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28.07.09Leser-Kommentare

Favrd, Favotter, Favstar.fm und Favcharts.de: Des Twitters Favoriten

Rund um die Favoriten-Funktion bei Twitter entsteht eine neue Parallelwelt der geistreichen Einzeiler und Wortwitze. Wir stellen die Dienste vor, welche die Favoriten sichtbar machen.

Die ARD war mit der Serie &quot;Sternenfänger&quot; ihrer Zeit weit voraus.Eine anfangs eher nebensächliche und von vielen Twitter-Nutzern bisher kaum gebrauchte Funktion sind die Favoriten. Mit einem Klick auf den sich gelb färbenden Stern kann man Tweets anderer quasi als Lesezeichen für später speichern . Das bietet sich etwa an, wenn man mobil Twitter liest und interessante getwitterte Links für später daheim zwischenspeichern will. Seit einige Dienste die öffentlich einsehbaren Favoriten aggregieren und die Favoriten pro Tweet anzeigen, ist ein bemerkenswerte Dynamik entstanden. In den USA und zunehmend auch in Deutschland gibt es Twitter-Nutzer, die es sich zum Ziel gemacht haben, sich gegenseitig zu bespaßen und die 140-Zeichen-Grenze so gekonnt wie möglich auszureizen. Wir stellen die Dienste vor, mit denen man die amüsantesten Tweets finden kann.

Favotter

Am Anfang stand Favotter. Dieser Dienst war der erste mit der brillanten Idee, die Favoriten von Twitter zu aggregieren. Auf der Startseite findet unter anderem die meistfavorisierten Tweets. Zusätzlich hat jeder erfasste Twitter-Nutzer seine eigene Favotter-Seite, auf der man die neuesten von anderen den Favoriten hinzugefügte Tweets und die Tweets, die über den gesamten Zeitraum die meisten Favoriten einheimsen konnten, einsehen kann.

Auf Favotter basieren auch die, nomen est omen, Favotter-Charts von Michael Seemann. Dort findet man regelmäßig die deutschen Twitter-Nutzer mit den meisten Tweets, die von anderen für favoritenwürdig befunden wurden.

Die Favotter-Seite von Sascha Lobo (Klick für größere Ansicht)

Favotter ist bei der Aufzählung der Favoriten aufgrund der fehlenden Möglichkeit, über die Twitter-API die gesamten Favoriten twitterweit zu erfassen, mal langsamer, mal schneller. Des weiteren hat Favotter seit Bestehen immer wieder mit dem Ausfallen des Servers zu kämpfen.

Favrd

favrdWürde man mich fragen, was das Beste sei, das das Twitter-Ökosystem je hervorgebracht hat, dann würde ich heute sagen: Favrd. Der in Frankreich lebende Dean Cameron Allen nahm sich die Idee der Favoritenaggregation von Favotter vor und verfeinerte sie für favrd. Favrd zählt nicht jeden Favoriten, sondern nur von jenen, welche hier eingewilligt haben (zugegeben mit Eingabe der Twitter ID und des Passworts nicht gerade die feine Art). Es wird also nur ein bestimmter Teil der Twitter-Nutzer erfasst. Tweets und Favoriten von diesen landen aber dafür schnell bei Favrd.

Was Favrd auszeichnend, ist eine täglich so hohe Qualität bei den Favoriten, dass der Dienst leicht süchtig machen kann. Man findet auf dem ironisch benannten Leaderboard praktisch jeden Tag unzählige Kleinode, die noch die schlechteste Laune verfliegen lassen können.

Rund um favrd ist mittlerweile ein reger Mikrokosmos entstanden, den ich unten noch etwas beleuchten werde.

Die Favrd-Seite von Frank Lachmann aka @frank93 (Klick für große Ansicht)

Auch auf Favrd hat jeder Nutzer seine eigene Seite mit Tweets, die von anderen favorisiert wurden. Wenn ein Tweet von mindestens drei Leuten ihren Favoriten hinzugefügt wurde, bekommt der Glückliche ein Reply auf Twitter vom Favrd-Bot als Hinweis.

Favstar.fm

favstarfmVor einigen Tagen hat mit Favstar.fm ein neuer Dienst die Twitterbühne betreten, der mit Funktionen nicht geizt. Neben den Features, die man bereits von Favotter kennt, bietet Favstar.fm außerdem die Möglichkeit, sich über Twitter einzuloggen. Damit wird es möglich Tweets die man in einer der Ansichten auf Favstar.fm sieht, sofort den eigenen Favoriten hinzuzufügen. Man kann interessante Twitter-Nutzer direkt in Favstar.fm auf Twitter befreunden. Außerdem, und das ist besonders praktisch, kann man sich ansehen, welche Tweets diejenigen kürzlich favorisiert haben, denen man auf Twitter folgt oder von denen man gefolgt wird.

