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15.08.08

Filmtipp Jarhead: Männer allein im Sand

Sie sind jung, sie wollen was von der Welt sehen, sie werden zu begeisterten Soldaten – und am Ende sind sie desillusioniert. RTL zeigt das Anti-Kriegs-Drama "Jarhead - Willkommen im Dreck".

Bildergalerie zum Film (5 Bilder, RTL)

Krieg am Golf. Die Sonne brennt auf eine Gruppe US-Soldaten, die mitten im Nichts herumirren und vor allem mit Warten beschäftigt sind. Warten und trainieren, hin und wieder streifen sie ihre Gasmasken über, nur für den Fall. Eigentlich hatten sie sich mehr Action erhofft und keinen drögen Urlaub im Sand. Als es schließlich knallt, pisst sich der Protagonist in die Hose.

Den tausendfachen Werdegang vom naiven Zivilisten zum desillusionierten Soldaten zeit RTL Samstag Abend zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Der Protagonist Marine Swoff, gespielt von Jake Gyllenhall, befindet sich einer brutalen Lage: Aufs Töten gedrillt in einem Krieg, den er nicht versteht – für eine Sache, die er und seine Kumpels kaum begreifen.

Und das macht "Jarhead" so anders. Er ist keine Demonstration amerikanischer Überlegenheit wie in "Sniper" oder "Stealth" und keine Hymne auf das amerikanische Korpsgefühl wie in "Black Hawk Down". Der Druck der Soldaten entlädt sich am Rande. Ohne Gegner. Aufs Töten gedrillt sind die Rekruten gefangen in einem ewigen Sandmeer ohne Sonnenlicht, weil der Rauch der brennenden Ölquellen den Himmel verdunkelt.

"Jarhead" ist der Gegenentwurf zu David O`Russels abgedrehtem Golfkriegsfilm "Three Kings". Keine Heroismus, keine Komik, keine Mythen und keine irrwitzige Suche nach dem Saddam-Gold. Stattdessen abgründig ernst. Als Seargeant Goffmann von einer hartnäckigen Journalistin gefragt wird, wofür er kämpft, platzt es schließlich aus ihm heraus: "Ich war 20 und dumm genug, einen Vertrag zu unterschreiben!"

Drei Jahre ist der Film schon alt, mittlerweile scheint die amerikanische Bevölkerung des Irak-Krieges überdrüssig zu werden. Nach einigen erfolglosen Versuchen, das kriegsmüde Land mit abendfüllenden Frontgeschichten zu unterhalten, startete der US-Bezahlsender HBO jüngst die Serie "Generation Kill".

Die Story dreht sich ebenfalls um ein hochspezialisiertes Bataillion junger US-Marines. Eine Generation, die mit den sogenannten Killerspielen aufwuchs. Unterfordert, kriegslüstern und mit der Erkenntnis, dass sie von einer inkompetenten Regierung Befehle entgegennehmen müssen, entlädt sich eine absurde Situation in noch absurderen Dialogen: "Ich sage euch: Pussy-Mangel ist die Wurzel aller globalen Instabilität. Schickt die republikanische Garde ein Wochenende nach Las Vegas, und der Krieg ist vorbei", meint einer der Marines. Die Namen der Schauspieler wollte Produzent David Simon absichtlich nicht nennen, um für Distanz zu sorgen – keine Heldenverherung, stattdessen möglichst realistische Soldatenschau.

Auch "Jarhead" hat einen realitätsnahen Anspruch: Der US-Filmkritiker Roger Egbert urteilt: "Es passiert nicht oft, dass ein Film zeigt, was es bedeutete, ein bestimmte Person, an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zu sein. Aber dieser Film schaft es."

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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