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28.10.11Leser-Kommentare

Favo.rs: Hilf du mir so helf ich dir

Der US-Dienst Favo.rs entwickelt eine Plattform, über der Anwender im vorrangig beruflichen Kontext Gefälligkeiten austauschen können. Die Nutzerprofile zeigen dabei an, wer besonders hilfsbereit ist und damit seine Chancen erhöht, selbst Unterstützung zu erhalten.

 

Als das US-Blog AllThingsD im Juni über das im Entstehen befindliche kalifornische Startup Favo.rs berichtete, das eine Plattform zum gegenseitigen Erfragen und Erfüllen von Gefälligkeiten entwickelt, wurde ich sofort hellhörig und trug meine E-Mail-Adresse in die Warteliste für den anstehenden Start der geschlossenen Beta-Phase ein.

Die Idee eines Dienstes, der es Nutzern ermöglicht, andere Anwender sowie das eigene Kontaktnetzwerk um große oder kleine Gefallen zu bitten, und der dabei auf ein reputations- und aktivitätsbasiertes soziales Netzwerk aufbaut, reizte mich. Gestern lag eine Einladung zur Beta in meinem Postfach, woraufhin ich umgehend einen Blick auf den jungen Service aus San Francisco warf.

Vorneweg: Ich habe einige Zeit gebraucht, um das Grundprinzip und die einzelnen Funktionen zu überblicken. Noch immer bin ich mir nicht über alle Details im Klaren, weshalb an dieser Stelle nur eine oberflächliche Erläuterung folgt. Favo.rs ist damit keine Site, deren Abläufe man innerhalb weniger Sekunden verinnerlicht - ob sich dies als Nachteil erweist, wird am Ende vom wahrgenommenen Nutzen abhängen. Dieser erscheint potenziell gar nicht so klein.

Bei Favo.rs können Nutzer andere Anwender in Form eines kurzen Texteintrages darum bitten, ihnen im vorrangig beruflichen oder geschäftlichen Kontext einen Gefallen zu tun. Zur Wahl stehen dafür fünf Kategorien: "General" (Allgemein), "Promotion", "Feedback", "Advice" (Ratschläge) und "Introduction" (Kontaktvorstellung). Publizierte Anfragen können von anderen Favo.rs-Mitgliedern innerhalb der Plattform weiterverbreitet ("vouch") oder erfüllt ("grant") werden. Favo.rs "überwacht" dabei, wer sich als besonders fleißiger Hilfeleister oder Inanspruchnehmer von Unterstützung profiliert, und belohnt dies in Form von auf dem jeweiligen Personenprofil einsehbaren Indikatoren über ihre Aktivität, Punkten und Abzeichen.

Der Sinn und Zweck von Favo.rs ist es, durch das Erfüllen von Gefälligkeiten die Chancen zu erhöhen, sich im Bedarfsfall auf die Hilfestellung möglichst vieler anderer Nutzer verlassen zu können.

Ich habe bei Favo.rs zum Beispiel meine (bisher nicht existenten) Follower sowie die ganze Favo.rs-Gemeinde darum gebeten, die Petition zum Erhalt der Social-Features des Google Reader zu unterzeichnen . Je nach gewählter Kategorie für den Gefallen müssen Unterstützer eine andere Aktion durchführen, um offiziell als Supporter aufgeführt zu werden (z.B.  in der Katgorie "Promotion" Klicks auf eine eindeutige, von Flavo.rs trackbare URL generieren) und die Gesamtzahl ihrer durchgeführten "Hilfseinsätze" um einen Punkt zu erhöhen.

Durch das Streben nach einem positiven Verhältnis aus erfragten und erfüllten Gefallen, dem damit verbundenen Status des "Participant", "Advocate" oder "Benefactor" sowie dem Aufbau eines Follower-Netzwerkes innerhalb von Favo.rs soll es Anwendern möglich werden, im Falle des Falles möglichst viele Fürsprecher für das eigene Anliegen gewinnen zu können. Denn wer hilft nicht gerne jemandem, der sich offenkundig regelmäßig für andere aufopfert.

Favo.rs wirkt auf den ersten Blick sehr komplex - komplexer, als es eigentlich sein müsste. Auch hakt es noch an der ein oder anderen Stelle (Beta-Phase!). Schnell wird zudem klar, dass die Plattform im Falle eines Erfolges von Spammern überrannt werden könnte, die irgendwelche Links bewerben möchten. Hat man sich erst einmal ein eigenes Netzwerk bei Favo.rs aufgebaut (oder die eigenen Freunde eingeladen), reicht es mitunter aber auch aus, sich lediglich die Anfragen der gefolgten Personen sowie die von ihnen weiterverbreiteten anderer User anzeigen zu lassen.

Für ein Urteil über die Zukunftsperspektive von Favo.rs ist es noch zu früh. Eine spannende Idee, eine Beta-Plattform sowie eine Million Dollar Risikokapital auf dem Konto allein sind kein Erfolgsgarant. Entscheidend wird sein, wie das Flavo.rs-Gründertrio Adam Rodnitzky, Scott Robert und George Aspland die Plattform weiterentwickelt und ob es ihnen gelingt, die internationale Tech-Community auf breiter Front auf den Dienst aufmerksam zu machen (ähnlich wie damals im Falle Quora).

Das Konzept jedoch hat Potenzial und erfüllt einen klaren Nutzen: sich gegenseitig zu helfen. Als Ausgangslage ist das doch gar nicht so schlecht.

Wer sich Favo.rs einmal anschauen möchte, erhält über diesen Link direkten Zugang zur geschlossenen Beta-Phase und muss nicht erst auf eine Einladung warten.

Link: Favo.rs

Kommentare

  • Andreas

    28.10.11 (08:38:31)

    Und schon wieder ein neuer Dienst mit neuen Folgern und Verfolgten. Follow Overload? ;)

  • Ingo

    28.10.11 (11:07:16)

    Ja, es mag zwar wieder ein neuer Dienst mit Folgern und Verfolgten sein, diese spiegeln eben das Netzwerk wider, aber hier gibt es im Gegensatz zu anderen Netzwerken einen klaren Nutzen, der dem idealen Nutzen von Netzwerken in der echten Welt entspricht. Ich halte die Idee für sehr gut und könnte mir vorstellen, dass sie für Onlineaufträge und auch offline anwendbar wird. Vielleicht sogar mit einer Integration in Foursquare bei der man dann an bestimmten Orten, wo man hilft "einchecken" kann und sich badges verdienen kann. Irgendwie spielerisch eben, denn helfen kann man nicht genug ... lg ingo

  • Max

    28.10.11 (13:08:45)

    Ein ganz ähnlicher Dienst ist vor kurzem in Österreich gestartet. Die Plattform gerngeschehen.at hat sich auch auf das Helfen anderer Mitmenschen spezialisiert. Der Dienst befindet sich derzeit in der Beta-Phase.

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