<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

07.05.13

Finanzieller Engpass: cleap-Macherin AppClouds geht einen ungewöhnlichen Weg

Das Startup AppClouds entwickelt mit cleap einen Dienst zum mobilen Bezahlen. Weil der Abschluss einer geplanten Finanzierungsrunde sich verzögert, werben die Münsteraner öffentlich um Business Angels und institutionelle Investoren. Ein ungewöhnlicher Schritt.

Jeden Monat geht bei einer Reihe von Startups das Licht aus. Häufig unkommentiert und unbemerkt, besonders wenn das jeweilige Unternehmen schon länger auf Sparflamme betrieben wurde oder wie ein Zombie vor sich hinvegetierte. Manchmal greift die Presse das Thema noch auf, gerade dann, wenn die entsprechende Firma per Mail-Newsletter oder Meldung auf der Website über das Ende informiert. In der Regel versuchen Startups aber, die Meldung vom Ende nicht zu sehr an die große Glocke zu hängen.

Zumeist gehen der Pleite gescheiterte Gespräche über Finanzierungsrunden voraus, wovon die Öffentlichkeit jedoch selten etwas erfährt. Das Münsteraner Startup AppClouds wählt nun aber einen ganz anderen Weg und verkündet die aus Sicht des Unternehmens unerfreuliche Nachricht eines finanziellen Engpasses per E-Mail-Newsletter, Blogbeitrag und direkt auf der eigenen Website. AppClouds entwickelt mit cleap einen mobilen Bezahldienst für Smartphones. Im Oktober vergangenen Jahres begann die öffentliche Beta-Phase. Ende Januar entfernten die Westfalen ihre App wieder aus dem AppStore, Google Play Store sowie Windows Marketplace. Ziel war es, auf Basis des gewonnenen Feedbacks im Frühahr 2013 cleap 1.0 offiziell zu lancieren. Doch Verzögerungen bei den Verhandlungen mit einem interessierten Groß-Investor kamen Gründer Torben Simon Meier und seinem Team in die Quere. Verhandlungen mit Groß-Investor verzögern sich

“Leider lassen sich die unvorhergesehenen, lang andauernden Verhandlungen mit einem interessierten Groß-Investor nicht mehr durch Eigenmittel überbrücken", so steht es in dem Text, der als Mail den Betreff "Unschöne Nachrichten aus unserer Startup-Schmiede!" sowie im Blog die Überschrift "AppClouds droht Zahlungsunfähigkeit!" trägt. Anstatt wie die meisten anderen Webfirmen in einer derartigen Situation hinter den Kulissen hektisch nach einer Überbrückungsfinanzierung zu suchen, treten Meier und der zweite geschäftsführende Gesellschafter Johannes Benz an die Öffentlichkeit. Sie verzichten darauf, mittels einer Emergency-Crowfunding-Aktion die erforderlichen Mittel einzustreichen - von einer im Sommer 2012 durchgeführten Kampagne bei startnext.de hat man seit dem Beginn selbiger nichts mehr gehört - sondern richten ihren Appell stattdessen an Business Angels und Investoren, die sich mit einer Summe von 100.000 bis 300.000 Euro an dem Startup beteiligen und die Gelder bereitstellen möchten, die bis zum erhofften Abschluss einer großen Finanzierungsrunde erforderlich sind.

Dieser offene, den eigenen Stolz beiseite legende Ansatz ist äußerst ungewöhnlich für Startups und damit ein interessanter Vorgang, der zum Vorbild für andere Firmen in der Klemme werden könnte, sollte AppClouds mit dem öffentlichen Werben um Investoren Erfolg haben.

Eigenes Versagen oder Strukturproblem?

Leider wird das positive Bild etwas von der Tonalität des AppClouds-Schreibens getrübt, das klingt, als nehme sich das Team etwas zu ernst, und das ohne weiterführende Erklärungen andeutet, dass es sich bei der bisher nicht unter Dach und Fach bekommenen Wagniskapital-Runde um ein Strukturproblem anstelle eines individuellen Versagens handelt. Direkt am Anfang des Textes lassen sich die Münsteraner zu der etwas vermessenen Behauptung hinreißen, dass die Situation (die verzögerten Verhandlungen, Anm. d. Redaktion) eine schlechte Nachricht für die Startup-Szene in Deutschland sei, und beklagen an anderer Stelle, dass einmal mehr ein "großes Potential aufweisendes Produkt 'Made in Germany' es durch reine Bürokratie nicht auf den Markt schaffen könnte". Dummerweise bleibt das Startup in dem Brief die Erkärung schuldig, was sich in die Länge ziehende Verhandlungen mit einem Großinvestor mit Bürokratie zu tun haben. Sollten sie sich damit auf Praktiken des erwähnten Geldgebers beziehen, so stehen die Chancen wohl jetzt schlechter als zuvor, dass dieser tatsächlich das in Aussicht gestellte Investment tätigen wird.

Dass Torben Simon Meier und Johannes Benz von ihrem Produkt überzeugt sind, ist erfreulich und auch Voraussetzung, um überhaupt irgendwo hin zu kommen. Die Argumente, mit denen sie jedoch versuchen, das Interesse von Business Angels zu wecken, überzeugen mich nicht. Es ist immer leicht, in jammrigen Tonfall in die "deutsche Startups haben es so schwer"-Kerbe zu schlagen - weil es manchmal auch stimmt. Doch da das Duo in dem Beitrag nicht glaubhaft erkärt, wieso es strukturelle Aspekte für das verzögerte Funding verantwortlich macht, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. An Startups, die mobiles Bezahlen etablieren wollen, mangelt es wirklich nicht - während der Markt speziell in Deutschland einen sehr schweren Stand hat. Dass VCs einen Anbieter in diesem Segment also nicht einfach so mit Millionen überschütten, erscheint verständlich. Die AppClouds-Macher täten gut darin, in ihrem Statement genauer darauf einzugehen, wieso sie ausschließlich andere Faktoren für den finanziellen Engpass verantwortlich machen und überhaupt nicht sich selbst. Die Fähigkeit zur kritischen Selbsteinschätzung würden auch Investoren schätzen. /mw

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer