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26.11.09Leser-Kommentare

Fehlende Medienkompetenz: Wie aus Lehrern Schüler werden

Erstmalig in der Geschichte der Menschheit wird das klassische Muster der Wissensvermittlung auf den Kopf gestellt: Während Eltern, Lehrer und bisherige Meinungsführer in ihrer Rolle als Vermittler von Web-Wissen und digitaler Erfahrung versagen, übernehmen junge Menschen die Lehrerrolle.

TafelDer Spiegelfechter-Blog hat sich in einer Rezension mit Frank Schirrmachers umstrittenem Buch Payback auseinandergesetzt. In diesem rechnet der Mitherausgeber der FAZ in einer fragwürdigen Rolle des Zaungasts mit dem Informationszeitalter und Internet ab.

Folgender Absatz von Spiegelfechter-Autor Jens Berger stach mir beim Lesen besonders ins Auge:

Schon in der Schule muss Medienkompetenz zum Lehrstoff gehören. Es ist mit einer Wissensgesellschaft unvereinbar, dass Kinder ohne professionelle Hilfe ins Netz gelassen werden. Aber woher soll diese Hilfe kommen? Von den Lehrern? Ein Großteil der deutschen Lehrer lebt doch selbst noch in Schirrmachers analoger Welt und kann mit dem Internet nicht umgehen. Die Eltern scheiden meist selbst als Tutoren aus, da auch sie die Instrumente nicht beherrschen. Wenn die Gesellschaft denn wirklich die Chancen nutzen will, die die digitale Vernetzung bietet, so muss zunächst eine Diskussion stattfinden, wie man Medienkompetenz vermitteln kann.

Diese extrem wichtigen Sätze muss man womöglich mehrmals lesen, um ihre Bedeutung zu erkennen: Erstmalig in der Geschichte der Menschheit erleben wir eine Situation, in der Eltern, Lehrkräfte, Entscheider und gesellschaftliche Vorbilder in ihrer Rolle als Vermittler von Wissen und Orientierung versagen.

Seit Menschengedenken läuft die Wissensweitergabe nach einem typischen Muster ab: Ältere geben ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Werte an Jüngere weiter, die sich daran orientieren und ihrerseits mit dem Älterwerden lernen. Zwar geschieht es, dass ein frischgebackener Absolvent in seinem speziellen Fachgebiet über mehr Know-how verfügt als seine Eltern oder andere Personen in seinem Umfeld, doch handelt es sich dabei eben stets um Fachkompetenz, nicht um auf Lebenserfahrung basierendem Wissen über allgemeine Verhaltens- und Kommunikationsweisen.

Mit der Digitalisierung gerät diese seit jeher erprobte Art der Wissensweitergabe zumindest teilweise ins Wanken. Plötzlich erklären Gymnasiasten ihren Lehrern, wie soziale Netzwerke funktionieren, was man mit virtuellen Währungen in Communities kaufen kann und wie ein man einen Flashmob mit wildfremden Leuten organisiert. Plötzlich erklären Studenten ihren Professoren, wie sie mit Hilfe von RSS ihre ganz individuelle, von überall abrufbare Zeitung zusammenstellen. Plötzlich erläutern Praktikanten ihren Vorgesetzten, warum sich das Einrichten eines Corporate Blogs oder eines Twitter-Kontos lohnen könnte. Und plötzlich leiten 25-Jährige wie Mark Zuckerberg ein milliardenschweres Unternehmen, dass das Leben und die Kommunikation von hunderten Millionen Menschen in einer Form verändert, wie es (neben Google) schon lange keiner Firma mehr gelungen ist.

Betrachtet man, welche Schwierigkeiten die Schirrmachers, Beckmanns und Jauchs dieser Welt mit der Art haben, wie die Digitalisierung in jeden Aspekt unseres Lebens eingreift, wird deutlich, wie tiefgehend der Einschnitt in bisher als selbstverständlich geltende Muster und Hierarchien ist.

Man ahnt, dass nicht nur das Fehlen von neuer Medienkompetenz und Know-how rund um die Dynamiken des Internets Ursache für die Probleme der vielen noch in analogen Bahnen denken und handelnden Menschen ist, sondern dass ihre bisher gesammelte Lebenserfahrung sie gar am unvoreingenommenen Ausprobieren und Akzeptieren hindert.

Wer sich in der bequemen Welt klassischer Massenmedien eingerichtet hat, in der die Informationshoheit in der Hand weniger lag, hält dies für den Normalzustand und alles andere für ein Abweichen von der Norm. Wer gelernt hat, dass Reaktionen auf einen journalistischen Beitrag maximal als Leser- oder Zuschauerbriefe eintreffen, über deren eventuelle Veröffentlichung man die volle Kontrolle hat, hält jeden Kontrollverlust für eine Bedrohung. Und wer über viele Jahre hinweg die Privilegien genossen hat, die eine mediale Meinungsführerrolle einbrachte, kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass nun jede Person im Internet diese Rolle einnehmen kann.

Nicht alle, aber viele Lehrer, Professoren, politische und gesellschaftliche Entscheider sowie Meinungsführer haben keine Möglichkeit, der jungen Generation wichtige Erfahrungen im Umgang mit der digitalen Welt mit auf den Weg zu geben. Denn sie haben keine.

Im Gegensatz zu Millionen von jungen und junggebliebenen Menschen, für die der Umgang mit den digitalen Medien eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Aus Schülern werden Lehrer, und aus Lehrern werden Schüler. Bleibt die Frage, wie lange sich diese ehemaligen Lehrer dagegen versperren werden, nun selbst auf der Lehrbank zu sitzen.

