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22.03.11

Finderia: Soziale Branchensuche mit Berührungsängsten

Finderia heißt eine neue Branchensuchmaschine aus München, bei der die Empfehlungen und Erfahrungen der eigenen Freunde im Vordergrund stehen. Leider macht der von den lokalisten-Gründern aufgezogene Dienst Usern das Vernetzen nicht gerade leicht.

 

Empfehlungen von Freunden haben eine höhere Relevanz als Tipps von Fremden oder Maschinen - auf dieser Annahme fußt das in den vergangenen Monaten dank Google und Facebook immer häufiger im Rampenlicht stehende Thema der sozialen Suche. Statt allen Usern die gleichen, nicht personalisierten Suchergebnisse auszuliefern, fließt bei Social Search das Feedback des persönlichen Kontaktnetzwerkes in die Generierung der Resultate ein.

Wenn eine Freund irgendwann einmal bei Twitter ein Hotel in Köln empfohlen hat, dann existiert zumindest die Möglichkeit, dass diese Unterkunft auch einem selbst gefällt - weshalb Google entsprechende Erwähnungen neuerdings in den Suchergebnissen kenntlich macht.Mit Finderia ist gerade eine neue Branchensuchmaschine gestartet, die ebenfalls auf dieses Prinzip der Freundesempfehlungen setzt. Ähnlich wie bei gelbeseiten.de können Nutzer auf der Site des Münchner Startups nach Handwerkern, Händlern, Gastronomen und anderen Dienstleistungsunternehmen in ihrer Stadt suchen.

Doch im Unterschied zum klassischen Online-Branchenbuch legt Finderia seinen Fokus auf die Firmen, die Freunde für gut befunden haben. Alle von Finderia dargestellten Suchergebnisse zu beliebigen Schlüsselwörtern erhalten einen "Find ich gut"-Button, mit dem User ihre Präferenz für ein Unternehmen signalisieren können. Auf diesem Weg bauen sie sukzessive ihre so genannten "Find-ich-gut"-Liste auf.

Bei der Suche nach einem guten Konditor in München zeigt Finderia dann zuerst die passenden Lokalitäten, die sich auf der "Find-ich-gut"-Liste der eigenen Kontakte befinden, und danach alle anderen gefundenen Konditoren. Ein weiterer Weg, sich über professionell arbeitende Firmen zu informieren, ist die "Freunde Fragen"-Funktion, mit der man sich per Eintrag in den Aktivitätsstreams der Kontakte erkundigen kann, welche Konditorei in München die besten Torten anbietet.

Ohne eine Vernetzung mit anderen hält sich der Mehrwert von Finderia in Grenzen. Wie das immer so ist, startet man naturgemäß mit null Freunden. Somit erhalte ich weder Suchergebnisse auf Basis der Tipps meiner Kontakte, noch kann ich mich von einer gesammelten Übersicht der Empfehlungen meiner Freunde inspirieren lassen oder die Vergleichsfunktion nutzen, um herauszufinden, wer die selben Favoriten genannt hat wie ich.

Berücksichtigt man die Bedeutung des Vernetzungsgrades für die zukünftige Entwicklung von Finderia sowie für den von Anwendern wahrgenommenen Nutzen, ist es verwunderlich, dass Finderia so wenig Hilfsbereitschaft beim Aufbau der Kontakte zeigt: Der einzige Weg, um Freunde einzuladen, ist über ihre E-Mail-Adresse (man kann andere Nutzer über ihre Profile als Freunde hinzufügen - aber eine Vernetzung mit Fremden passt nicht ganz zum Sinn und Zweck der sozialen Suche).

Dabei setzt die neue soziale Branchensuchmaschine auf eine enge Verknüpfung mit Facebook und erlaubt beispielsweise das Publizieren der Sympathien für Firmen bei Facebook. Dass Finderia zum Start keine Option bietet, Personen über Facebook oder Twitter einzuladen, wirkt ungeachtet des Status als frühe "family & friends"-Version wie ein signifikantes Versäumnis. Denn wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein potenzieller Stammuser zu Finderia zurückkehrt, nachdem er sich auf der Site angemeldet hat, erkennt, dass ohne Kontakte nichts geht, dann aber keine komfortablen Werkzeuge vorfindet, um die virtuelle Einsamkeit zu beenden?

Dass der von den lokalisten-Gründern Andreas Degenhart, Jürgen Gerleit, Andreas Hauenstein, Norbert Schauermann und Peter Wehner lancierte Dienst offenbar in Eile scharf geschaltet wurde, darauf deutet auch das Fehlen aller formellen Informationen wie AGB, Impressum, Datenschutzhinweise und Hilfeseiten hin. [Update:] Dieses Problem scheint lediglich bei Browsern aufzutreten, die englische Spracheinstellungen verwenden (wie meiner), und in Kürze behoben sein. Die entsprechenden Seiten sind also vorhanden. [Update Ende]

Aber es gibt auch Positives über Finderia zu berichten: Die optische Gestaltung wirkt modern, gefällig und zweckmäßig. Die Navigation auf der Site ist intuitiv. Der Funktionsumfang wurde sinnvollerweise auf das Wesentliche begrenzt, was vielen Startups schwer fällt. Und auch die Grundidee wirkt spannend.

Finderia hat somit durchaus Potenzial (auch in wirtschaftlicher Hinsicht, z.B. sind bezahlte Firmenprofile oder besondere Hervorhebungen für zahlende Unternehmen denkbar), muss aber zuerst das für alle sozialen Dienste typische Henne-Ei-Problem der fehlenden Kontakte lösen. Wie man dies vorbildlich macht, zeigt Quora.

Vielleicht sollten die Finderia-Macher über ein kombiniertes Follower-Freunde-Prinzip nachdenken? Auf diesem Weg könnte man Nutzer abonnieren, so lange die eigenen Freunde noch nicht auf der Plattform sind - und hätte gleichzeitig eine angemessene Distanz zu den Empfehlungen.

Link: Finderia

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