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06.05.08Leser-Kommentare

Facebooks größter Aktivposten: Deine Identität

facebook-logoWas, wenn Facebook doch das nächste Google ist? Was Google für die Suche war, kann Facebook für Personen sein.

Paul Buchheit, Friendfeed-Gründer und der Mann, der nicht nur GMail kreiert hat, sondern Google auch das 'Don't be evil'-Motto an die Backe geklebt hat, hat vor einigen Tagen einen interessanten Artikel über Facebook veröffentlicht :

Facebook is capturing everyone's identity and relationships. Of course there's some noise caused by random friending, but by examining the larger graph as well as other details such as location, affiliations, interactions, and of course explicitly entered relationship details ("how do you know Paul?"), they can get a pretty good idea of which people are actual friends and acquaintances.

und weiter:

Perhaps a people directory doesn't seem terribly valuable, but if you can't imagine how to make money from knowing everyone's identity and trust networks, then you aren't being very imaginative. Spam and fraud are two of the biggest problems on the internet, and they are very difficult to stop because it's so easy to create new identities, and we have no good way of differentiating between real identities and fake ones.

Buchheit ist hier spot on.

Wie auch immer Facebook oder jedes andere Social Network die Informationen über die Identität der Nutzer einsetzt, das soziale Layer, das Social Networks über das Netz, bzw. ihren Teil des Netzes legen, liegt nach wie vor brach. Diese Informationen warten darauf, im gesamten Netz zum Einsatz zu kommen.

Werbung neben den Profilen und Freemium-Modelle wie bei XING und LinkedIn sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was man mit dem, wie ich es jetzt mal nenne, sozialen Layer machen kann.

Über den Social Graph entsprechend algorithmisch verifiziert (Implikationen wie: 'nur wer Freunde hat, existiert' etc. lassen wir mal raus), ließe sich von Facebook aus das Web mit Identitätsnachweisen versorgen. A la 'Schau her, ich bin kein Fake, sondern eine echte Person' und 'Dafür stehe ich mit meinem Namen' (scnr).

Nur ein Beispiel, sicher gibt es dafür sehr viel mehr. Wie Buchheit anmerkt:

the uses of identity information are endless.

Das gilt für jedes Social Network. Für manches, wie etwa myspace, das eher unbrauchbare SocialGraph-Daten mitbringt, gilt das weniger als für andere.

Facebook und kein anderes Social Network als Pionier

Facebook könnte als bald größtes Social Network zum Epizentrum dieser neuen Identitätssysteme werden.

Warum? Facebook hat ein stabiles API (Programmierschnittstelle). Kein anderes Social Network hat aktuell so viel KnowHow in diesem Feld wie Facebook.

Und bei allen Problemen, die Facebook aktuell hat, ist das ein enormer Vorteil gegenüber den anderen Social Networks: Facebook hat bereits jetzt ein Jahr Vorsprung an Knowhow, was den Umgang mit und den Aufbau von einer Plattform angeht. Und damit einher geht auch die Arbeit mit einem API. Skalierbarkeit etc.

Googles OpenSocial im Vergleich dazu kommt einfach nicht in Gang. OpenSocial ist immernoch kaum mehr als eine aufgebohrte Widgetplattform. Die Umsetzung eines solchen Systems ist also nicht trivial (woraus sich wiederum der Vorsprung von Facebook ergibt).

Let's standardize

Yahoo könnte mit seiner Yahoo! Open Strategy und der Versozialisierung und Verknüpfung seiner einzelnen Dienste etwas Ähnliches schaffen.

Auch OpenSocial könnte irgendwann der Schlüssel sein. Oder zumindest ein weiterer.

Und jetzt kurz zurücklehnen und einmal über Standards nachdenken, die die Verknüpfungsmöglichkeiten solcher Identitätsverfizierer mit dem Rest des Netzes vereinfachen würden.

Yeah. Now we're talking.

Fazit

Nicht falsch verstehen: Es geht hier nicht darum, jeden im Netz überall zu identifizieren. Es geht darum, in ausgewählten Fällen, eine verifizierbare Identität ins Spiel bringen zu können. Wo immer, wie auch immer.

Buchheit brachte das Beispiel eBay. eBay und ähnliche Ecommerce-Konzepte würden mit einem verlässlichen Identitätssystem, wie es Social Networks in der Zukunft (abgestuft) werden stellen können, sicherer werden.

Wir sprechen hier außerdem von Dingen, die frühestens in ein bis zwei Jahren erste Früchte tragen werden. Aber wenn das erstmal ins Rollen kommt, wird es im Nachhinein so offensichtlich sein, wie es heute Googles PageRank ist.