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • Dani Schenker

    26.11.09 (18:12:10)

    Dieser Text bringt die Situation sehr schön auf den Punkt. Besonders hervorheben würde ich den letzten Abschnitt, denn genau dieser zeigt den wichtigsten Punkt. Dort muss man dran arbeiten. Denn offensichtlich sind diese angesprochenen Gruppen überhaupt nicht bereit etwas zu lernen. Das zeigt sich dann auch darin, dass man statt zu lernen Gesetze schaffen will, die die Entwicklung aufhalten soll, damit man nicht noch mehr hinterher hinkt. Das ist einfach nur traurig...

  • Philipp

    26.11.09 (18:16:38)

    Eine treffende Beobachtung. Ich erinnere mich noch daran, wie wir unserem Lehrer jede Woche aufs Neue den Videorekorder erklären mussten. Das muss heutzutage ja unerträglich sein.

  • Andreas Göldi

    26.11.09 (18:40:45)

    Den Effekt gibt es natürlich, und die Konsequenzen sind durchaus komplex. Aber ich wäre mit Formulierungen wie "erstmals in der Geschichte der Menschheit" etwas zurückhaltender. Das ist schlicht falsch. Einfache Beispiele aus eigener Erfahrung: Vor gut 20 Jahren habe schon meine Mitschüler am Gymnasium in Programmierung unterrichtet, weil der dafür zwangsrekutierte Lehrer das das nicht gebacken gekriegt hat. Und vor bald 15 Jahren musste ich für meinen Uni-Professor (Wirtschaftsinformatik...) immer alle Web-Demos machen, weil der sich nicht getraut hat, selbst mit einem Browser umzugehen. Wenn man geschichtlich zurückblättert, findet man zahlreiche andere Beispiele: Die mittelalterlichen Universitäten, die auf rein mündliche Wissensweitergabe eingestellt waren (darum heisst es bis heute "Vorlesung") wurden beispielsweise durch das Aufkommen des Buchdrucks ordentlich durchgeschüttelt. Denn es war ungeheuerlich, dass die Studenten plötzlich in ihren eigenen Büchern verifizieren konnten, was ihnen die Professoren so erzählten. Revolutionen in der Wissensweitergabe sind wie Teenage Sex: Jede Generation meint, sie hätte das als erste erfunden... Nur ist es etwas ernüchternd, dass wir gesellschaftlich scheinbar noch immer nicht gelernt haben, mit diesen periodisch auftretenden Veränderungsprozessen besser umzugehen.

  • Hauke

    26.11.09 (18:55:15)

    Dazu kann ich bloß sagen, dass das einzige ist, was uns unsere Lehrer beibringen ist, dass Wikipedia "böse" ist und wir sie auf keinen Fall benutzen dürfen. Und dann druckt uns doch tatsächlich unser konservativster Lehrer den einen Tag einen Text aus der Wikipedia 1:1 aus und meint, dass er auf Grund seiner Erfahrung sagen kann, dass dieser Artikel ausnahmsweise mal stimmt. Schon klar ;)

  • Martin Weigert

    26.11.09 (19:03:39)

    Andreas, der Unterschied ist, dass die von dir gebrachten Beispiel stehts eine Nische oder ein bestimmtes Fachgebiet betreffend. Und da hat es das sicher schon immer gegeben. Ich sehe auch Studenten hier lediglich als eine kleine Gruppe im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Die Digitalisierung, wie wir sie jetzt erleben, betrifft hingegen ausnahmslos ALLE, und im Prinzip jeden Lebensbereich. Niemand kann sich ihr entziehen. Sie geht zudem über die im Artikel ja auch angesprochene Fachkompetenz hinaus. Das Web führt zu völlig neuen Umgangs- und Verhaltensformen, die der analogen Generation fremd sind. Das ist etwas ganz anderes, als wenn dein Prof vor 20 Jahren Probleme mit nem Browser hatte oder Studenten mit Hilfe des Buchdruckes überprüfen könnten, ob das mündlich Erfasste so auch schriftlich belegt ist. Wenn in den 80ern jemand mit nem brandneuen Walkman oder in den 90ern mit dem von Philipp angesprochenen Videorekorder ankam, dann war das immerhin noch einigermaßen leicht zu verstehen. Aber gleichzeitig nicht unbedingt notwendiges Wissen. Heute sind nicht nur die Zusammenhänge komplexer und für Außenstehende schwieriger nachzuvollziehen, sondern deren Kenntnis für immer mehr Menschen notwendig, um ihre Berufe zu erledigen und ihre Karrierepfade zu verfolgen. Dass es das in dieser Form so schon einmal gegeben hat, daran zweifle ich stark.

  • Dani Schenker

    26.11.09 (19:08:50)

    @Andreas Also bis auf die Sache mit dem Buchdruck sind doch deine Beispiele eher als fachspezifisch einzuordnen welche Martin im Text ja ausklammert. Aber das Internet ist ja heute nicht mehr fachspezifisch. Es sind nicht mehr nur Informatiker und Computer-Freaks die es benutzen, sondern jeder. Und die Jungen wissen wohl bald nicht mehr, dass es mal eine Zeit ohne Internet gab...

  • Daniel Niklaus

    26.11.09 (19:56:55)

    Ich stelle mich an die Seite von Andreas. So kaufte ich mir als Teenager ein SJW Heftchen zum Thema Aids. Im Lehrerzimmer entstand eine riesige Diskussion OB ich dieses Heftchen überhaupt bestellen durfte. Kurz darauf wurde ich zur ersten Anlaufstelle im Schulhaus, während manch ein Lehrer Aids als Strafe Gottes betrachtete (Teufen, CH ca. 1987). Es gibt immer wieder neue Technologien/Trends, die "nur" Junge verstehen. Schlicht, weil sie für Ältere irrelevant sind. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass einer vom Regionalleiter einer Bank wegen Xing zum Direktor aufsteigt? Kommt noch etwas dazu, dass Problem besteht nur für eine kurze Zeit. Die Chance ist gross, dass die Eltern von Neugeborenen IT-Affinität mitbringen. Ob wir der Schule diesen Job auch noch aufbürden müssen...Lehrer sind doch schon jetzt überfordert.

