<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

14.09.11Leser-Kommentare

Facebooks neuer "Abonnieren"-Button: Ein kleiner Knopf mit großer Wirkung

Facebook erlaubt es Nutzern schon länger, öffentliche Status Updates von Nicht-Kontakten zu abonnieren. Eine neue Schaltfläche rückt diese Funktion jetzt ins Zentrum und unterstreicht Facebooks Bestreben, der Konkurrenz das Wasser abzugraben.

 

Im Gegensatz zu den verbesserten Kontrollmöglichkeiten rund um das Teilen von Inhalten sowie den dieser Tage nach und nach alle Nutzer erreichenden "smarten Freundeslisten" beinhaltet eine weitere, am Mittwochabend von Facebook verkündete und scharf geschaltete Neuerung eigentlich nur das Hinzufügen eines zusätzlichen, scheinbar harmlosen Buttons zu Nutzerprofilen.

Und tatsächlich macht der neue zentrale "Abonnieren"-Knopf zwischen dem Button für Freundesanfragen und dem zum Versenden einer Nachricht eigentlich nichts, was nicht zuvor auch schon möglich war: nämlich alle öffentlichen Status-Updates eines Mitglieds zu abonnieren, das nicht zu den bestätigen Facebook-Freunden gehört. Doch bisher erreichte man dies allein durch eine nicht erwiderte Freundschaftsanfrage, was die Bekanntheit des Features im Promillebereich angesiedelt haben dürfte.

Eine bereits bestehende Funktion rückt ins Rampenlicht

Der Abonnieren-Knopf (auf Englisch "Subscribe") ist damit die Formalisierung einer bestehenden Funktionalität, die nun von dem sozialen Netzwerk ins Rampenlicht befördert wird.

Mit dem Anzeigen des fakultativen Abo-Buttons (der hier per Opt-In für das eigene Profil aktiviert werden kann) können Facebook-Anwender nun auch von ihnen nicht als Freunde akzeptierten Personen die Gelegenheit geben, ihre Inhalte im Newsfeed zu sehen - vorausgesetzt, sie markieren zumindest gelegentlich Status-Updates als öffentlich einsehbar. Wer bei Facebook lediglich Freunden Zugriff auf die eigenen Inhalte einräumt, kann sich folglich auch die Aktivierung des Abo-Buttons auf dem eigenen Profil sparen.

Der Abo-Button fungiert auch als Filter-Werkzeug

Eine echte funktionelle Erweiterung bringt die Schaltfläche aber doch noch mit: Sie dient gleichzeitig als nutzerspezifischer Filter, wie viele Updates einer Person man im eigenen Newsfeed sehen möchte. Zur Wahl stehen "Alle Aktualisierungen", "Die meisten Aktualisierungen" sowie "Nur wichtige Aktualisierungen". Auch können einzelne Inhaltstypen abbestellt werden.

Dies soll sowohl für abonnierte User als auch für alle bestätigten Freunde funktionieren. Auf den Profilen sämtlicher Kontakte taucht der Knopf also für einen automatisch auf, egal ob diese das neue Feature eingeschaltet haben. Eine derartige Feinabstimmung der Frequenz dargestellter Aktualisierungen für einzelne User bot Facebook bisher nicht als Option an.

Facebook, Twitter und Google+ werden sich ähnlicher

Der Abonnieren-Button - mit dem Facebook schon länger zu experimentieren scheint - ist Facebooks Äquivalent zu Twitters Follow-Funktion sowie zum Abonnieren von Nutzer-Updates bei Google+. So lange man bei dem Google-Netzwerk nicht vom Gegenüber ebenfalls in einen der "Kreise" einsortiert wird, erhält man ebenfalls lediglich die als öffentlich markierten Status-Updates. Ähnlich wie die zwei Anbieter möchte Facebook Nutzern ebenfalls Vorschläge servieren, welche anderen Anwender sie abonnieren könnten. Informationen über gewählte Abos erscheinen außerdem im Newsfeed der Kontakte.

Jüngst beschrieb ich noch, wie Facebook Anwender durch erweiterte Kontrollmöglichkeiten zum Teilen von Inhalten mit spezifischen Gruppen nicht mehr länger dazu animiert, am besten einfach alles öffentlich zu publizieren. Der jüngste Schritt jedoch ist ein klarer Aufruf an die über 750 Millionen aktiven Nutzer, Inhalte wenigstens gelegentlich für jeden zugänglich zu machen - zumindest wenn man Funktionen wie das Abo-Werkzeug verwenden möchte.

Interessant vor allem für "Power User" - die auch bei Twitter und Google+ sind

Gleichzeitig scheint man in der neuen Firmenzentrale des Social Networks im kalifornischen Menlo Park aber nicht davon auszugehen, dass Facebook-Mitglieder nun in Scharen das Abo-Feature aktivieren. Selbiges sehe man vorerst als Ergänzung primär für "Power User".

In der Tat dürfte der Abonnieren-Button zu Beginn vor allem für diejenigen von Interesse sein, die ohnehin schon bei Twitter und anderen Plattformen ihren Social-Media-Anhang um sich versammeln und mehr zu berichten haben als für Fremde kaum interessante Erzählungen aus dem Privatleben. Insofern ist Facebooks Vorgehen durchaus als (weitere) Kampfansage gegen den Langzeit-Kontrahenten Twitter (der so noch deutlicher zu einer Konkurrenz wird) sowie den jungen Wettbewerber aus dem Hause Google zu sehen.

