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14.02.08

Filmvorschau: Bloody Thursday

Nach trautem Buchzirkel und liebervoller Buchzirkel wird es jetzt richtig blutig. Ein alter Bekannter kehrt zurück, im Waisenhaus wird es überirdisch und im Westen warten acht Oscarnominierungen

Bodycount sucht Anspruch: "John Rambo"

John RamboAlter Mann, was nun? (Bild Warner)

Er kann es nicht lassen. Seine Karriere schien vorbei, die letzten Erfolge lagen Jahre zurück. Sylvester Stallone ließ sich nicht beirren und sorgte für einen sechsten Rocky. Die Kritiker nahmen es wohlwollend, an den Kinokassen klingelte es. Jetzt wartet Stallone mit einem neuen Rambo auf. Von ihm selbst in Szene gesetzt, auf seine Fans abgestimmt und brutal bis auf die Knochen.

"John Rambo" hat sich mittlerweile im vietnamesischen Dschungel zur Ruhe gesetzt. Erst als die stereotypisch dauerbrutale burmesische Militärregierung christliche Missionare in Gefangeschaft nimmt, bahnt sich der ehemalige Green Beret seinen Weg. Mit Pfeil und Bogen, Machete, Fäusten und zu viel Adrenalin.

Die L.A Times rechnet nach : 236 Tote, davon 83 mit bedecktem Oberkörper, 0 ohne, 40, die von Rambos Verbündeten getötet werden und 136 Gute, die von Bösen getötet werden. Sexszenen: 0.

Chronik eines Kapitalisten: "There Will Be Blood"

Was haben "John Rambo" und ein dreistündiges Historien-Epos eines amerikanischen Autorenfilmers gemeinsam? Zumindest den Willen, das Gewaltbereite einer Nation auf die Leinwand zu bannen. Paul Thomas Anderson realisiert das aber nicht durch pure Gewalt, sondern durch pure Ungewöhnlichkeit.

"There Will Be Blood" ist eine amerikanische Familiensaga, in der Geschäftsinteressen die Blutsbande ersetzt haben: Sie beginnt 1898 mit einem Silberfund, folgt dann dem Aufstieg eines Ölbohrers bis zum vom Titel versprochenen, absurd schrecklichen Ende auf der Kegelbahn einer zum Mausoleum gewordenen Riesenresidenz 1926. Im Zentrum steht der von Gier und Menschenhass getriebene Ölbaron Daniel Plainview, gespielt von Daniel Day-Lewis.

So detailbesessen dieser Film auch ist, so strotzt er streckenweise vor epischer Leere. Dann verzichtet Anderson bewusst auf Worte und lässt Spitzhacken und Bohrhämmer sprechen. Wer ein Anhänger von Sergio Leones Italo-Western war, wird die Länge und Stimmlage dieses Films genießen. Der Rest wird aber kaum mit ?John Rambo? glücklich werden.

?The Others? Reloaded

Die Filmwelt wird überflutet mit Remakes erfolgreicher 70er Jahre-Horrorfilme, die ?das Genre revolutioniert haben?. Mittels extremer Darstellung extremer Gewalt. In möglichst blutigen Details soll der abgestumpfte Horrorfan immer neu stimuliert werden.

Dass es auch anders geht, zeigen die Spanier, die immer wieder auch auf deutschen Leinwänden herumgeistern. Guillermo del Toro verfehlte mit "Pans Labyrinth" nur knapp den Oscar. Jetzt produzierte del Toro den Debütfilm "Das Waisenhaus" mit, der von der spanischen Filmindustrie als Aspirant auf eine Oscarnominierung ausgewählt wurde. Regisseur Juan Antonio Bayona macht in seinem Erstlingswerk alles richtig.

Auch, wenn sein Film an Filme wie "The Others" anzuknüpfen scheint: Ein altes, böses Haus, ein Kind mit imaginären Freunden, die umso realer werden und die Trauer einer Frau, die an mehr glaubt als das wissenschaftlich Erwiesene. Was daraus resultiert, ist ein dennoch eine gelungene Komposition aus Melancholie, düsterer Atmosphäre und Angst.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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