  • Martin Weigert

    26.11.09 (20:02:39)

    @ Dani Stimmt @ Daniel Schlicht, weil sie für Ältere irrelevant sind. Genau das ist meiner Meinung nach der Unterschied zu Beispielen wie deinem: Ich glaube nicht, dass die Entwicklung für "Ältere" (wobei ich damit nicht erst 80-jährige meine) irrelevant ist. Anyway, wir sprechen hier ohnehin sehr viel mehr über Entscheider und Meinungsführer der alten Garde. Hier sehe ich einen enormen Verlust von Einfluss und Macht zugunsten der Jungen. Sehr bald werden wir einen blutjungen Politiker sehen, der mit Hilfe eines Feuerwerks an neuartigen Kommunikations- und Beziehungsinstrumenten sehr schnell sehr weit kommen wird. Und Schirrmacher & Co werden dann hoffentlich nicht immer noch kopfschüttelnd den alten Zeiten hinterhertrauern.

  • Oliver Springer

    26.11.09 (20:33:03)

    Das Neue an der beschriebenen Situation ist, dass die Veränderungen sich immer schneller vollziehen. Deshalb war es kein großes Problem, wenn die Mehrheit der Menschen irgendwann bei dem bleibt, was ihr gefällt und was sich für sie bewährt hatte. Eine spannende Frage wäre allerdings, ob es nicht wider die menschliche Natur ist, alle paar Jahre umzulernen. Es geht ja nicht nur darum, dass mit jeder neuen Generation von Menschen eine neue Stufe der Entwicklung erreicht wird. Wie schnell wird die Generation derer, die heute um die 20 Jahre alt sind, überfordert und abgehängt sein? Möchten die Menschen in einer Welt leben, in der sie sich ständig verändern und anpassen müssen? Sicher, der Einzelne kann den Lauf der Veränderung nicht aufhalten, doch Gesellschaften sind dem nicht nur ausgeliefert. Medienkompetenz: Doch, da sehe ich die Schulen in der Pflicht. Abgesehen davon, dass nicht alle Jugendlichen Technik-Genies sind - bei Medienkompetenz geht es ja nicht vorrangig um die Beherrschung von Software etc., das ist ja nur Aspekt. @Philipp: Oh ja, die Sache mit dem Videorekorder, das ist mir aus meiner Schulzeit noch gut in Erinnerung. Selbst die Referendare, die ja noch in der Ausbildung und somit nicht schon kurz vor der Pensionierung waren, scheiterten regelmäßig daran, ein Video abzuspielen. Und das Bild vom OH-Projektor scharf stellen, konnten auch die wenigsten.

  • Casi

    26.11.09 (22:03:21)

    Starker Artikel, Martin - schön auf den Punkt gebracht. Sehe es genauso wie Du, was den Einwand von Andreas angeht: Es ist ein Unterschied, ob es in irgendeinem Bereich eine einschneidende Veränderung gibt, oder ob das komplette Leben wie wir es kennen in den Grundfesten erschüttert wird. Es geht hier nicht um Geeks, die irgendeine Computerspielerei durchführen, sondern um jeden einzelnen Bereich unseres Lebens. Arbeit, Politik, Kultur, Bildung - nehmt, was Ihr wollt.

  • Daniel Niklaus

    26.11.09 (22:20:14)

    @Martin Sag mir mal, warum muss eine 49 Jährige Friseurladenbesitzerin wissen, was Twitter ist. Warum sollte ein 24. Jähriger Altenpfleger (starker Wachstumsmarkt!) zwingend ein Facebookprofil haben. Wie hilft eine Xing-Mitgliedschaft Philipp Lahm bei Bayern München weiter. Warum sollte ein 55-Jähriger Psychologe eine Website haben. Verstehe mich bitte richtig. Computer, Internet, Web 2.0, 3.0 und 4.0 bieten enorme Möglichkeiten, können das Leben erleichtern und sorgen für eine Menge Spass. Aber so unglaublich wichtig ist unsere Industrie am Ende der Nahrungskette auch wieder nicht.

  • GeStaPo

    26.11.09 (23:52:27)

    Das dieses Problem erkannt wurde, ist ja wohl schon einmal der erste Schritt in die richtige Richtung. Seit die Technik so schnelle Schritte macht ist das Problem allerdings schon da, nur war es am Anfang noch viel einfacher die "Nichtkenntnis" zu verstehen. Jetzt aber muß man einfach wissen was man macht, sonst funzt es nicht.

  • Martin Weigert

    27.11.09 (09:26:57)

    Daniel, der Übergang von analog zu digital geht an niemandem spurlos vorbei. Selbst wenn Philipp Lahm vermutlich keine Xing-Mitgliedschaft braucht. Ich würde mich hier nicht zu sehr auf einzelne Beispiele versteifen - entweder du stimmst zu, dass der aktuelle Wandel tiefgehender ist als frühere Veränderungen (schau dir einfach die große Zahl an Wirtschaftszweigen an, die gerade gehörig durchgeschüttelt wird - im Prinzip alle Branchen) oder du tust dies nicht - weiter kommen wir an dieser Stelle ohne hin nicht).