Facebook könnte mit der Abonnement-Funktion den zwei Kontrahenten tatsächlich in die Quere kommen und durch ihr Vorhandensein vor allem sicherstellen, dass weniger Facebook-Nutzer auf die Idee kommen, sich unnötig lange und intensiv mit den zwei anderen Services zu beschäftigen. Damit dies jedoch nicht nur eine theoretische Aussage bleibt, ist eine aktive Nutzung und Verbreitung der Abo-Funktion Voraussetzung.

Ich versuche seit jeher, Facebook als privates Kommunikationsmittel mit Freunden und "physischen" Bekannten zu verwenden, während Twitter und Google+ eher im professionellen Kontext zum Einsatz kommen. Bei dieser Aufteilung bleibe ich vorerst auch, weshalb sich Twitter zumindest in meinem Fall nicht um eine sukzessive Abwanderung meiner öffentlichen Status-Updates zur blau-weißen Konkurrenz sorgen muss.

Dennoch: Facebook unterstreicht deutlicher denn je, dass es die vollständige Aufmerksamkeit der Nutzer beansprucht und neben sich keinen Platz für alternative, soziale Netzwerke zur öffentlichen Informationsverbreitung sieht. Eine Strategie, die uns die Gewissheit verschafft, dass die nächsten Monate nicht langweilig werden.

Kommentare

  • Bätschman

    15.09.11 (08:50:06)

    Spannend wird es auf jeden Fall. Dieser Meinung bin ich auch. Allerdings sehe ich das im Moment noch kritisch oder zumindest mit Zurückhaltung. Im Moment bleibe ich noch bei der Trennung FB Profil = privat und Fanpage = öffentlich Google+ ist für mich auch eher geschäftlich orientiert. Aber vielleicht ändert sich meine Meinung auch die nächsten Wochen. Man wird sehen. http://krz.ch/AHzY

  • Tanja Handl

    15.09.11 (10:16:40)

    Wirklich interessant. Aber so wie ich das verstehe, kann ich bei Facebook dann nicht sehen, wer mich abonniert hat, oder? Da finde ich Google doch sympathischer.

  • Martin Weigert

    15.09.11 (10:18:28)

    Man kann sich auf jeden Fall über neue Abos benachrichtigen lassen. Ob es auch eine Liste der Follower gibt, weiß ich bisher nicht.

  • Jota

    15.09.11 (15:10:07)

    Eine echte funktionelle Erweiterung bringt die Schaltfläche aber doch noch mit: Sie dient gleichzeitig als nutzerspezifischer Filter, wie viele Updates einer Person man im eigenen Newsfeed sehen möchte. (...) Dies soll sowohl für abonnierte User als auch für alle bestätigten Freunde funktionieren. Auf den Profilen sämtlicher Kontakte taucht der Knopf also für einen automatisch auf, egal ob diese das neue Feature eingeschaltet haben. Also dies ist bei mir nicht der Fall. Bei dir Martin?

  • Martin Weigert

    15.09.11 (15:18:01)

    Nee bisher nicht. Kommt wohl noch.

  • Muhi

    15.09.11 (16:29:34)

    Twitter kann es nicht streitig machen. Dafür ist Facebook vielzu kompliziert.

  • paulinepauline

    16.09.11 (08:15:16)

    @tanja wenn du die Abo-Funktion für dein Profil freigeschaltet hast, kannst du auf deinem Profil links auf "Abonnenten" klicken, da siehst du, wer dich abonniert hat. Ich frage mich, wieso Facebook diesmal ein Opt-In macht.

  • Mario Burgard

    16.09.11 (08:16:32)

    Immer wieder spannend diesen Krimi um die Spitze zu verfolgen. Zwar fing Facebook als "Freundesplattform" an, aber das ist aus meiner Sicht fast schon überholt. Als Poweruser würde ich mich schon bezeichnen. Google+ soll da ja eher die Plattform werden. Denn von "sein" kann da ja noch nicht die Rede sein. Facebook hat eindeutig die Nase vorn. Und das nicht nur im Pflegen von persönlichen Kontakten. Das wird sich Facebook nicht nehmen lassen. Soviel ist auch hiermit wieder ziemlich sicher.

  • Tanja Handl

    16.09.11 (08:59:45)

    Danke für die Info, jetzt, wo das Feature draußen ist, hab ich's auch gesehen. :-)

  • minime

    24.10.11 (09:34:34)

    Auch hier hat facebook sich wieder einmal über die nutzer hinweggesetzt. Abgesehen von dem unsinnigen versprechen der "die meisten aktualisierungen" funktion, nur das anzuzeigen was man gerne sehen will, ist genau diese einstellung per default für alle freunde eingestellt. Wenn man also wie bisher alles von allen sehen will, und nicht nur das was facebook meint was wir sehen wollen (ein schelm wer hier an zensur denkt) dann muss man das für jeden einzelnen so einstellen. Also nix mit "erst aktiv wenn selbst freigeschaltet".

  • Dieter

    22.06.12 (05:41:05)

    Ich möchte auch den "abonnieren" Button auf meine Fussball Seite einbinden, aber irgendwie will das nicht so funktionieren bei mir.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer