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17.10.08

Finanzkrise: Was Skype und Xing gemeinsam haben

Viele Webdienste sehen den nächsten Monaten mit Sorge entgegen. Einige Anbieter haben jedoch gute Chancen, von einem weltweiten Wirtschaftsabschwung zu profitieren. Skype und Xing gehören dazu.

Während die Auswirkungen der Finanzkrise und die Rezessionsangst manche Web-Startups vor eine unsichere Zukunft stellen und im Silicon Valley erste Meldungen über Entlassungen die Runde machen, gibt es auch Dienste, für die die aktuelle Entwicklung mehr Chancen als Risiken mit sich bringt. Schon seit einiger Zeit wollte ich über dieses Thema schreiben, und zwei aktuelle Meldungen geben mir endlich einen guten Anlass: Sowohl der VoIP-Dienst Skype als auch das Business Network Xing vermeldeten am Donnerstag erfolgreiche Quartalsergebnisse für den Zeitraum Juli bis September.

Vom Produkt her haben das zu eBay gehörende Skype und die Hamburger Networker von Xing nicht viel gemeinsam. Doch beide Anbieter eint die Tatsache, dass sie Dienstleistungen offerieren, die in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche stark nachgefragt werden: Kostenlose bzw. kostengünstige Internet-Telefonie im Falle von Skype und ein Netzwerk, über das sich womöglich ein neuer Job finden lässt, bei Xing.

Skype verzeichnete im dritten Quartal diesen Jahres einen Umsatzzuwachs von fünf Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal und 46 Prozent zum selben Zeitraum 2007 auf 143 Millionen US-Dollar. Das quartalsweise Wachstum hat sich zwar verringert, die Anzahl bezahlter Gesprächsminuten (Skype Out) stieg jedoch so stark wie seit dem zweiten Quartal 2007 nicht mehr. Die eBay-Tochter hat mittlerweile beeindruckende 370 Millionen registrierter Nutzer, ein Plus von 51 Prozent zum Vorjahr.

Auch Xing kann sich über einen weiteren Umsatzanstieg freuen. Zwischen Juli und September 2008 erlösten die Hamburger 9,18 Millionen Euro, ein Anstieg um 86 Prozent zum dritten Quartal 2007. 7,4 Millionen Euro stammen aus Beiträgen der mittlerweile 514.000 zahlenden Mitglieder. Insgesamt hat das börsennotierte Unternehmen zirka 6,5 Millionen registrierte Nutzer.

Egal ob nun die Turbulenzen der vergangene Wochen und Monaten einen Einfluss auf die Resultate von Skype und Xing hatten oder nicht - anders als viele Internetanbieter müssen sich die beiden Dienste wenig Sorgen um ihre Zukunft machen.

Große wie kleine Unternehmen aus dem On- und Offlinebereich suchen derzeit nach Wegen, ihre Kosten zu senken und sich fit für einen Konjunktureinbruch zu machen. Gleichzeitig erhöht sich die Mobilität und Flexibilität von Arbeitnehmern, die verstärkt Umzüge in andere Städte oder Länder in Kauf nehmen, um eine neue Anstellung anzunehmen. Der Effekt ist in beiden Fällen der gleiche: Budgetschonende Wege für Telefonate, Konferenzen und Videochats über das Internet gewinnen an Attraktivität, und Skype als Quasi-Standard für schnörkelloses VoIP wird davon profitieren.

Xing hingegen gewinnt in rauen Zeiten vor allem deshalb an Bedeutung, weil es von vielen als Jobbörse genutzt wird. Dabei spielen nicht nur die von Unternehmen eingetragenen Stellenanzeigen eine Rolle, sondern auch die Möglichkeit, über sein Profil von einem Personaler oder Headhunter gefunden und angeschrieben zu werden. Vergessen darf man außerdem nicht den hohen Wert persönlicher Kontakte. Es gibt kaum eine bessere und einfachere Art, einen neuen Job zu finden, als über Bekannte in anderen Unternehmen.

Auch Xings größter Konkurrent, das weltweit führende Business-Netzwerk LinkedIn, hat bereits kräftig von der US-Kreditkrise und ihren Folgen profitiert. Sowohl die Mitgliederzahlen als auch die Nutzungsintensität sind nach den Zusammenbrüchen US-amerikanischer Finanzinstitute angeblich stark angestiegen.

Sicherlich ist auch für Skype und Xing nicht alles rosarot. Doch die Gefahr, dass es zu größeren Einbrüchen bei Nutzung und Umsatz kommt, erscheint erheblich geringer als bei anderen Onlineanbietern, die keinen geschäftlichen Mehrwert bieten. Man wird sehen, was die beiden Web-2.0-Pioniere daraus machen.

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