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06.05.14Leser-Kommentare

Figo: Wie Apples harte Strafe ein Startup zum Strategieschwenk zwang

Nur wenige Wochen war Figos Finanz-App für das iPhone im App Store, da sperrte Apple wegen Regelverstößen den Entwickler-Account der Macher. Glücklicherweise hatte das Startup einen Plan B in der Tasche. Nun will es mit einer modernen Banken-API durchstarten.

Figo

Als das deutsche Startup Figo nach vielen Monaten der Vorbereitung gerade seine smarte Banken-Aggregations-App für das iPhone fertig hatte und diese seit wenigen Wochen im App Store anbot, erhielt das Team um die Gründer André Bajorat und Markus Lüdemann eine Benachrichtigung von Apple: Die Kalifornier wiesen das damals in Berlin ansässige Unternehmen darauf hin, dass die Figo-App nicht regelkonform sei. Eine genauere Erklärung gab es nicht. Gegen die kurz darauf folgende Schließung ihres Enterprise-Entwickler-Kontos konnte das Duo nichts machen. Plötzlich stand das Startup da, mit einer App im App Store, die sich nicht mehr mit Updates verbessern und erweitern ließ. "Wir wussten, was wir taten"

Auch heute weiß Bajorat nicht hundertprozentig, wieso es im September 2013 zur ein Jahr lang geltenden Sperrung durch Apple kam. Er hat aber eine Vermutung: Für die sehr ausgedehnte Beta nutzte das Unternehmen die in ihrem Developer-Account für Firmen vorgesehene Möglichkeit der "In-house Apps", die das Bereitstellen von iOS-Apps am App Store vorbei erlaubt und damit auch nicht das übliche Freigabe-Prozedere erfordert. Angesichts von Downloadzahlen im vierstelligen Bereich hatte man nach der Theorie von Bajorat in Cupertino wohl erkannt, dass ein gewisser "Missbrauch" des Features betrieben wurde, und das Fehlverhalten entsprechend bestraft.

Auch wenn Bajorat sich eine konkretere Erklärung von Apple gewünscht hätte, schiebt er dem Konzern nicht den Schwarzen Peter zu. "Wir wussten, was wir taten", beschreibt er die eigene Verantwortung für die Misere. Das Ereignis war dennoch ein Schlag in die Magengrube, der das Startup für einige Monate in einen Schwebezustand beförderte. Eine Umfirmierung und das Anbieten der App unter neuem Namen kam für die Macher nicht in Frage. Für die schnelle Umsetzung einer Android-App fehlten die Ressourcen. Doch Figo hatte einen Plan B in der Tasche:

Plan B: Eine moderne Banken-API

Denn von Beginn an war die Figo-App nur das Front-End zu einer intelligenten, von dem Unternehmen entwickelten Finanz-Plattform, die Usern den Abruf von Konteninformation der meisten deutschen Banken sowie einiger Bezahldienstleister wie PayPal ermöglicht. Das Team wollte diesen Teil des Produkts nun in den Vordergrund rücken. Nachdem die neue Strategie implementiert war, ging Ende des Jahres der "Relaunch" über die Bühne, besiegelt mit einem Umzug nach Hamburg. Co-Founder Markus Lüdemann ist nicht mehr operativ dabei, steht dem Unternehmen aber weiter federführend für Figos Frontend-Projekte zur Verfügung.

Mittlerweile bezeichnet sich Figo in der Eigenpräsentation als "Dropbox für Finanzen mit moderner Banken-API". Dieser Vergleich soll auf den Plattformcharakter des Dienstes hinweisen: Wie Dropbox für zahlreiche externe Cloud- und Produktivitätsservices den Storagepart übernimmt, soll Figo allen Onlineanbietern von Nutzen sein, die in irgendeiner Form Bankdaten in ihre Enduser-Services integrieren wollen. Zu den ersten API-Partnern, die von Figo Gebrauch machen, gehören Lendstar, Aboalarm, Fastbill und Billomat. Figo tritt bei den Integrationen zumeist unter eigenem Branding auf und erlaubt den anbieterübergreifenden Login der User in ihr Figo-Konto. In diesem verwalten sie ihre angeschlossenen Bank- und Finanzdienste. Die Deutsche Post bezieht von dem Startup eine fertige App auf White-Label-Basis: Kontopilot ist im Prinzip die ursprünglich im App Store veröffentlichte Figo-App. Insofern war auch die damalige Arbeit nicht für die Katz. Weitere API- und White-Label-Partner sollen folgen. Wer von Figos Expertise beim laut Firmenangaben sicheren und datenschutzkonformen Einsatz der von der Kreditwirtschaft spezifizierten Schnittstellen FinTS und HBCI+ Gebrauch machen möchte, muss dafür bezahlen.

Entwicklung einer schlauen Bankinglösung als nächster Schritt

"Es fühlt sich gut an, endlich erste Rechnungen schreiben zu können", freut sich Bajorat über die Fortschritte. Er hofft, bis Jahresende noch möglichst viele Partner mit an Bord holen zu können. Für 2014 strebt er auch die Zusammenarbeit mit einer Bank an. Gemeinsam mit Figos Banking-API ließen sich nach Ansicht des Gründers schlaue Produkte schaffen. Denn heutige Banken bieten ihren Kunden weder den Zugriff auf Konten bei fremden Finanzinstituten noch Anbindungen an Businesstools. Auch eine "Fernsteuerung" von Kreditkarten per App könnte durch eine entsprechende Kooperation realisiert werden.

Nach dem etwas missglückten Debüt kann das rund siebenköpfige Figo-Team mittlerweile mit Zuversicht in die Zukunft blicken. "Wenn ein Unternehmen darüber nachdenkt, Bankdaten über einen Onlinedienst zugänglich zu machen, dann soll die selbstverständliche Antwort 'Figo' lauten", so das Ziel des Entrepeneurs. /mw

Anmerkung: Diese überarbeitete Fassung des Artikels konkretisiert die Tatsache, dass die Entscheidung zur Neuausrichtung vom Figo-Team getragen wurde.

Kommentare

  • Alain

    06.05.14 (07:01:05)

    Ist schon krass was man sich als Entwickler / Kunde alles von Apple gefallen lassen muss. Für mich ein weiterer Grund diese Zensurpolitik nicht weiter zu unterstützen.

  • rollup banner

    06.05.14 (11:01:49)

    Apple ist sowieso der Letzte Konzern der je einen Cent durch mich verdienen wird.

  • Anti Piracy Company

    12.05.14 (03:59:14)

    Schaut ziemlich gut aus die App und auch die Idee dahinter ist gut. Schade, was das Start Up Unternehmen erleiden musste. :(

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