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13.10.10Leser-Kommentare

Flattr verliert sein Zugpferd: Gründer Peter Sunde nimmt seinen Hut

Flattr-Mitbegründer Peter Sunde zieht sich aus der Geschäftsführung des Micropaymentdienstes zurück. Auch von einer Abgabe seiner Anteile ist die Rede. Ein Grund könnte der kurz vor dem Abschluss stehende Prozess gegen The Pirate Bay sein, in dem auch Sunde angeklagt ist.

 

Peter Sunde

Einer der meines Erachtens nach entscheidenden Vorteile von Flattr im Vergleich zum Konkurrenten Kachingle war es, dass mit Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde ein Webprominenter die Zügel bei dem Micropaymentdienst in der Hand hielt. Sundes internationales Netzwerk, Kontakte in die Blogger- und Entwicklerwelt sowie loyale Anhängerschaft aus seiner Zeit bei der Torrent-Suchmaschine dürften dem im Frühjahr gestarten Startup dabei geholfen haben, Aufmerksamkeit und Unterstützung für das neue, zu Anfang primär an netzaffine Personen gerichtete Vorhaben zu erhalten - was auch gelungen ist.

Überraschend kommt daher die Nachricht, dass der Schwede sowohl die Geschäftsführung als auch seine Beteiligung an Flattr abgibt:

Das berichtet das IT-Magazin Computer Sweden (übersetzter Link). Gemäß einer Meldung des Branchendienstes Rapidus (übersetzter Link - Anmeldung notwendig) wird Sunde Flattr zukünftig in beratender Funktion zur Verfügung stehen.

Flattr-Mitbegründer Linus Olsson erklärte laut Rapidus, dass Sunde bei Flattr keine operative Rolle mehr einnehmen würde. Sunde selbst hingegegen sagte, dass er davon ausgehe, weiterhin in Vollzeit bei Flattr tätig zu sein. Per Twitter bestätigte Sunde seinen Rückzug aus der Geschäftsführung und begründete dies lapidar damit, sich generell bevorzugt aus dem Management eines Unternehmens herauszuhalten. Auf Bitten von uns, sich zu äußern, kam bisher weder von Peter Sunde noch von Linus Olsson eine Antwort.

Peter Sunde bei Twitter

Während also eine glaubhafte Aussage zum Motiv für den Rückzug aus der Flattr-Geschäftsführung fehlt, könnte das momentan in Schweden laufende Gerichtsverfahren gegen die Pirate-Bay-Macher ein Auslöser für die Entscheidung sein. Sunde ist einer der Angeklagten. Der Prozess steht kurz vor seinem Abschluss, gestern hielt die klagende Unterhaltungsindustrie ihr Schlussplädoyer (übersetzter Link).

Der vollständige Rückzug aus dem Flattr-Management sowie die Abgabe der Anteile könnte daher ein Versuch sein, Flattr vor den Folgen einer möglichen Verurteilung von Sunde zu schützen. Die Klägerseite fordert sowohl eine Gefängnisstrafe als auch rund 10 Millionen Euro Schadenersatz von Sunde und den drei anderen Angeklagten (übersetzter Link).

Gegenüber Rapidus bezifferte Flattr-Mitgründer Linus Olsson die Zahl der Flattr-Anwender auf 50.000, ein Drittel davon würde Geld einzahlen. Das durchschnittliche Flattr-Budget liegt bei rund drei Euro, also lediglich einen Euro über dem Mindestbudget.

Hinweis: Da die Google-Übersetzungen von Schwedisch zu Deutsch schwer verständlich sind, wurde für sämtliche Übersetzungen die englische Sprache gewählt.

(Foto: Flickr,nextconf; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Ulrike Langer

    13.10.10 (06:43:39)

    "Gegenüber Rapidus bezifferte Flattr-Mitgründer Linus Olsson die Zahl der Flattr-Anwender auf 50.000, ein Drittel davon würde Geld einzahlen." Wie kann das sein? Ein Mindestbeitrag von 2 Euro monatlich ist doch verpflichtend. Oder sind damit die Nettozahler gemeint? D.h. die anderen zwei Drittel zahlen zwar ebenfalls ein, bekommen aber mehr heraus als sie einzahlen. So oder so schieben wir bei Flattr offenbar immer noch überwiegend im Kreis herum Geld zu (abzüglich der Provisionen für Flattr und Paypal)...

  • Martin Weigert

    13.10.10 (07:03:39)

    Die anderen 2/3 sind Nutzer, die sich registriert, aber nie ihr Konto aufgeladen haben, oder Nutzer, die schon einmal eingezahlt, ihr Budget dann aber irgendwann nicht wieder aufgeladen haben. So deute ich das. Verpflichtend ist eine Einzahlung ja nur, wenn man selbst flattern will. Aber klar, letztlich spielen die 50.000 dann gar keine Rolle - weil nur rund 16.000-17.000 Anwender aktiv flattern können.

  • Thomas Haseloff

    13.10.10 (08:25:01)

    16.000 - 17.000 finde ich schon viel! Das der Durchschnitt noch bei 2€ liegt ist verständlich, da viele User erstmal schauen wollen, wie es geht und erstmal abwarten! @Ulrike Das sich die Produzenten von Inhalten nur Geld gegenseitig zuschieben ist, laut Linus, nicht mehr so! Der Großteil der User hat bis jetzt noch kein "Thing" erstellt, sodass Sie nur "Zahler" sind. Das Peter Sunde jetzt nicht mehr (offiziell) mitmacht ist schade, aber er macht ja weiterhin mit...Also bleibt ja alles beim alten !?

  • anja

    22.10.10 (14:37:51)

    per TWITTER bestätigt?! schon ein bisschen komisch...

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