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11.02.14Kommentieren

"Fake Likes": Klickfarmen bringen Facebooks Anzeigensystem aus dem Gleichgewicht

Dass es bei Facebook Klickbetrug und gefälschte Likes gibt, ist bekannt. Der Videoblogger Derek Muller beschreibt nun aber, wie vor allem legitime Seitenbetreiber, die Facebooks Anzeigenplattform nutzen, unter dieser Problematik leiden.

Über Facebook ziehen gerade dunkle Wolken auf. Grund ist dieser neunminütige Clip des renommierten YouTube-Videobloggers Derek Muller. Darin beschreibt er überzeugend und anhand von Erfahrungen mit eigenen Pages, dass Facebooks einige Monate nach dem Börsengang verkündete Maßnahmen gegen gekaufte "Likes" keinen nachhaltigen Effekt erzielen konnten.

Bezahlte Klickarbeiter verschenken "Likes"

Muller erläutert, wie die "Mitarbeiter" von zumeist in Entwicklungsländern ansässigen "Klickfarmen" exzessiv Facebook-Seiten favorisieren - und zwar ungeachtet dessen, ob deren Betreiber diese Services gekauft haben.

Facebook untersagt die Nutzung von Diensten, die tausendfach gefälschte Likes garantieren. Stattdessen möchte das Social Network Page-Betreiber dazu bringen, ihre Präsenzen per Facebook-Anzeige zu bewerben und auf diesem Weg Likes von "echten" Nutzern einzusammeln.

Muller hat in seinen Tests jedoch festgestellt, dass viele dieser Likes ebenfalls von Klickfarmen stammen, also nicht auf tatsächliche, ihrer vorgegebenen Identität entsprechende User zurückzuführen sind. Stattdessen sind "Clickworker" in Ländern wie den Philippinen, Bangladesh, Sri Lanka oder Ägypten damit beschäftigt, den ganzen Tag über eine Vielzahl von "gefälschten" Facebook-Konten unaufhörlich Pages von sich bei Facebook präsentierenden Unternehmen und Marken zu favorisieren. Primär geht es dabei natürlich um die Erhöhung der Likes von den Kunden dieser windigen Dienstleister. Doch damit diese gegen die Geschäftsbedingungen des sozialen Netzwerks verstoßenden Praktiken nicht sofort durch Kontrollsysteme entlarvt werden, liken die Klickarbeiter von ihren tausenden Accounts zwischendurch auch andere Pages. Dabei landen sie vor allem bei solchen, die im Newsfeed in Form von Anzeigen auftauchen.

Fake-Konten schaden Facebook-Seiten

Das Hauptproblem daran ist laut Muller nicht die künstlich erhöhte Anzahl an Likes, sondern die geringe bis nicht existente Interaktion der hinter den Fake-Likes stehenden Konten. Daraus schlussfolgert der "Edge Rank"-Algorithmus des sozialen Netzwerks, dass auf einer Page veröffentlichte Inhalte für ihre Fans nicht sonderlich interessant sind, und erspart sich eine weitere Auslieferung des Contents in den Newsfeeds. Seitenbetreiber, die per Facebook Ads ihre Pages bewerben, beobachten deshalb mitunter einen Rückgang des Fan-Engagements, woraufhin sie regelrecht dazu gezwungen werden, abermals Geld zu investieren, um einzelne Posts zu promoten.

Bislang hat Facebook nicht öffentlich auf Mullers Beobachtungen reagiert, obwohl sein Video in einer ersten, jüngst nochmals überarbeiteten Version schon seit einigen Wochen im Netz die Runde macht. Der ganz große Aufschrei der Page-Betreiber blieb bislang zwar aus. Doch mittlerweile steht die Story beim einflussreichen Social-News-Portal Hacker News und taucht vermehrt in meinem Twitter-Stream auf. Bedenkt man, wie gerne sich führende Onlinemedien auf Facebook-Geschichten stürzen - erst recht, wenn das Unternehmen dabei schlecht wegkommt - so werden sich in den nächsten Tagen vermutlich viele Augen auf den Fall richten.

Mullers Enthüllungen sind für den kalifornischen Konzern sehr ungünstig. Erst vor wenigen Tagen konnte Facebook beeindruckende Geschäftszahlen vorweisen. Doch nun stellt sich abermals die Frage, inwieweit das beachtliche Umsatzwachstum die Folge von direkt oder indirekt mit gekauften Likes in Verbindung gebrachten Werbeausgaben darstellt. Schon in der Vergangenheit hat Facebook gezeigt, dass es ungern bereit ist, Umsätze einzubüßen, und deshalb lieber auf allzu strenge Qualitätskontrollen verzichtet. Nun besteht die Gefahr, dass Seitenbetreiber ihre Budgets zurückfahren, sollten ihnen die Anomalien ins Auge stechen, die Muller beschreibt. 

Facebook riskiert Krise

Dass es Klickbetrug gibt, verwundert wohl niemanden. Mullers Entdeckungen werfen aber die Frage auf, wie groß die Ausmaße sind, und sie deuten darauf hin, dass besonders die betroffen sind, die Pages völlig legitim über Facebooks Anzeigensystem bewerben. Facebook wird sich früher oder später zu dem Sachverhalt äußern müssen, will es keine massive Vertrauenskrise riskieren

Wir haben gleich einmal die User hinter den Likes unserer Facebook-Seite unter die Lupe genommen, konnten jedoch keine offensichtlichen Unregelmäßigkeiten feststellen. Allerdings haben wir die Page mit Ausnahme von ein oder zwei Tests auch nie über Anzeigen bekannt gemacht. /mw

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