komplette Datenbank auf Basis von Crowdsourcing durch User entstanden sei. Das Unternehmen habe niemals Daten einkaufen müssen. Durch jetzt rund 30.000 mit Sonderprivilegien ausgestattete "Superuser" sowie neu eingeführte, nach Check-Ins auftauchende Mini-Abfragen zu Orten soll das Datenmaterial aktuell gehalten werden. Speziell diese in einer kleinen grünen Box erscheinenden Abfragen haben sich laut Luedorf als wahres Wundermittel erwiesen, um Datenpflege und -vervollständigung zu betreiben.

An sekundären Erlösquellen mangelt es nicht

Auf zwei Fragen hat der gebürtige Gummersbacher nur knappe Antworten parat. Was es genau mit der Meldung auf sich habe, Foursquare würde Werbenetzwerken erlauben, Nutzer des Locationdienstes bei ihren Reisen durchs Web maßgeschneiderte Anzeigen zu zeigen, will er nicht kommentieren. Er gibt aber zu verstehen, dass derartiges "Retargeting" eine "interessante Sache" sei. Auch darüber, ob und was diejenigen unter den 40.000 externen Apps und Entwicklern, die von Foursquares Location-Datenbank Gebrauch machen und die die Limits der API überschreiten, an Foursquare zahlen müssen, schwieg er sich mit Verweis auf individuelle Abmachungen aus.

Dem Startup vom Big Apple würde ein kräftigeres Anwenderwachstum sicher nicht schaden. Dennoch entsteht aktuell der Eindruck, als habe Foursquare tendenziell eher zu viele als zu wenige vielversprechende Erlösquellen zur Hand. Mit nur 170 Angestellten kommt das Unternehmen um eine Priorisierung, auf welche Maßnahmen es sich vornehmlich konzentrieren soll, nicht herum. Das allerdings ist ein Luxusproblem, von dem manche Beobachter bis vor kurzem kaum geglaubt hätten, dass es Foursquare einmal ereilen würde. /mw

Kommentare

  • Leser

    06.12.13 (07:56:22)

    Ein so schlecht lesbares Deutsch, obwohl von Grammatik und Rechtschreibung her erstmal in Ordnung, ist mir schon lange nicht mehr untergekommen.

  • rob

    06.12.13 (11:05:34)

    Ich kann das nur bestätigen. Ich habe nichts verstanden. Bitte lernen wie man Artikel schreibt und Informationen interessant aufbereite. So schlecht geschrieben - das gibt es gar nicht.

  • Michael

    06.12.13 (12:22:09)

    nur für das Protokoll: ... der Artikel ist verständlich und gut erklärt.

  • gast

    06.12.13 (12:51:01)

    ich finde den artikel verständlich.

  • Jan

    06.12.13 (14:23:35)

    Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Fand den Artikel gut und informativ. Was will man mehr? Ich denke auch, dass Foursquare aktuell stark unterschätzt wird. Die Datenbasis, die sie haben ist klasse und es ist ein schönes Gegenbeispiel zu Themen wie Twitter, denen die Nutzer zwar die Bude einrennen, aber keiner so recht weiß, was man mit den Nutzern anfangen soll.

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