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27.08.08Leser-Kommentare

Firefox-Addon Ubiquity: Kommandozentrale im Web

Mozilla startet Ubiquity, eine Firefox Erweiterung, die unzählige Funktionen verschiedenster Webdienste mit an die Sprache angelehnten Befehlen von jeder Webseite aus zugänglich macht.

Eines der kleineren Geheimnisse des Web ist, dass man das, was man per default im Browser angezeigt bekommt, nicht unbedingt als gegeben hinnehmen muss. In den allermeisten Fällen ist das wohl das, was man will. Aber es gibt auch Anwendungsfälle, in denen man sich wünscht, Bereiche der Webseite nicht angezeigt zu bekommen oder Features angeboten zu bekommen, die nicht vorhanden sind.

Mit Greasemonkey etwa gibt es schon seit langem eine Erweiterung für den Firefox, die es erlaubt, nicht nur die Darstellung von Webseiten, sondern auch deren Verhalten zu verändern. Für Benutzer ist das eine weitreichende Ermächtigung, weil man nicht länger dem Gutdünken einer Webseite ausgesetzt ist, sondern aktiv eingreifen und nicht passende Elemente passend machen kann.

Mit dem gestern gestarteten Ubiquity geht aber Mozilla noch einen deutlichen Schritt weiter und verwandelt den Browser in ein eine Art OS im Web.

Ubiquity ist eine derzeit noch experimentelle Erweiterung für den Firefox, welche diesen in eine Art Kommandozentrale verwandelt, die Funktionalitäten von den unterschiedlichsten Webdiensten aggregiert. Ubiquity kennt viele Befehle, die auf beliebigen Webseiten aufgerufen werden können. Die Befehle versuchen dabei, sich an der natürlichen (heisst: englischen) Sprache zu orientieren.

In der Version 0.1 gibt es unter anderem:

  • email nachricht to empfänger – verschickt eine Email an den Empfänger
  • map adresse – erzeugt für die Adresse ein Link auf Google Maps das ggf. noch angepasst werden kann.
  • translate text from ausgangssprache to zielsprache – übersetzt den Text
  • add-to-calendar datum – fügt dem Google Calendar einen Eintrag hinzu
  • und viele mehr; mit help bekommt man die vollständige Liste angezeigt

Alle Befehle reagieren dabei kontextsensitiv. Wer etwa in einer Webseite einen Bereich markiert und translate aufruft, bekommt die Übersetzung direkt in die Webseite eingefügt. Wer eine Email schreibt, dort eine Adresse markiert und map aufruft, bekommt die entsprechende Karte direkt in die Email hineinkopiert. Wer auf Craigslist eine Reige von Anzeigen markiert und map aufruft, bekommt eine Karte mit den Adressen von allen Anzeigen generiert.

Hauptentwickler Aza Raskin hat einen sehr eindrucksvollen Screencast erstellt, der die wichtigsten Features erklärt.

Ubiquity ist dabei modular aufgebaut, Entwickler können eigene Befehle mit beliebigen Funktionalitäten entwickeln, die vom Benutzer abonniert werden können.

Für User ist das einerseits eine enorme Zeitersparnis, weil man Funktionalitäten, die man davor umständlich zusammensammeln musste, indem man alle jeweiligen Dienste besucht, die Daten wiederholt eingibt und die Ergebnisse kopiert, aus jeder Webseite heraus aktivieren kann. Andererseits verändert es auch die grundsätzliche Disposition dem Web gegenüber, weg vom passiven Verbraucher und hin zum proaktiven Mashup-König unter dessen Zepter separate Webseiten miteinander verschmelzen.

Links:

Kommentare

  • pfefferle

    27.08.08 (17:11:41)

    Hört sich wirklich spannend an, vor allem die Verarbeitung von Microformats. Schade dass ich mir vorgenommen habe im Urlaub nicht zu bloggen :)

  • Patrick Mollet

    28.08.08 (06:52:15)

    Faszinierender Ansatz! Nur frage ich mich: Wie sehen denn zukünftig die Geschäftsmodelle der werbefinanzierten Seiten aus, wenn deren Funktionalität via Ubiquity verwendet wird und die Besucher die Websites gar nicht mehr besuchen müssen?

  • Markus Spath

    28.08.08 (14:13:30)

    @Patrick - gute Frage die den Rahmen hier aber sprengt. Ein paar Verschiebungen gibt es sicher. Aber: Ubiquity macht die Webseiten ja nicht überflüssig (man geht ja weiterhin auf Google Maps wenn man es im vollen Umfang benutzen möchte usw.) sondern verkürzt nur dort die Wege, wo man ohnehin nicht aufs Klicken von Werbebannern eingestellt wäre.

  • Mario

    28.08.08 (19:18:13)

    Die Version die zZt. zum Download verfügbar ist, kann kein add-to-calendar, bei mir findet man eine gefixte Version zum Download, welche aber offiziell noch nicht kompiliert wurde. Nun kann man mit add today from 21:00 to 22:00 blabla einen Termin hinzufügen.

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