  • Daniel Niklaus

    27.11.09 (10:56:47)

    Ich sehe das etwas differenzierter. Das Internet ist für mich ein Teil des Digitalisierung-Trends. Damit bleibt den Leuten relativ viel Zeit, sich daran zu gewöhnen. Keine Frage, Branchen werden im grossen umgekrempelt und das hat direkte Auswirkungen, aber nicht immer werden diese wahrgenommen oder die Leute müssen dafür sogar Kompetenzen entwickeln. Zum Beispiel ermöglichten erst Buchhaltungscomputer, dass Grossfirmen heute so gross sind. Vorher hatten Firmen eine "natürliche" Begrenzung, weil die Verwaltung am Anschlag war. Auch gibt es eine riesige Anzahl von Arbeitsplätzen, die schlicht keine Computerkenntnisse voraussetzen. Du kannst der weltbeste Gärtner sein und musst nicht einmal lesen können. Vielleicht liegt es daran, dass ich auf der "Entwickler-Seite" bin. Ich sehe es als eine Aufgabe unserer Industrie an, dass die Leute sich nicht uns anpassen müssen, sondern wir die Produkte so gestalten, dass die Leute gar nicht merken, dass sie "Technologie" einsetzen. Beispiel ist das iPhone. Dereinst wissen die Leute nicht, dass sie IP-Telefonie benutzen und über ein App auf einen Internet-Dienst zugreifen. Internetnutzung unsichtbar, weil es unsere Aufgabe ist, Technikhürden abzubauen.

  • Don Alphonso

    27.11.09 (11:12:17)

    Ja, hätte man in der Schule mal besser aufgepasst: Diese Behauptung, die Jungen würden nun zum ersten Mal die Alten lehren, die ist nicht ganz so neu. Man lese nur mal die Manifeste der RAF, da steht das auch drin, und es war gängiger Topos bei Videorekordern, Automobilen, Fahrrädern und Zügen. Und bei der Debatte um die Lyrik von Heine. Aber keine Dummheit kann so gross sein, dass sie nicht immer wieder jemanden findet, der sie nachplappert. Erste Mal in der Menschheitsgeschichte, Du lieber Himmel.

  • Michael Erp Software

    27.11.09 (11:27:25)

    wirklich sehr schön auf den Punkt gebracht! Oft fehlt in der Schule neben der mangelnden Fachkompetenz von Lehrern auch leider das passende Arbeitsmaterial... in dem Fall der PC. Daran haben auch die Konjuntur-Pakete nichts geändert!

  • Jaqueline G.

    27.11.09 (12:02:48)

    Ich finde es unsäglich wie hier wieder einmal alle Schulen und Kollegen über einen Kamm geschoren werden. "Diese extrem wichtigen Sätze muss man womöglich mehrmals lesen, um ihre Bedeutung zu erkennen: Erstmalig in der Geschichte der Menschheit erleben wir eine Situation, in der Eltern, Lehrkräfte, Entscheider und gesellschaftliche Vorbilder in ihrer Rolle als Vermittler von Wissen und Orientierung versagen." Alleine dieser Satz ist eine Unverschämtheit! Ja, es gibt sie, die Dinosaurier, die nicht mit den Neuen Medien umgehen können, so wie manche meiner Lehrer damals den Videorekoreder nicht bedienen könnten. Das aber so pauschal darzustellen ist unseriös und schlecht rescherchiert. Mittlerweile gibt es viele - nicht nur junge - KOllegen, die regelmäßig mit den Neuen Medien arbeiten und den Schülern eine hohe Kompetenz vermitteln. Dieses Lehrerbashing stammt oft von Leuten, die lange keine Schule mehr von inne gesehen haben und/oder immer noch an nicht verarbeiteten Frustlerbenissen in ihrer Schulzeit zu leiden scheinen. So kommen wir in der Diskussion sicher nicht weiter. Hier musskontrovers aber sachlich diskutiert werden. Ach und noch etwas: Medienkompetenz ist sicher ein Muss inder heutigen Zeit, sie ist aber nicht das alleinige, all-selig machende Heilmittel. "

  • Martin Weigert

    27.11.09 (12:06:54)

    @ Daniel Ich sehe es als eine Aufgabe unserer Industrie an, dass die Leute sich nicht uns anpassen müssen, sondern wir die Produkte so gestalten, dass die Leute gar nicht merken, dass sie “Technologie” einsetzen. Interessanter Gedankengang. Ja, das spielt da sicher in deine Denkweise mit rein. Ich finde, man sollte nicht nur auf die Technologie schauen. Diese ist ja im Prinzip nur das Werkzeug für die Dinge, die wir heute mit ihr anstellen können. Und im Gegensatz zu den bereits angesprochenen Videorekordern o.ä. sind die Auswirkungen auf das Verhalten, auf Kommunikation, auf das soziale Leben enorm. Hier sehe ich das im Artikel beschriebene Problem eigentlich stärker als bei der reinen Anwendung neuer Technologien. Während man einem Internetausdrucker sicher beibringen kann, wie man YouTube oder Facebook bedient, so dürfte es sehr viel schwerer sein, ihm zu vermitteln, was damit so alles angestellt werden kann und was das für ihn und z.B. seinen Beruf bedeutet. @ Don Alphonso Wenn andere ein Automobil/Fahr/Zugticket hatten, ich aber nicht, dann bedeutete dies für mich maximal, dass ich weniger mobil war und nicht ganz so weit in den Urlaub oder zur Arbeit fahren konnte. Wenn andere einen Videorekorder hatten, ich aber nicht, dann bedeutete das lediglich, dass ich mein Lieblingsprogramme nicht nachträglich anschauen konnte. All das ist ein Pippifax gegen das, was die Digitalisierung für die Menscheit bedeutet. Immerhin hast du erst dadurch die Möglichkeit bekommen, deine Nörgeleien in der Blogbar ungefiltert, ohne Prüfung vom Chefredakteur in Blogform zu publizieren. Allein das dürfte schon größere Konsequenzen für die Menschheit gehabt haben als die Entwicklung des Automobils oder Fahrrads ;) @ Michael Erp Ja, man stelle sich vor einmal, jeder Schüler in Deutschland bekäme ein Leih-Notebook als Arbeitsmaterial.

