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11.02.10

Flattr: Neuer Micropaymentdienst setzt auf die “Thank You Economy”

Wie lassen sich Inhalte im Web monetarisieren? Flattr, ein neues Startup mit prominenter Beteiligung, setzt auf die intrinsische Motivation der Internetnutzer.

flattrDie Monetarisierung von Webinhalten gestaltet sich bekanntlich schwierig. Erst in den letzten Monaten wurden wir Zeuge einer Reihe von Ankündigungen von Verlagen und Contentanbietern, Teile ihrerer Onlineangebote aufgrund der schleppenden Werbevermarktung zukünftig nur noch gegen Entgelt anzubieten.

Während der Versuch, um journalistische Inhalte herum eine Bezahlschranke zu errichten, völlig legitim ist, sind die Erfolgsaussichten solcher Vorhaben grundsätzlich gering.

Geht man davon aus, dass auch in Zukunft nur wenige Medienangebote durch Onlinewerbung in die schwarzen Zahlen gelangen werden, bleibt die Frage nach einer Alternativlösung zum umstrittenen und mit enormen Reichweiteneinbußen verbundenen Schritt zum Zahlungszwang. Ein anderer Weg ist das freiwillige Bezahlen für Gratis-Content. Diesem Gedanken hat sich Flattr verschrieben.

Flattr ist ein junges Startup mit einem etwas angestaubt wirkenden Namen, einer tollen Idee und prominenter Beteiligung: Peter Sunde, Mitbegründer der berühmt-berüchtigten Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay, ist einer der zwei Köpfe hinter dem neuen Dienst, welcher auf der Idee der "Thank You Economy" basiert. Dabei dreht sich alles um die Möglichkeit von Usern, sich für Qualitätscontent in Form einer kleinen Gabe zu bedanken, statt Anwender kompromisslos zu einer Zahlung zu zwingen.

Auch wenn nicht jeder Internetnutzer das Bedürfnis hat, freiwillig als Dank für gute Inhalte einen Obolus zu hinterlassen, so gibt es zweifelsohne eine Gruppe von Usern, die dies gerne tut. Ich gehöre dazu. Für Menschen wie mich haben Peter Sunde und sein Companion Linus Olsson Flattr gestartet.

Wer bei Flattr mitmachen möchte, zahlt monatlich einen selbst gewählten Betrag auf sein Flattr-Konto ein (Untergrenze zwei Euro). Fortan kann man jedes Mal, wenn sich auf einer Site ein Flattr-Button befindet und man das dort Vorgefundene für belohnenswert hält, auf den Button klicken, um ihn zu "flattern".

Am Monatsende wird die von Nutzern eingezahlte Summe gleichmäßig zwischen allen Inhalteanbietern aufgeteilt, die sie "geflattert" haben. Je nach persönlichem Flattr-Budet kann es sich dabei pro Person um Centbeträge handeln, die an einzelne Mediensites oder Blogs ausgezahlt werden. In der Summe jedoch kann dadurch ein nettes Sümmchen für angeschlossene Sites zusammenkommen. Soweit jedenfalls die Vorstellung der Flattr-Macher.

Voraussetzung dafür, dass dieses System funktioniert, sind sowohl eine möglichst große Zahl beteiligter Blogs und Websites, als auch Hundertausende oder besser Millionen Anwender, die einmal pro Monat Geld bei Flattr einzahlen. Beides fehlt zu Beginn, was viel Arbeit für die Gründer bedeutet. Positiv auswirken könnte sich hierbei Peter Sundes Bekanntheitsstatus, wobei natürlich fraglich ist, inwieweit Vertreter großer Mainstreamverlage überhaupt zu Gesprächen mit einem ehemaligen "Piraten" bereit sind.

Wahrscheinlicher ist aber ohnehin, dass sich Flattr vornehmlich an kleinere Medienangebote, Blogs und Webpräsenzen des Long Tail wendet. Für diese spricht im Grunde nichts gegen ein unverbindliches Ausprobieren.

Flattr ist nicht der erste Anbieter, der sich an so genannten "Social Micropayments" versucht. Ein ähnliches Experiment hat schon der US-Dienst Tipjoy gewagt - und im August vorigen Jahres schließen müssen. Anders als im Falle von Flattr hinterließen User auf einem an Tipjoy angeschlossenen Blog ihre E-Mail-Adresse, um später an diese einen (unverbindlichen) Aufruf zur Spende via Paypal zu erhalten. Dieser kamen viele Nutzer dann aber offenbar doch nicht nach.

Das Flattr-Konzept hat aufgrund seiner Vorabzahlung einen deutlichen Vorteil, da es mehr Verbindlichkeit mitbringt. Zudem ist nach dem Aufladen des Flattr-Kontos nichts weiter notwendig als der simple Klick auf einen Flattr-Button.

Update: Mit Kachingle gibt es bereits einen US-Anbieter, der auf ähnlichen Pfaden wandert wie Flattr. Die Kollegen von Carta testen das System bereits. Update Ende

Flattr befindet sich derzeit in der geschlossenen Beta-Phase. Auf der Site könnt ihr euch in eine Warteliste eintragen. Wir werden die Entwicklung dieses vielversprechenden Startups im Auge behalten.

Hier eine kurze Videopräsentation von Flattr:

via goodold.se

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