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23.09.11

Facebooks neue Musik-Apps: Warum ich vorerst nicht mehr Justin Bieber höre

Nutzer können nun über externe Musikdienste angehörte Titel bei Facebook veröffentlichen. Allerdings fehlt zumindest im Falle von Spotify eine bequeme und zentral platzierte Möglichkeit, diese Funktion für einzelne Songs oder temporär zu deaktivieren.

 

Facebooks neue Open-Graph-Apps erlauben es Nutzern, verschiedenste Aktivitätsarten in ihrem Ticker (und später auch in ihrer Timeline) zu publizieren. Facebook-Chef Mark Zuckerberg erläuterte dies in seiner gestrigen Keynote am Beispiel des schwedischen Musikdienstes Spotify (leider in D-A-CH offiziell bisher nicht verfügbar).

Weil ich in Schweden wohne, muss ich mich glücklicherweise nicht mit Proxy-Servern und Kreditkarten von Freunden aus einem der acht Spotify-Länder herumärgern, um Zugriff auf den On-Demand-Service zu erhalten.

Also konnte ich die neue Facebook-Spotify-Integration schon einmal ausprobieren - und fühle mich in meinem Kritikpunkt bestätigt, den ich am Ende dieses Beitrages erwähnte: Wer ab und an Musik hört, über die er/sie Freunde am liebsten im Dunkeln lassen möchte, für den könnten die neuen Musik-Apps (alle Launch-Partner hier) zum Problem werden.Zumindest im Falle von Spotify funktioniert die Integration folgendermaßen: Nachdem Nutzer Spotifys Facebook-App installiert, den Schreib- und Leserechten zugestimmt und anschließend im Spotify-Client das Veröffentlichen angehörter Songs nochmals bestätigt haben, wird fortan jeder über die Spotify-Software gestreamte Titel im Ticker meiner Facebook-Kontakte angezeigt (sofern ich nicht einzelne Freundeslisten ausgesperrt habe).

Was fehlt, ist ein "Mute"-Button innerhalb von Spotify, der das Publizieren von Songs zu Facebook temporär deaktiviert. Last.fm - das Social Music Network, das diese Art des passiven Aufzeichnens angehörter Titel ("Scrobbling") erfunden hat - bietet für seinen Desktop-Client per schnell erledigtem Rechtsklick genau dieses Feature. Im Falle von Spotify ist stattdessen eine Deaktivierung des Features im Einstellungen-Menü erforderlich - die man viel zu leicht vergisst.

Wenn ein als Hardrocker bekannter Facebook-Nutzer nun versehentlich per automatischem Ticker-Eintrag sein Faible für die Kastelruther Spatzen oder den in der Überschrift erwähnten Justin Bieber entlarvt, dann dürfte dies über eine kurzzeitige Belustigung seiner Freunde hinaus für keinen dauerhaften Schaden sorgen.

Dennoch halte ich das Fehlen einer zentral platzierten Kontrollmöglichkeit darüber, wann Spotify-Aktivitäten bei Facebook veröffentlicht werden, für ein Versäumnis. Zumal gespielte Titel zum jetzigen Zeitpunkt nur im Ticker der Freunde erscheinen, nicht jedoch im eigenen. Manch Spotify-User wird also ganz vergessen, dass er/sie Facebook-Kontakte die ganze Zeit über das eigene Hörverhalten informiert.

Anwendungen, die Facebooks neue Open-Graph-Freiheiten nutzen, um Aktivitäten der User in das soziale Netzwerk zu senden, sind gut beraten, Nutzern eine temporäre Deaktivierung des Features so leicht wie möglich zu machen - in ihrem eigenen Interessen: Fehlt diese Option, werden manche User nämlich von der Verknüpfung mit dem sozialen Netzwerk lieber ganz absehen. Und das gilt letztlich nicht nur für Musik-Apps, sondern für alle Anwendungen.

Spotifys deutscher Konkurrent simfy hat uns auf Anfrage übrigens bestätigt, dass eine überarbeitete Facebook-App auf Open Graph-Basis in Planung ist.

Update 29.09: Spotify entschärft das Problem mit einem neuen Desktop-Client, der über den Menüpunkt "File" > "Private Listening" das schnelle Deaktivieren des Publizierens von gehörten Titeln zu Facebook ermöglicht. Es ist immer noch ein zusätzlicher Klick, zudem geht die Einstellung nach jedem Neustart der Software verloren. Aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Update: So sieht die Spotify-Box mit den zuletzt gehörten Titeln auf dem neuen Timeline-Profil aus. Dort lassen sich einzelne Songs auch im Nachhinein entfernen.

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