  • Clemens Weins

    27.11.09 (12:13:45)

    Ja, das ist schon richtig, Lehrer haben selten Medienkompetenz - doch, Schüler auch! Was bringt es bitte, wenn der Schüler in der Lage ist ein social Network zu erklären, wenn er selber gerade mal weiß, wie er Bilder hochlädt und die Facebook-Wall zukritzelt. Was bringt es, wenn ein Schüler dem Lehrer besser sagen kann, wie man den Browser benutzt und warum Gmail besser ist als web.de. Richtig - garnichts! Er weiß nämlich nur wie man "Auto fährt", hat aber kein Führerschein. Resultat: Chaos auf den Straßen. Fakt ist: In den Schulen prallt Unwissenheit auf Unwissenheit und das das Schlimme ist man redet auch noch darüber. Die Herausforderungen, denen Schüler und Lehrer ausgesetzt sind ist mit den vielen Kanälen umgehen zu können. Der souveräne Umgang mit der Informationsflut im Internet bezeichne ich als Kanal- und Kommunikationskompetenz und hat erst einmal weniger mit Medienkompetenz zu tun. Dass es da Powerpoint und ein PC gibt, ist schön aber keine Unterrichtsstunde wert, genauso wenig die Geschichte des Internets aufzubröseln, das gehört in das Fach "Geschichte". Ich weiß nicht, ob in der Menschheit generationenübergreifend soviel aneinander vorbei geredet wurde aus purer Unwissenheit wie heut zu Tage. Jeder, der einen Account im Internet hat und Facebook nutzt glaubt es verstanden zu haben und kompetent genug zu sein die "Älteren" darüber belehren zu können. Ich persönlich studiere Informationswissenschaft und schreibe nun meine Magisterarbeit in der die Phänomene des Social Web eine Schlüsselrolle einnehmen. Ja, und selbst ich, der denkt, er hätte sich bereits ausführlich da rein gelesen, stellt fest, dass da noch viel Wissen fehlt. Alleine, dass ich Facebook, Twitter, Googlewave und sonst was kenne und benutze, bedeutet doch noch nicht, dass ich es kompetent nutzen kann. Ich finde die Ausführung hier etwas zu polemisch!

  • Martin Weigert

    27.11.09 (12:17:34)

    @ Jaqueline Zum Ersten meine ich Lehrer auch stets im übertragenen Sinne – sprich alle, die Wissen und Erfahrungen weitergeben – zum Zweiten schreibe ich explizit “Nicht alle, aber viele”, zum Dritten brauchst du dich nicht angesprochen fühlen, wenn das auf dich nicht zutrifft, und zum Vierten verfehlt ein Appell nun einmal seine Wirkung, formuliert man ihn zu diplomatisch und differenziert. @ Clemens Der Artikel sagt doch auch gar nichts anderes. Genau weil junge Leute teilweise selbst Probleme damit haben, ist es so bedenklich, dass sie es von den Älteren nicht beigebracht bekommen können.

  • Jaqueline G.

    27.11.09 (12:22:59)

    @Clemens, "Fakt ist: In den Schulen prallt Unwissenheit auf Unwissenheit und das das Schlimme ist man redet auch noch darüber.(...)Dass es da Powerpoint und ein PC gibt, ist schön aber keine Unterrichtsstunde wert, genauso wenig die Geschichte des Internets aufzubröseln, das gehört in das Fach “Geschichte”. Woher nimmst Du dieses "Faktenwissen"? Ich stimme zu, dass es weniger um ein Anwendungswissen alleine gehen sollte. Woher aber stammt das oben zitierte "Faktenwissen"? Abermals kann ich darauf hinweisen, dass es sich hier um eine PAuschalisierung hanndelt, die keiner statistischen Überprüfung standhalten würde. Was unsere Schüler neben der Anwednungskompetenz brauchen, ist die Kompetenz auf der Metagebene zu entscheiden, welche Quellen/Seiten etc. seriös sind, welche Möglichkeiten und Chancen, aber auch welche Grenzen das Netz bietet. Hier sinnvoll zu wählen und nicht einfac nur zu konsumieren, ist entscheidend.

  • Martin Weigert

    27.11.09 (12:30:31)

    Jaqueline, das geht mir noch nicht einmal weit genug. Menschen (ich entferne mich jetzt mal von dem Schüler vs Lehrer-Aspekt) müssen lernen, wie die Dynamik des Netzes funktioniert. Wie sich Menschen online organisieren (lassen). Wie sich Meldungen quasi automatisch weiterverbreiten, ohne das jemand diese stoppen kann. Welche Auswirkungen geäußerte Kritik für sie haben kann (Privatleben, Beruf, usw). Wie man selbst mit öffentlich im Netz geäußerter Kritik umgehen sollte. Wie man im Netz zusammenarbeiten kann. Wie man am besten und in kürzester Zeit mit einer Nachricht eine große Menge an Menschen erreicht usw. usw. Je nach Lebenssituation spielen unterschiedliche Fragestellungen eine Rolle. Das ist meiner Ansicht nach die eigentliche Medienkompetenz, oder Internet- oder Informationskompetenz - wie auch immer man es nennen will. Das geht erheblich über das natürlich wichtige Grundwerkzeug "Wie beurteile ich die Seriosität einer Website" oder "Wie komme ich schnellstmöglich zu gesuchten Informationen" hinaus.

  • Das Wort

    27.11.09 (12:46:12)

    Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage das in Zukunft der Lehrer erst gar nicht mehr notwendig sein wird, da die neuen Generationen sich selbst das beibringt was sie selbst wollen. Dann wird es nur noch 2-3 Jahre Schule wie in der heutigen Form geben, die ausreichend sind das man Lesen, Schreiben und Rechnen (Basiswissen) lernt, alles weitere entscheiden dann die Kinder selbst, inwieweit sie sich Weiterbilden und in welche Richtung wollen.

  • Michael

    27.11.09 (13:51:20)

    Ein sehr spannendes Thema. Inhaltlich stimme ich der momentanen Situation mehrheitlich zu. Dadurch, dass nur ganz wenige Menschen so Technik und Technologie begeistert sind wie viele von uns Web-oholics, haben wir eine kleine "Lücke", da die heutigen Eltern zwischen 40 und 50 nicht so locker an das neue Medium herangeführt wurden, wie ihre eigenen Kinder. Ich sehe das aber ziemlich entspannt und stimme Daniel Niklaus zu, dass dieser Prozess seine Zeit hat. Ich muss noch eine Lanze für die CH-Schulen brechen. Gemessen an den Unmengen an Themen und Stoff, gepaart mit den zugesprochenen Ressourcen, machen die meisten Lehrer eine tolle Arbeit. Wesentlich verbessern könnte man die Situation nur mit kleineren Klassen oder zumindest mehr Fachpersonal für bestimmte Themengebiete.

  • domingos

    27.11.09 (14:34:39)

    Ich muss hier mal in die Suppe spucken. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich meine Medienkompetenz vor dem Internet-Zeitalter erworben habe. Die Schüler mögen mit Technik umgehen können, das heißt aber nicht, dass sie die Qualität von Informationen beurteilen können. Sie mögen Twittern können, aber das heißt nicht, dass sie verstehen, wie Kommunikation funktioniert. Sie mögen vielleicht Blog-Beiträge schreiben können, dass heißt aber nicht, dass sie überhaupt über Wissen verfügen, welches sie in diesen Beiträgen verwenden können. Ich halte die letzteren Kompetenzen für wichtiger als die ersteren. Für viele Kiddies - um die geht hier ja - ist das Web eine Quatschbude, eine virtuelle Verlängerung des Schulhofs. Das kann man gut finden oder nicht, das ist aber keine Fähigkeit, die einen in irgendeiner Form weiter bringt.

  • Anne Grabs

    27.11.09 (15:12:30)

    Das Absprechen der Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer in dieser Debatte ist einerseits nachvollziehbar, andererseits sind Schülerinnen und Schüler, Stundentinnen und Stundenten noch lange nicht aufgeklärt was den kritischen Umgang mit diesen Tools und Netzwerken betrifft (Daten etc.). Das Internet ist schön, aber auch nicht das Allheilmittel. Natürlich können wir in Frage stellen, ob wir dann überhaupt noch Lehrpersonal brauchen, wenn denn sowieso alle Informationen im Netz verfügbar sind und die Jugend anscheinend auch sofort weiß, wie sie damit umgehen soll. Aber so trivial ist die Sache mit der Wissensvermittlung doch nicht. Ich bin ganz dafür, dass Medienkompetenz sowohl bei LehrerInnen als auch bei SchülerInnen geschult wird. Da haben wir tatsächlich einiges zu tun. Das dürfte heute allein damit anfangen, neben Word-Excel-Access auch Social Media und Social Learning Tools zu integrieren. Am besten als eigenes Unterrichtsfach und dann direkt in den Fächern praktizieren. Die Problematik der geringeren Medienkompetenz bei LehrerInnen gibt es ebenso in der Berufswelt.

  • Marcel Weiss

    27.11.09 (18:25:10)

    Interessant, wie sich manche an einzelnen Formulierungen festhalten. Ich halte die Aussage "Erstmalig in der Geschichte der Menschheit" für die vorliegende Situation durchaus treffend. Warum: 1. Die Umwälzungen sind tiefgreifend. So tiefgreifend, dass sie gesellschaftsverändernd sind. Eine solche Situation, die einen so radikalen Bruch herbeiführte, gab es noch nicht so oft in der Menschheitsgeschichte. Der Buchdruck zählt dazu. Die Industrialisierung ebenfalls. Dann wird es aber schon wieder rar. 2. Zwischen den eben genannten Brüchen und dem Internet bzw. der Digitalisierung (was der übergeordnete Umstand ist) gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die Zeitspanne, in der sich diese Veränderungen vollziehen. Vom Buchdruck zur Aufklärung sind mehr als ein paar Jährchen vergangen. Und die doch recht hohen Markteintrittsbarrieren aufgrund hoher Investitionen haben die Industrialisierung auch nicht zu dem Disruptionstsunami gemacht, der die Digitalisierung ist. Letztere hat durch das Internet und seine Vernetzung neue Dimensionen in der Geschwindigkeitssteigerung in jede Rechtung erhalten. Wir halten fest: tiefgreifend und (für diese Verhältnisse) schnell ablaufend. Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass diejenigen im Vorteil sind, die eine intrinsische Motivation haben, sich das Neue anzueignen. Ob das aus dem sozialen Umfeld kommt (wenn keiner der Freunde Zeitung liest und alle in Social Networks unterwegs sind, dann ist das beim gemeinen 15jährigen völlig natürlich auch so) oder einfach, weil man ohne Vorkenntnisse auswählt und dann bewusst oder unbewusst das auswählt, was 'besser' ist (Online ist schlicht in fast allen Bereichen effizienter als TV, Print, Telefon, Post). Denen, die schon etwas länger auf der Welt sind, fällt das meist natürlich schwerer. Zum einen, weil sie manche Dinge erst verlernen müssen, um sich auf das Neue einzulassen (Feedreader statt Tageszeitung?) oder weil sie, ganz profan, in ihrer Geschäftsgrundlage von den Veränderungen bedroht werden, und dann natürlich erst recht nicht sehen wollen, dass das alles vielleicht gut begründend geschieht und nicht der Untergang diverser Kulturkreise bedeutet. Da bleibt dann nur die extrinsische Motivation. Die bleibt hinter der Motivation der anderen natürlich idR zurück. Das führt zur beschriebenen Diskrepanz, die gesellschaftsübergreifend durch alle Bevölkerungsschichten geht. Damit ist der gemeine 18jährige heute auch nicht automatisch jedem Lehrer, Dozenten, Professor und generell Menschen über, sagen wir, 40 überlegen. Ganz und gar nicht. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die meisten Jugendlichen heute besser mit der neuen Technik zurechtkommen als die meisten Entscheider der Gesellschaft. Eine vergleichende Studie, bei der den Teilnehmern Fragen gestellt werden wie z.B. was ein Browser ist, dürfte offenlegen, dass mehr 'Fachwissen' an einer beliebigen Schule vorhanden ist als im Bundestag. Das ist doch das eigentlich Tragische und Beunruhigende.

