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06.03.14

Familonet: Foursquare für die Familie

Wenn Eltern ihre Kinder aus übertriebener Sorge mit Anrufen oder SMS nerven, dann ist das kein idealer Zustand. Das aus Hamburg stammende Startup Familonet glaubt, einen besseren Ansatz gefunden zu haben, um einen virtuellen Kontakt zwischen Familienangehörigen zu ermöglichen.

FamilonetDer Markt der sozialen Netzwerke ist heute weitgehend unter den internationalen Webgiganten aufgeteilt. Nur in der Nische sowie für ganz spezielle Nutzungsszenarien erscheint es noch lohnenswert, neue Startups in diesem Segment anzusiedeln (was natürlich nicht heißt, dass es nie wieder einen Newcomer geben wird, der die Etablierten unter Druck setzt - siehe WhatsApp). Das aus Hamburg stammende Startup Familonet hat genau diesen Weg gewählt und ein mobiles Netzwerk für Familienmitglieder entwickelt.

Die Gründer Hauke Windmüller, Michael Asshauer und David Nellessen verzichten bei ihrem seit September für iPhone und Android angebotenen Service aber darauf, sämtliche der von Facebook und Konsorten bekannten Funktionen anzubieten und für die Kommunikation im kleinen persönlichen Kreis zu optimieren. Stattdessen fokussiert sich Familonet auf einen ganz klaren Einsatzzweck: Die App soll es Angehörigen (und nur denen) einfach machen, einander den aktuellen Standort mitzuteilen. Familonet

Familonet möchte dabei vor allem erreichen, dass Familienangehörige wie Kinder oder Personen mit besonderen Pflegebedürfnissen schnell und ohne viel Interaktion Hilfebedarf signalisieren können. Eltern haben die Möglichkeit, ihre Familie in der App zu registrieren und andere zu ihr gehörende Personen hinzufügen. Anschließend können sich die Familienmitglieder per "Ich bin hier"-Button gegenseitig über ihre aktuellen Aufenthaltsorte informieren. Das Grundprinzip erinnert damit an Foursquare und dessen Check-In-Funktion. Wie bei dem New Yorker Locationservice erfolgt kein permanentes "Live"-Tracking der Nutzer. Dadurch schützt sich das norddeutsche Startup vor dem Vorwurf, gläserne Kinder zu schaffen, die von Helikopter-Eltern nicht aus den virtuellen Augen gelassen werden.

Eltern, die mittels Familonet mit ihren Söhnen, Töchtern oder nicht mehr ganz rüstigen Großeltern Kontakt halten möchte, müssen diese also dazu bringen, mit der App gelegentlich "einzuchecken". Neben der "Ich bin hier"-Funktion findet sich in Familonet auch ein "Hilfe rufen"-Button. Dieser löst einen Push-Alarm bei den anderen App-Nutzern aus, zeigt die genaue Position auf einer Karte und bietet für den den Hilferuf betätigenden Nutzer die Möglichkeit, direkt mit einer Tastenbetätigung einen Notruf abzusetzen. User der App können für jede Person einzeln festlegen, ob per Push eine Benachrichtigung über einen Standortwechsel erfolgen soll.

Familonet bietet vergleichsweise wenig Funktionalität. Genau das ist aber die Stärke der Anwendung, soll sie doch auch von Menschen eingesetzt werden, die nur rudimentäre Kenntnisse im Umgang mit digitaler Technologie besitzen. Für Personen, die gar nicht mit einem Mobiltelefon umgehen können, wollen die Elbstädter in Kürze ein GPS-Gerät anbieten. Mit derartigen kostenpflichtigen Zusatzdiensten soll das kostenfreie und werbefreie Startup monetarisiert werden.

35.000 Nutzer verwenden den auf Deutsch und Englisch angebotenen Dienst bislang. Das Jungunternehmen gelangte mit seinem massentauglichen Thema bereits in die Berichterstattung einer Reihe von Mainstreammedien. Gerade gewann Familonet den MobileTech Award 2014 in der Kategorie in „Information & Service". Finanziert wird das Startup durch einen japanischen Privatinvestor, die Stadt Hamburg sowie Seed-Kapital von Venista Ventures, WestTech Ventures sowie HR Ventures. Insgesamt hat das Unternehmen eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich eingesammelt.

Familonet löst ein eindeutiges Problem, hat dafür eine dem Anschein nach taugliche Lösung gefunden und ist auf den zwei wichtigsten mobilen Plattformen präsent - gute Voraussetzungen für eine gelungene Startup-Geschichte. Ob der Dienst allerdings auch international weit kommen kann, ist eine andere Frage: Mit Life360 existiert ein bereits ziemlich mächtiger Konkurrent, der nach eigenen Angaben 55 Millionen registrierte Nutzer aufweist. /mw

Link: Familonet

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