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26.10.10

flinc: Die Revolution der Mitfahrgelegenheit

Online vermittelte Mitfahrgelegenheiten stellen eine Win-Win-Situation dar - auch für die Umwelt. Das Darmstädter Startup flinc will mit einer Vernüpfung von Navigationssystemen und Smartphones die Mitfahrgelegenheit revolutionieren.

 

Alternative Mobilitätssysteme sind en vogue. Gestern berichteten wir über UberCab, das Startup aus San Francisco, das der dortigen Taxi-Branche Konkurrenz machen will und aufgrund angeblicher Regelverstöße mit einer Unterlassungsaufforderung der regionalen Nahverkehrs- und Taxibehörde konfrontiert wurde.

Während UberCab vor allem das Problem zu langer Wartezeiten bei der Bestellung von Taxis lösen möchte und dazu kurzerhand ein paralleles System mit eigenen Fahrern aufzubauen plant, setzt der Hamburger Service myTaxi darauf, die bestehende Taxi-Landschaft durch standortbasierte und mobile Lösungen effizienter zu gestalten. 450 Taxis können momentan in Hamburg über die myTaxi-iPhone-App mobil geordert werden.

netzwertig.com-Leser Patric Schmid erwähnte in einem Kommentar zum gestrigen Artikel ein weiteres Startup aus Deutschland, das sich ebenfalls der intelligenten Mobilität verschrieben hat. flinc heißt die Ausgründung der TU Hochschule Darmstadt, die sich im Gegensatz zu den zuvor genannten Services nicht auf die Verbesserung von Taxi-Dienstleistungen fokussiert sondern eine neue Art der Mitfahrgelegenheit ermöglichen will.

Das bisherige Prinzip der Mitfahrgelegenheit erfordert die Vorab-Verabredung auf einer dafür vorgesehen Website. Während dies für im Voraus geplante längere Reisen ein praktikables Verfahren ist, ignoriert es sämtliche Autofahrten mit eher spontanem Charakter oder geringen Distanzen, also auch sämtliche innerstädtischen Fahrten.

Das siebenköpfige flinc-Team mit den Gründern Benjamin Kirschner und Michael Hübl sowie Geschäftsführer Klaus Dibbern an der Spitze möchte genau diese Art von Fahrten für Mitfahrer öffnen und hat dazu einen Dienst entwickelt, der Navigationssysteme mit Smartphones verknüpft und so freie Mitfahrgelegenheiten in Echtzeit vermittelt.

Um über flinc Passagiere für eine aktuelle Fahrt zu finden, müssen Autofahrer auf einem mit der flinc-Software versehenen und dem Internet verbundenen Navigationsgerät ihren Zielort eingeben. Nutzer der Smartphone-Applikation sehen für ihre gewünschte Route verfügbare Mitfahrgelegenheiten. Haben sie sich für eine entschieden, erscheint beim entsprechenden Autofahrer ein Hinweis im Navigationssystem, der über den erforderlichen Umweg sowie den Verdienst informiert, den der zusätzliche Mitfahrer einbringen würde.

Nach dem Klick auf den Bestätigungsbutton übernimmt die Navi das Ruder und lotst den Fahrer zum derzeitigen Standort des Passagiers. Bezahlt wird online über die flinc-Website, auf der sich Beteiligte vorab registrieren müssen. Um schwarze Schafe zu entlarven, können sich Fahrer und Mitfahrer gegenseitig bewerten. flinc erhält eine Provision aus dem Erlös jeder durchgeführten Fahrt.

Die Idee von flinc ist zumindest auf dem Papier brilliant, da alle involvierten Parteien profitieren: Autofahrer können selbst für kurzentschlossene Fahrten ihre Benzinkosten refinanzieren. Mitfahrer kommen besser und schneller an ihr Ziel, ohne dafür den hohen Preis einer Taxifahrt zahlen zu müssen. flinc braucht sich keine Sorgen um sein Geschäftsmodell oder die Skalierbarkeit des Dienstes zu machen - je häufiger Mitfahrgelegenheiten über flinc vermittelt werden, desto mehr verdient das Startup mit den Provisionen. Und nicht zuletzt profitiert natürlich die Gesellschaft als Ganzes, da ein verbreiteter Einsatz von flinc zu einer effizienteren Nutzung des Automobils sowie zu einer Verminderung von Autofahrten und Emissionen führen kann.

Ein paar Nüsse gilt es jedoch noch zu knacken, bevor flinc einem derartigen Ziel näher kommt: Es muss Partnerschaften mit Herstellern von internetfähigen Navigationsgeräten eingehen. Diese müssen anschließend von möglichst vielen Autofahrern erworben und eingesetzt werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, dass sich viele potenzielle Mitfahrer bei flinc registrieren und die mobile Anwendung installieren. Und nicht zuletzt wird sich flinc auch auf Attacken des Taxigewerbes gefasst machen dürfen - denn das wäre der klare Verlierer eines flinc-Erfolgs.

Im Gegensatz zu UberCab handelt es sich bei flinc in erster Linie nicht um einen gewerblichen Taxi- oder Limousinenservice, sondern um private Mitfahrgelegenheiten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die flinc-Idee mit den gesetzlichen Regelungen im Bezug auf den trotz allem gewinnorientierten Transport von Personen konform ist.

Zu wünschen wäre dem innovativen Vorhaben in jedem Fall eine breite Unterstützung. Wenn zum selben Zeitpunkt 100 Personen von A nach B gelangen müssen und dies statt mit 70 nur mit 50 oder 40 einzelnen Fahrten abgewickelt werden kann, dann ist dies ein Projekt von großer gesellschaftlicher Bedeutung.

Momentan wird flinc von einer kleinen Testgruppe in Friedrichshafen ausprobiert. Für 2011 steht der Lauch in weiteren Regionen an.

Link: flinc

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