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13.03.14Leser-Kommentar

Flappy-Bird-Macher Dong Nguyen: Ein echter Held

Mitten während des Höhepunkts der Hysterie um die Spiele-App Flappy Bird entschloss sich ihr Macher, die Verbreitung der Anwendung aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus zu beenden. Das macht Dong Nguyen zu einem Helden und Vorbild.

Flappy BirdDie Aussicht auf großen Reichtum, die Aggressivität und Systematik, mit der Akteure Märkte einnehmen und Wettbewerber aus dem Geschäft drängen, sowie der fragwürdige Gestalten anlockende hohe Status des Webentrepreneurs hat zur Folge, dass bei vielen die Netzwirtschaft prägenden Entscheidungen Kriterien abseits wirtschaftlicher Faktoren keinen Platz haben.

Mit Julian Assange oder Edward Snowden sind zwar in den letzten Jahren Personen in Erscheinung getreten, die alle anderen persönlichen und monetären Beweggründe ihren Ideale unterordneten. Doch eigentlich kann man beide nicht dem Kreis der klassischen Webwirtschaft zurechnen. Mit Dong Nguyen, dem Macher des Überraschungs-Spielehits Flappy Bird, blickt die Onlinewelt nun aber erneut auf einen Mann mit echten Idealen. Als die Downloadzahlen von Nguyens Game für ihn vollkommen unerwartet durch die Decke schossen und die Umsätze aus Werbeeinblendungen auf viele zehntausend Dollar pro Tag anstiegen, fasste der unabhängige Entwickler einen ungewöhnlichen Entschluss, von dem ihm jeder Investor, Mentor und Startup-Gründer abgeraten hätte: Der 28-Jährige entfernte die bis dato 50 Millionen Mal heruntergeladene Anwendung aus dem App Store und Google Play Store.

"Flappy Bird war dazu gedacht, einige Minuten zur Entspannung gespielt zu werden", erklärte der in Vietnams Hauptstadt Hanoi lebende Nguyen vor einigen Wochen im Gespräch mit Forbes. "Doch es stellte sich als ein Produkt mit hohem Suchtfaktor heraus. Ich denke, es ist ein Problem geworden. Am besten löse ich dies damit, Flappy Bird offline zu nehmen", beschrieb der Spieletüftler seinen beispiellosen Schritt.

Nun gelang es dem Magazin Rolling Stone, mit dem öffentlichkeitsscheuen Nguyen ein längeres Interview zu führen. Darin beschreibt er den Druck, den er verspürte, als plötzlich Millionen Menschen auf der Welt in den Bann von Flappy Bird gezogen wurden. Drohungen besorgter Eltern sowie ihre Flappy-Bird-Sucht als Belastung empfindende Nutzer der App beschäftigten ihn, zudem wuchs in der Heimat der Presserummel. Bei Flappy Bird den Stecker zu ziehen, war daher für Nguyen auch eine Maßnahme zur Sicherung seines Wohlbefindens.

Das selbstgewählte Aus von Flappy Bird bedeutete für den Programmier nicht das Ende der Einnahmen: Jeder, der die App auf dem Smartphone installiert hat und sich gelegentlich an dem Spiel versucht, generiert weiterhin Anzeigenerlöse. Akquisitionsangebote lehne er grundsätzlich ab, ist im Porträt des Rolling Stone zu lesen. Allerdings überlege er mittlerweile, Flappy Bird doch neues Leben einzuhauchen. Dann allerdings würde er die App mit einem Warnhinweis versehen, der Zocker auf die Wichtigkeit von Pausen hinweist.

Nguyen dürfte erkannt haben, dass sich die Uhren nicht mehr zurückdrehen lassen: Täglich erscheinen hunderte neue Flappy-Bird-Klone, eilig zusammengeschustert von Menschen, denen es im Gegensatz zu Nguyen egal ist, was ihre Programme mit den Anwendern machen, und auf welche Weise sie ihre Konten füllen.

Dass aber in einer Branche, in der es sonst darum geht, User um jeden Preis und mit teils fragwürdigen Tricks zu gewinnen, ein App-Macher freiwillig bei einem Reichweitenhit die Reissleine zieht, macht Dong Nguyen zu einem waren Helden und Vorbild.

Derzeit denkt Nguyen laut Rolling Stone über die Anschaffung eines Mini Coopers und einer Wohnung nach. Es passt zu seiner geschilderten Bescheidenheit, dass er nicht gleich einen Ferrari will. /mw

Kommentare

  • aufregerblog

    14.03.14 (15:44:47)

    Für mich ist er wirklich ein Held, da er so weitere Menschen schützt, weil nicht mehr so viele kleine Kinder die App auf voller Lautstärke spielen... Trotzdem fand ich das Spiel (lautlos) ganz gut, ich hab es aber nur gelegentlich und nicht süchtig gespielt ;)

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