<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

22.10.12

Foodsharing.de steht vor dem Launch: Tauschbörse für Lebensmittel

Ein Team um den Regisseur Valentin Thurn entwickelt mit Foodsharing.de eine Community zum Tauschen von nicht benötigten Lebensmitteln. Eine Crowdfunding-Kampagne verlief erfolgreich.

Kollaborativer Konsum bekommt eine neue Facette - zumindest wenn es nach Valentin Thurn und Sebastian Engbrocks geht. Thurn, der Regisseur des Dokumentarfilms «Taste The Waste», und Engbrocks, der die den Film begleitende Social-Media-Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung verantwortet, erkannten während ihrer Zusammenarbeit, dass sie nicht einfach nur auf die Problematik des nachlässigen und verschwenderischen Umgangs mit Lebensmitteln aufmerksam machen sondern eine eigene Lösung entwickeln können, um den Lebensmittelmüll zu reduzieren. Abgesehen von den fragwürdigen moralischen Aspekten, die mit dem Entsorgen von Lebensmitteln einher gehen, sorgen sich Thun und Engbrock vor allem um die Konsequenzen für die Umwelt, wenn stetig mehr Essbares produziert als konsumiert wird. Denn die Produktion von Lebensmitteln verursacht enorme Emissionen. Gelänge es, den Lebensmittelmüll um die Hälfte reduzieren, so hätte dies nach Überzeugung des Duos den gleichen Effekt auf das Weltklima, als wenn jedes zweite Auto stillgelegt würde. Mit Foodsharing.de, einer Internettauschbörse für Lebensmittel, wollen sie diesem Ziel näher kommen.

Foodsharing.de soll zu einer Community von Menschen werden, die nicht benötigte Lebensmittel lieber mit anderen teilen, als sie wegzuschmeißen oder vergammeln zu lassen. Über die Website sowie Smartphone-Apps werden Anwender in der Lage sein, kostenfrei verfügbare Esswaren in ihrer Umgebung zu finden und sich diese über das Ziehen eines elektronischen Tickets zu sichern und daraufhin abzuholen.

Für Privathaushalte und Betriebe

Foodsharing.de richtet sich an alle Gesellschaftsteilnehmer, die Lebensmittel zu verschenken haben - von Privathaushalten, die vor einem Urlaub oder nach einer Party ihren Kühlschrank leeren wollen, über Hobbygärtner, die aus ihren geernteten Äpfeln und Beeren nicht Dutzende Liter Apfelmus und Marmelade für den Eigenbedarf herstellen wollen, bis hin zu Bäckern, Supermärkten und Restaurants, die aus welchen Gründen auch immer nicht die Dienste der Tafeln in Anspruch nehmen. Mit Bio Company konnte der für den Dienst in Köln gegründete Verein Foodsharing.de bereits eine erste Supermarkt-Kette zur Teilnehme bewegen.

Community-Charakter ist wichtig

Valentin Thurn, Sebastian Engbrocks und andere Mitstreiter des Projekts wollen mit Foodsharing.de drei Dinge erreichen: Lebensmittel vor der Tonne retten, einen mentalen Wandel hin zu mehr Wertschätzung für Lebensmittel einleiten und außerdem Gleichgesinnte zusammenbringen. Foodsharing.de soll sich zu einer Community entwickeln, die Menschen miteinander in Kontakt bringt, die bewusster konsumieren wollen, oder die ihre eigenen Lebensmittel produzieren und diese anderen Interessierten gratis bereitstellen möchten. Durch den Community-Charakter soll auch das Schamgefühl verhindert werden, das sonst entstehen kann, wenn man sich in 300 Meter Entfernung vier Kilo Kartoffeln bei Fremden abholt. Da sich bei Foodsharing.de Gleichgesinnte versammeln, verschwindet diese Hemmschwelle.

11.594 Euro Crowdfunding

Für die Finanzierung der App-Entwicklung hatten die Macher eine Crowdfunding-Kampagne lanciert. 10.000 Euro benötigten sie, 11.594 Euro von 394 Unterstützern sammelten sie schließlich ein. Der geschlossene Beta-Test werde in Kürze beginnen, so die Ankündigung von Anfang Oktober.

Foodsharing.de ist eine dieser Ideen, die exemplarisch aufzeigen, wie sich das Internet zur besseren, nachhaltigeren und effizienteren Ressourcenverteilung einsetzen lässt, und wie zumindest einige unschöne Nebenwirkungen der neuzeitlichen Konsumgesellschaft rückgängig gemacht werden können. Es bleibt zwar abzuwarten, wie groß die Beteiligung von Privathaushalten und Firmen am Ende ausfällt. Doch allein der Imagegewinn, der sich für Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe durch eine Unterstützung von Foodsharing.de erreichen lässt, dürfte nach dem Debüt in Ballungsräumen schnell das Angebot an verfügbaren Lebensmitteln ansteigen lassen. Und schaut man sich an, wie in Großstädten die Biosupermärkte boomen, dann muss auch nicht daran gezweifelt werden, dass bei einer nicht unwesentlichen Gruppe der Verbraucher das notwendige Bewusstsein vorhanden ist, das als Motivation für eine Partizipation bei Foodsharing.de dient.

Wer in der bevorstehenden Beta-Phase dabei sein möchte, trägt sich am besten in die E-Mail-Liste auf foodsharing.de ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer