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15.12.09

formspring.me: Phänomen und Best Practice

formspring.me, ein simples Werkzeug zum anonymen Stellen von Fragen, verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der deutschsprachigen Webgemeinde. Ein näherer Blick offenbart Überraschendes.

Derzeit ist es nahezu unmöglich, einen Blick auf meinen Twitter-Stream zu werfen, ohne in irgendeiner Form von formspring.me zu lesen. formspring.me ist ein äußerst simpler Dienst, bei dem User anonym gestellte Fragen beantworten können.

Wer sich registriert hat, kann den Link zur eigenen, mit einem Frageformular versehenen Profilseite über den persönlichen Blog, über Twitter oder Social Networks verbreiten und den eigenen Social Graph zum fleißigen Fragestellen auffordern. In der Praxis sieht das z.B. so aus.

Trotz erster Recherche ist mir bisher nicht klar, wie formspring.me in so kurzer Zeit zu einem derartigen Liebling der Twitter- und Blogosphäre werden konnte. Zumindest bei den großen US-Techblogs wie TechCrunchMashable oder ReadWriteWeb findet sich bisher keinerlei Berichterstattung über den Newcomer. Und ein Blick auf Alexa macht deutlich, dass der Dienst trotz US-amerikanischen Ursprungs ein primär deutsches sowie österreichisches Phänomen ist. Über sachdienliche Hinweise darüber, wer oder was als initialer Multiplikator gedient hat, bin ich dankbar. War es womöglich Sascha Lobo?

formspring.me - ein Phänomen in Deutschland und Österreich

Neben der spannenden Frage über das Wie und Warum hat der "Fall Formspring" aber noch eine weitere interessante Dimension: Der Service, der von manchen sogar schon als  "das bessere Twitter" bezeichnet wird , ist  ein Projekt von FormSpring.com, einem Unternehmen aus Indianapolis, das Website-Betreibern das bequeme Erstellen von Webformularen ermöglicht. Aus fünf Paketen können Nutzer auswählen, vier davon sind kostenpflichtig.

Für das Mutterunternehmen fungiert formspring.me also als Marketingwerkzeug, das User auf ein mögliches Einsatzgebiet von Webformularen hinweisen und zugleich die Markenbekanntheit erhöhen soll. Die Kosten eines solchen Projektes dürften marginal sein, die Wirkung bei hoher Viralität enorm. Auch wenn sich FormSpring.com augenscheinlich nicht an deutsche User richtet (Preise in Dollar, Site nur auf Englisch), so zeigt das Beispiel eindrucksvoll, was eine Verknüpfung des eigenen Produkts im Praxiseinsatz mit einer cleveren Marketingidee bewirken kann.

Die entscheidende Frage ist nun, ob sich die in der deutschsprachigen Webszene entfachte formspring.me-Begeisterung auf andere Länder und vor allem auf den englischsprachigen Internetmarkt überträgt. Dann wäre nicht nur die Rechnung der FormSpring.com-Macher aufgegangen, sondern es wäre auch ein Beweis dafür, dass die hiesige Twitter- und Bloggerszene Trends mit internationaler Reichweite entfachen kann - Balsam für die geschundene deutsche Bloggerseele.

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