Favstar.fm greift theoretisch auf die gleiche Datenbasis zu wie Favotter, zählt aber bei manchen Tweets mehr, bei anderen weniger Favoriten an. Das zeigt, dass es bei den Twitter-Favoriten relativ ungenau zur Sache geht.

Die Favstar.fm-Seite von meinem Twitter-Account (Klick für große Ansicht)

Favcharts.de

Favcharts

Auf allen diesen Diensten kann man auch deutsche Twitter-Nutzer und ihre Favoriten finden, allerdings fehlt noch eine Möglichkeit, die meistgefavten deutschen Tweets auszumachen. Die in den nächsten Tagen startenden Favcharts wollen diese Lücke füllen. Dort wird man die deutschen Tweets mit den meisten Favoriten des Tages, der Woche und des Monats vorfinden.

Neben den Standardfunktionen, die man von Favotter, favrd und Favstar.fm kennt, will Favcharts.de auch spezielle Auswertungen anbieten: Charts etwa, in denen beispielsweise die Tweet- und Fav-Häufigkeit der User oder ihre Friends- und Follower-Counts betrachtet werden. Alles natürlich mit dem Schwerpunkt auf deutsche Twitter-Nutzer. Dafür will man die Sprache der Tweets für jeden Twitter-Nutzer erfassen. Interessant aus Eitelkeitsgründen erscheint mir auch die geplante Funktion, sich über neue Favoriten via Email benachrichtigen zu lassen.

Inwiefern der Dienst überzeugen wird, hängt allerdings von der Crawlqualität ab. Gespannt bin ich auf jeden Fall, könnte der Dienst doch die Nutzung von Twitter im Bestfall für einige Twitterer hierzulande so beeinflussen, wie es das favrd für einige in den USA getan hat. Favcharts findet man auf Twitter hier. Die Macher sind hier aufgelistet.

Weitere Favoriten-Dienste

favebytes erzeugt eine OPML-Datei der Favoriten-Feeds der eigenen Twitterfreunde. Nachdem man die Datei in den Feedreader seiner Wahl importiert hat, kann man auf einfache Weise die Favoriten der Twitter-Freunde verfolgen.

Mit Twitterbelle kann man herausfinden, wessen Tweets man am häufigsten den eigenen Favoriten hinzufügt.

Der favrd-Kosmos

Rund um favrd hat sich in der englischsprachigen Welt eine lose Gruppe gebildet, die durch nichts verbunden ist, als ihrem Humor. Rund um die besten Tweets entsteht aktuell ein Buch. Der vor allem aus der Produktivitätsszene bekannte Merlin Mann hat mit zwei Bekannten, die er über Twitter kennenlernte mit You look nice today einen der amüsantesten Podcasts gegründet (Ein anderer hörenswerter Podcast aus dem Favrd-Dunstkreis ist Arrive Having Eaten ).

Mit Birdhouse ist eine Twitter-Applikation für das iPhone erschienen, die auf die favrd-Crowd zugeschnitten scheint: Man kann Tweets als Entwurf abspeichern und verfeinern, bevor man sie veröffentlicht. Dieses amüsante Video, dass die Favrd-Nutzer für Birdhouse gemacht haben, soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Einer der Macher von Birdhouse ist Adam Lisagor, der ebenfalls bei "You look nice today" mitmacht.

Interessant aus soziologischer Sicht ist hier die Gruppenbildung, die in erster Instanz auf lediglich impliziten Gesten besteht (den Favoriten) aber über die Zeit eine starke Eigendynamik entwickelt hat.

Einige folgenswürdige Twitterer sind der Canadier Jason Sweeney aka @sween, Joshua Green Allen aka @fireland, Tim Sidell aka @badbanana und viele weitere.

In den oben bereits erwähnten Favottercharts findet man viele deutsche followwürdige Twitter-Nutzer, wenn man an geistreichen Einzeilern und Wortwitzen interessiert ist. Ich folge mittlerweile 90 Prozent der Twitterer, die man in den Favotter-Charts findet.

Man kann netzwertig.com auf Twitter abonnieren. Auch wir Autoren sind auf Twitter: Andreas Göldi, Markus Spath, Martin Weigert und ich.

Kommentare

  • Roger

    06.12.09 (15:11:05)

    Dean hat Favrd heute abgeschaltet. Ein trauriger Tag für das Twitversum.

  • Robert

    13.04.10 (10:54:01)

    Allerdings. Favrd bietete die mit Abstand besten Favoriten bzw. Bookmarks. Man fand immer wieder schnell ein weiteres Sahnehäupchen

  • @chippyonline

    14.11.13 (13:37:46)

    Schade, dass anno 2013 fast alle diese Projekte verschwunden sind. Es bleibt favstar, das 30 Euro im Jahr kostet, um es sinnvoll zu nutzen. Dein Artikel ist inzwischen ein Nachruf geworden... allerdings ein sehr lesenswerter!

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