  • ruedigerkuhnke

    27.11.09 (21:51:19)

    Ein Problem ist die mangelnde Bereitschaft der Eltern und Lehrer, sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Denn: wer nicht gerade technisch völlig unbegabt ist oder einer irrationalen Abneigung gegen alles, was mit Computern zu tun hat, unterliegt, ist mit durchschnittlicher Intelligenz durchaus dazu in der Lage, sich das Notwendige anzueignen. Das gilt auch für Sport-, Musik- und Deutschlehrer. (Das ist nicht diskriminierend gemeint!). Ich bin 59 und behaupte zwar nicht, das "Web 2.0" zu beherrschen, aber ich kann mich darin einigermaßen bewegen. Und Spaß macht es auch. Früher war es eine Domäne der Leute ab 50, sich mit moderner Technik nicht auszukennen. Leider findet man heute allzu viele 30jährige, die da nicht up to date sind. Wo das wohl hinführt? Um kurz auf den Anfang meines Kommentars zurückzukommen: Woran liegt das eigentlich, diese mangelnde Bereitschaft? Das ist ein grundsätzliches Phanömen, das nicht nur in diesem Bereich auftritt: wenn die Leute mit der Ausbildung, der Schule, dem Studium und nicht zuletzt mit Promotion oder Habilitation fertig sind, hören sie auf zu lernen. Das ist der "Knackpunkt". Die in den letzen zwei Jahrzehnte immer wieder gehörten Appelle zu lebenslangen Lernen verhallen im Mittelmaß.

  • PiratenHorst

    28.11.09 (02:01:40)

    Du hast das Buch von Schirrmacher nicht gelesen, oder?

  • Martin Weigert

    28.11.09 (11:02:09)

    @ ruedigerkuhnke Es ist immer wieder schön zu sehen, dass es auch in älteren Generationen aktive, neugierige und begeisterte Web-Anwender gibt. Einen besseren Beweis dafür, dass es letztlich keine Altersfrage sondern eher eine Einstellungsfrage ist, gibt es nicht. @ PiratenHorst Nein. Um das Buch geht's hier aber auch gar nicht.

  • Andreas Mai

    28.11.09 (11:54:16)

    Viel wichtiger ist es denke ich, dass mehr junge Menschen sich mit der Technologie beschäftigen, die all diese Funktionen und Features im Web ermöglichen. In der Schule müssen mehr junge Leute motiviert werden sich auf Entwicklerebene mit dem Web auseinander zu setzen. Und das die jungen Menschen, den älteren was Neuerungen angeht voraus ist, war schon immer so. Schon Sokrates meinte: Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. 399 vor Christus

  • stephan tanneberger

    30.11.09 (10:06:26)

    Ein wenig erinnert mich die Debatte an den Aphorismus von S.J. Lec: "Jetzt bist du mit dem Kopf durch die Wand; was willst du im Nebenzimmer?" Startend mit der Pauschalisierung eines epochalen Bruches in der Menschheitsgeschichte steckt in der hier laufenden Debatte recht viel Ideologie. Um das zu verdeutlichen und aufzubrechen, möchte ich folgende Überlegung beisteuern. Zur Zeit gibt es zum Ideenreichtum digitaler Anwendungen eine parallele Versteifung non-digitalisierter Umwelten und eine wachsende Grauzone, in der die Digitale und Analoge Welt sich gegenseitig ihre Wunden lecken und die jeweiligen Defizite des Anderen kompensieren (als Beispiel: BarCamps). Was wäre, wenn in 20, 30 Jahren die analoge Welt "gewinnt" und die Digitalisierung wieder bewusst zurückgefahren wird: Haben dann die "Alten" doch noch recht behalten? Ist das ein "Rückschritt" oder nur eine Korrektur? Wie blöd komme ich mir dann als düpierter Early Adopter vor? Ideologie heißt, sich mit Glaubenssätzen einzudecken, die es erleichtern, einzelne Entwicklungen zu absolutieren und zu immunisieren und sich so im Gefühl des "ich liege völlig richtig" einzunisten. Mein zweiter Einwurf: Die Debatte erinnert mich auch in vielfacher Hinsicht an pubertäre Kämpfe gegen die "mächtigen Alten" - was ich nicht polemisch meine, sondern als Hinweis darauf, dass jede Generation an den Punkt gelangt, wo sie die Beschränktheit der zuvor mit uneingeschränkten Möglichkeiten gesegneten "Eltern" erkennt und sich (radikal) davon zu lösen sucht. In diese Richtung zielt auch meine Kritik an dem Satz von Martin Weigert: "Genau weil junge Leute teilweise selbst Probleme damit haben, ist es so bedenklich, dass sie es von den Älteren nicht beigebracht bekommen können." Gilt das nicht genauso für das früher tabuisierte Thema Sexualität/AIDS? Menschheitsentwicklung-Trends sind schon ein arg schwieriges Geschäft.

  • Alf

    30.11.09 (10:53:34)

    Schöner Beitrag, trifft die Sache sehr gut auf den Punkt. Sicherlich gab es in der Vergangenheit ähnliche Situationen aber diesmal wird durch das Internet warscheinlich eine komplett Änderung vollzogen werden. Die Jungen Menschen werden, wenn sie älter sind wieder die richtigen Lehrer sein. Aber die momentanen Lehrer sind nicht mehr länger in der Lage die jüngeren etwas bei zubringen. Das hat viele Gründe aber vorallem liegt es daran das man bei alten Abläufen versucht zu bleiben, die aber nun wirklich überfällig sind.

