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21.05.09Leser-Kommentare

Filter und Regulierung: Internet als unsicherer Wirtschaftsraum

Internetfilter und andere Bestrebungen, das Internet direkt an der Wurzel zu regulieren sind höchst gefährlich und können viele der Vorteile des Webs zunichte machen.

Die Debatte in Deutschland rund die geplanten Internetfilter, um Kinderpornografie zu verstecken, wird auf beiden Seiten zunehmend gereizter.

Warum der Widerstand gegen die Internetfilter so stark ist, dafür gibt es viele Gründe. Cory Doctorow hat im britischen Guardian einen Artikel zum Themenkomplex der Regulierung des Webs veröffentlicht, der viele Punkte anspricht, die jeder Regulierungen Wünschende genau bedenken sollte.

Unter dem Titel "We must ensure ISPs don't stop the next Google getting out of the garage - Wir müssen sicherstellen, dass die ISPs nicht das nächste Google daran hindern, die Garage zu verlassen" weist Doctorow auf die Ausgangslage und die Rahmenbedingungen hin, die das heutige Internet erst ermöglicht hat. Und auf die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen beizubehalten.

Doctorow sagt zu recht, dass Politiker die Pflicht haben, das Internet frei und offen zu halten. Während sie allerdings rund um den Globus stattdessen zugunsten nationaler Unternehmen und einzelner Interessen zunehmend das Internet beschneiden wollen.

Auch auf die Probleme mit dem Filtern von Sites, wie es aktuell von der deutschen Bundesregierung angedacht ist, geht Doctorow ein. Er verweist etwa auf Telus, einen kanadischen Internetprovider, welcher einfach die Site seiner streikenden Arbeiter filterte, auf der sie ihre Beschwerden auflisteten.

Wie weit ist es von einer Filterliste mit Sites mit Kinderpornographie zu solchen eher unerwünschten Filterungen? Und wie weit ist es davon zu einem erneuten Vorstoss der ISPs, die Netzneutralität abzuschaffen?

Netzneutralität

Ein Wegfallen der Netzneutralität hätte schwerwiegende Folgen. Wenn ISPs mit großen Medienkonzernen kooperieren und deren Inhalte gegenüber kleineren Mitbewerbern bevorzugen, verändert das das Internet grundlegend.

Die niedrigen Markteintrittsbarrieren - nie konnte man mit so wenig Kapitaleinsatz so viele potentielle Kunden erreichen - haben die Innovationsschübe im und durch das Internet ermöglicht. Nur weil jeder, egal wie groß oder klein, die gleiche Ausgangslage hat, konnte zum Beispiel Microsoft nicht mit unfairen Mitteln abseits des Marktes die Websuche dominieren. Stattdessen setzte sich das beste Produkt durch.

Schaffen wir diese Gleichheit für alle ab, erhöhen wir also die Markteintrittsbarrieren, verhindern oder zumindest mindern wir die Erfolgschancen des nächsten Google. Ist das gesellschaftlich wünschenswert?

Gerade aber das Abschaffen dieser niedrigen Markteintrittsbarrieren ist verlockend für die großen, bereits etablierten Player. Ebenso wie die Möglichkeit für alle Beteiligten, den Informationsfluss im Internet zu filtern und damit steuern zu können. Deshalb dürfte es keine Übertreibung sein, wenn man annimmt, dass die aktuelle Filter-Debatte in Deutschland erst der Anfang ist.

Das Internet ist nicht nur der Zugang zu ein paar Websites, sondern der Zugang zu einem Wirtschaftsraum. Und gleichzeitig ist es ein immer wichtiger werdender Kommunikationskanal.

Die Vielfalt der Aufgaben, die man mit dem Internet erfüllen kann, machen den Zugang immer wichtiger und schützenswerter. Jeder Eingriff in die Infrastruktur muss deshalb besonders abgewägt und im Zweifel eher fallen gelassen statt durchgeboxt werden. Das Internet ist schließlich immer mehr die zugrundeliegende Infrastruktur für das künftige TV, Hörfunk, Telefon, Post und vieles mehr.

Ein dringendes gesellschaftliches Problem ist zur Zeit, dass die Mehrheit der Politiker entweder die Bedeutung des Internets oder dessen fragile Gesamtsituation nicht erkennen oder nicht für wichtig genug erachten und es deswegen für eigene (Wahlkampf-)Zwecke missbrauchen oder an den meistbietenden Lobbyisten verschachern möchten.

Kommentare

  • Markus Jakobs

    21.05.09 (22:58:02)

    Freiheit!!! http://www.youtube.com/watch?v=fmxdyoK2I2s

  • Stefan akak @susuh

    22.05.09 (11:39:58)

    ... oder den Wert sehr genau erkennt und diesen kontrollieren möchte. M.E. ein klassischer Fall von Kontrollverlustangst, diesmal allerdings im Schulterschluß mit etablierten Medienunternehmen, die Morgenluft wittern. Und bei dieser Gelegenheit die Spielregeln ein wenig zu ihrem Vorteil zurechtzupfen möchten. Wettbewerb ist ja nicht nur lästig, sondern sondern irgendwie auch bißchen unfair, oder?

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