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20.11.07Leser-Kommentare

FAZ.net-Relaunch Zwiespältige Zweispaltigkeit

Das Internet-Heim der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde renoviert, herausgekommen ist eine biedere Mischung aus sueddeutsche.de und Spiegel Online. Art Director Matthias Ballmann über den "überraschend unentschlossenen" Relaunch von FAZ.net.

Ballmann / FAZ.net

Matthias Ballmann ist freier Art Director für Print- und Onlineprodukte

 

Gefällt Dir etwas besonders gut am neuen FAZ.net?

Die FAZ.net Artikel-Services(oben rechts) mag ich gerne, weil sie neun weiterführende Links zum Artikel gut zusammenfassen und die Seite optisch entlasten. Allerdings verstehe ich nicht, warum diese dann am Ende des Artikels nochmal auftauchen. Das ist mir etwas zu redundant.

Hättest Du etwas ganz anders gemacht?

Generell empfinde ich die umlaufenden Werbebanner als zu dominant. Die Gestaltung des Contents, der Seitenaufbau, kann da kaum gegenhalten. In der Hauptnavigation sind keine Akzente gesetzt, das zu kleine Logo steht umringt von diversen Leisten, die optisch alle ähnlich gewichtet sind. Der zweispaltige Aufbau ist bei Spiegel Online einfach besser gelöst - bei FAZ.net läuft durch die weißen Hintergründe alles ineinander. Als echtes Drama empfinde ich die Hauptnavigation: Die obere und untere Ressortleiste geben eine Ordnung vor, die ich immer noch nicht verstehe. Ist das gewichtend gemeint? Man weiß es nicht. Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich den Relaunch überraschend unentschlossen wahrnehme.

Warum müssen Online-Nachrichtenseiten eigentlich alle gleich aussehen?

Aus Angst, etwas anders als der Marktführer zu machen und einen bereits eingeschlagenen Weg zu verlassen, orientieren sich viele gerne an der Poleposition. In jeder Branche gibt es Marktführer, die ihre Sache - zumindest wirtschaftlich - gut zu machen scheinen. Bis dann Me-too-Produkte entstehen ist nur eine Frage der Zeit. Dabei gibt es eine Regel: Je größer der Verlag, desto geringer die Innovationsfreude. Das hat, zwar nicht nur aber vor allem, mit der Kritik aus den eigenen Reihen zu tun: Der Weg des Geringsten Widerstandes und des kleinsten gemeinsamen Nenners ist dann oft der Gangbarste. Viele Köche verderben eben den Brei.

Was für Nachrichten-Seiten gefallen Dir?

Ich bin mir sicher, dass es einen Weg gibt, eine Newsseite optisch anspruchsvoll und trotzdem praktisch zu machen. Die NZZ macht ihre Sache eigentlich gar nicht soviel anders als FAZ.net - aber um Längen besser. Kein nervöses weiß in weiß und trotz der gleichen Zweispaltigkeit wirkt es viel gekonnter. Persönlich mag ich auch sehr gerne recht schnelle Nachrichtenseiten wie Yahoo! Nachrichten oder Google News. Denen würde ich zwar keinen Designpreis verleihen, aber als Newssites sind sie in ihrer Struktur sehr schnell und einfach, irgendwie auf den Punkt und damit ehrlich. Das ist ja das Wesentlichste, was eine Nachrichtenseite bieten kann.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jean-Claude

    20.11.07 (11:00:09)

    Schawinski macht ein Radio für Erwachsene! Ueber 22jährige können atmen auf. Endlich hat's einer geschnallt. Und dann noch so ein Grufti, der glaubt, es nötig zu haben, sich die Haare schwarz zu färben. Sonst lassen wir aber alles andere an Schwainski gelten, weil er einfach zupackt. Heute 50- und 60jährige sind im Kopf - und manchmal sogar physisch - jünger als mancher 30jährige. Das haben nicht zuletzt die Nationalratswahlen gezeigt, wo mancher angeblich Junge so altbacken daherredet, als wäre er oder sie Dauerkunde von "Essen auf Rädern". Man muss nur mal einem Toni Brunner, einer Frau Hutter oder einem knapp 25jährigen Herrn Reimann etwas länger zuhören (zugegeben: es ist kein Vergnügen) als die paar Sätze, die sie im Fernsehen sagen. In den Medien werden diese "Jungen" erwartungsgemäss als Hoffnungsträger abgefeiert. Keiner der Journalisten scheint nachgeprüft zu haben, was die Damen und Herren so von sich geben, wenn kein Scheinwerfer und kein Mikro an ist. Man muss nur mal die Ratsprotokolle danach durchforsten. Aber das ist für Jungjournalisten zu viel Arbeit. Kurzum, mir geht dieser aufgedrehte Schülerzeitungshumor vieler dieser altbackenen Jugendradios gehörig auf den Keks. Der gleiche Trend hat sich in vielen andern Medien eingeschlichen, nicht allein in der Schülerzeitung für die Unterstufe namens "Heute". Jetzt warten wir ab, bis es endlich auch eine nationale Tages- und Wochenzeitung für Erwachsene gibt. Hallo Verleger, hallo Mediaplaner: Achtung!Es droht eine Marktlücke mit kaufkräftiger Kundschaft! Wenn Sie es richtig machen, heisst das Ergebnis nicht NZZ-Langeweile, sondern endlich wieder originelle, gut formulierte, treffsichere Stories, knackige Interviews, in Deutsch verfasste Kommentare und Kolumnen und Enthüllungsstories, die nicht nach wenigen Wochen mit Titelschlagzeilen wie "Entschuldigung, Herr Matter!" zurückgezogen werden müssen. Ein dank Schwawinski endlich wieder aufatmender 59jähriger Grufti.

  • Jürgen Siebert

    20.11.07 (13:07:07)

    [ ... Kommentar zum FAZ-Redesign bei fontblog.de: Es reicht nicht, keine eigene Online-Strategie zu haben, man muss auch unfähig sein, sie zu installieren. ...]

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