  • Jürgen

    30.11.09 (11:39:44)

    Wer Gesetze macht, sollte sich mit allen Hintergründen auskennen, die das Gesetzt berührt. Das ist unabdingbar. Aber was heißt bitte "Medienkompetenz"? Das dürften die wenigsten haben. Ich habe das große Glück gehabt, vor 37 Jahren einen Deutschlehrer gehabt zu haben, der uns Schülern etwas über ideologiekritsche Betrachtung von Texten und Semantik allgemein beigebracht hat. Erst damit kann man beurteilen, welche Qualität das Gesprochene oder Geschrieben haben könnte. Wenn man einmal damit infiziert ist, hat man eine andere Weltsicht bekommen, in der Weise, zu begreifen, wer hier wen auf welche Weise manipuliert.Das hat noch nichts mit Computern zu tun. Das fehlt bei vielen Menschen, es ist keine Thema, die Machthabenden werden wissen, warum das nicht gelehrt wird. Das wichtigste ist, zu begreifen, was heute technisch und kommunikationstechnisch möglich ist, und nicht, wie man ein Gerät bedient. Ich habe auch erst mit 50 Jahren meinen ersten Rechner gehabt, aber schon 1991 habe ich Vorträge darüber gehalten, auf welche Weise das Internet die Welt verändern würde, vor allem in Hinblick auf das Ausbreiten politisch relevanter Informationen, korrekten Nachrichten etc., diesem ganzen Graswurzelkram. So hatte ich auch meine erste eigene Website schon vor 10 Jahren, mit dem Ziel, Informationen einem unendlich großen Personenkreis zur Verfügung zu stellen, es ging konkret darum, einen Flughafenausbau zu verhindern (was wir als BI auch geschafft haben). Wenn ein Privatmensch meint, ohne Computer und Internet auszukommen, ist es seine eigene Angelegenheit. Wenn das aber Pauker, Bundesabgeordnete, Richter oder Eltern meinen, sind sie am falschen Platz und berufsunfähig. (Ja, auch Eltern sein ist ein Beruf.)Das macht auch deutlich, daß sie grundsätzlich rückständig sind, auch wenn sie geschwollen daherreden können. Das zeigt, daß sie nicht geerdet sind, daß sie nicht mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Es ist ja deren Beruf, sich mit Kommunikationstechnik in dem Sinne auszukennen, daß sie Situationen korrekt beurteilen können. Wer das nicht tut, verhält sich wie ein Ingenieur vor etwa 30 jahren, der sich dem Rechner verweigerte und meinte, weiterhin mit Tabellen arbeiten zu können. Es ist eine moderne Form des Analphabetentums. Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie man grundsätzlich die Realtiät in der Welt erkennt.

  • Martin Weigert

    30.11.09 (12:52:47)

    @ stephan Also im Bezug auf AIDS z.B. haben meine Lehrer damals sehr gute Arbeit darin geleistet, mir Angst einzujagen (imo der richtige Weg). Ohne dass sie selbst Erfahrungen mit HIV gemacht haben. All soetwas war eben dennoch einfach zu erklären. Die Veränderungen durch das Netz sind es nicht mehr. @ Jürgen Das wichtigste ist, zu begreifen, was heute technisch und kommunikationstechnisch möglich ist, und nicht, wie man ein Gerät bedient Das trifft's exakt! Vielen ist das aber nicht bewusst. Die denken, die Bedienungsprobleme des Computer wären ihre größe Herausforderung. Dab

  • Patrick Stähler

    30.11.09 (17:36:44)

    Das Internet ist eine klassische Querschnittstechnologie, die alle Bereiche des Lebens durchdringt, nicht nur das Privatleben, sondern auch wie wir arbeiten und geschäften. Solche neuen Querschnittstechnologien gibt es sehr selten. Dampfmaschine (Ausgangspunkt der Industrialisierung), Elektrifizierung und (Buch-)Druck sind wohl drei Technologien, die ähnliche Veränderungen hervorgerufen haben. Und auch dort wurden bisher bewährte Ordnungen über den Haufen geworfen. Auch hier kam es dazu, dass die Jungen den Ältern etwas voraus hatten und bisher gültiges Wissen über den Haufen gerührt wurde. Und wir können von den alten Wechseln lernen: Das es z.B. Zeit braucht, um die neuen Anwendungsbereiche von Querschnittstechnologie zu entdecken. Anfänglich verwenden wir die neuen Technologien, um Bestehendes effizienter zu machen, später lernen wir, dass es auch andere Methoden gibt, die effektiver sind. So brauchte es über 40 Jahre zwischen der Verbreitung von Strom bis zur Erfindung der industrielle Fliesbandproduktion, die ohne Strom nicht möglich wäre. Und jede Querschnittstechnologie verändert auch die Machtstrukturen. Alte Mächte gehen, neue kommen. Der Adel ging, die Zünfte gingen, die Industriellen kamen und wer geht diesmal, wer kommt diesmal.

  • Martin Weigert

    30.11.09 (17:53:00)

    Die Kategorisierung als Querschnittstechnologie stimmt sicherlich. Aber: Auch hier kam es dazu, dass die Jungen den Ältern etwas voraus hatten und bisher gültiges Wissen über den Haufen gerührt wurde. Bei Dampfmaschinen, Elektrifizierung und Buchdruck? Inwieweit? Weißt du genau, dass es auf breiter Front 15- bis 30-Jährige waren, die mit Hilfe dessen ihrer Elterngeneration gezeigt haben, was plötzlich möglich ist? Ich sehe hier nur sehr wenig Parallelen, abgesehen von der Tatsache, dass die genannten Erfindungen natürlich auch die Welt geändert haben und letztlich die Digitalisierung erst möglich machten.

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