Davon abgesehen ist meine Vorstellung eines Identifiziersystems nur ein Beispiel von sehr viel mehr Möglichkeiten, wie diese Personendaten eingesetzt werden könnten.

Deutsche Social Networks werden mit hoher Wahrscheinlichkeit keine oder nur eine kleine Rolle spielen. Weil keines von ihnen ernsthaft in das API-Spiel eingetreten ist oder auch nur begriffen hat, was die wirkliche (profitable) Zukunft von Social Networks ist: Infrastrukturanbieter für Alles, was auf der Grundlage des Social Graphs möglich ist.

Kommentare

  • Intimmidator

    07.05.08 (08:16:35)

    Endlich mal eine wertvolle Analyse inmitten des ganzen Facebook vs. StudiVZ Geplapper. Facebook ist da sicher gut positioniert, nicht zuletzt weil das Misstrauen gegenüber der Datenkrake Google doch langsam wächst. Ich wünsche mir mehr solche Beiträge!

  • Randy E.

    07.05.08 (12:00:22)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bullshit-Bingo von A bis Z.

  • hm

    07.05.08 (17:19:19)

    tut mir leid, aber das ist eine wertvolle analyse im gegensatz zu allem geplapper: http://hem-social-media.blogspot.com/2008/05/facebook-for-dummies.html

  • Marcel Weiss

    07.05.08 (17:31:39)

    Intimmidator: Danke! - Randy E.: Sehr konstruktiv. Was genau war denn in deinen Augen Bullshit-Bingo? Die Antwort 'Alles' zählt nicht. - "HM": Die meisten Dinge in diesem zugegeben nicht unlustigen Video sind mittlerweile bei Facebook nicht mehr möglich bzw. können reguliert werden. Stichwort granulare Privacy-Einstellungen. Und das geht dort wesentlich besser und ausgeklügelter als in jedem anderen mir bekannten SocialNetwork.

  • hm

    08.05.08 (02:23:34)

    Das sehe ich anders. Die meisten Dinge in diesem Video treffen genau den Punkt. "Granulare Privacy-Einstellungen"? Was soll das? Wer versteht das? Meine These: Facebook wird in 5 Jahren nicht mehr existieren, genauso wie GeoCities. Und warum? Weil Facebook nicht cool ist. Facebook hat keinen claim wie "don´t be evil" und wenn sie jetzt damit anfangen würden, würde es ihnen auch keiner mehr abnehmen. Zuckerberg ist jetzt schon die Antithese zu "glaubwürdig" und "credibil". Ich denke, dass aber genau Glaubwürdigkeit die Währung der Zukunft sein wird.

  • Boot chartern Hopp

    08.05.08 (19:11:23)

    Warum sollte man Facebook nicht gut finden. Da trifft man sich und tauscht aus. Ich finde das als noch eher "junger" Mensch, ganz gut. URL gelöscht. Kein SEO hier in den Kommentaren. Marcel Weiss

  • Marcel Weiss

    08.05.08 (22:24:21)

    hm: Den Begriff "granulare Privacy-Einstellungen" muss niemand verstehen. Das Prinzip dahinter, dass man genau einstellen, kann wer was zu sehen bekommt, versteht aber jeder. Dass Glaubwürdigkeit die Währung der Zukunft ist, glaube ich auch. So einfach würde ich Facebook aber nicht abschreiben. Wir werden sehen.

  • Jan

    27.05.08 (18:29:40)

    @HM Ach komm, das „don't be evil“ nimmt doch Google inzwischen eh keiner mehr ab. Schaden tut das Google aber kaum, und ich glaube auch nicht, dass dies wirklich ein entscheidender Faktor auf Googles Weg hin zum Marktführer war. Entscheidend ist, dass Facebook wie Google erkannt hat, welche grundlegenden Mechanismen dem „sozialisierten“ Netz innewohnen und wo das zukünftige Kapital für Plattformbetreiber im Internet liegt: Bei den semantisch, sozial und geographisch verknüpften (Meta-)Daten. Alles andere ist nur Mittel zum Zweck.

  • Bier-Tier

    02.06.08 (12:15:14)

    "Den Begriff “granulare Privacy-Einstellungen” muss niemand verstehen. Das Prinzip dahinter, dass man genau einstellen, kann wer was zu sehen bekommt, versteht aber jeder." - Find ich lustig formuliert! "Fachwörter müssen nicht definiert werden, solange jeder versteht was gemeint ist." Warum nennt man das Kind nicht beim Namen oder ist es ein etablierter Begriff?

  • Neila S.R.

    17.06.08 (01:50:58)

    Deutsche Social Networks werden mit hoher Wahrscheinlichkeit keine oder nur eine kleine Rolle spielen... Da bin ich mir weniger sicher - warum hat denn jetzt MySpace eine total abgetrennte deutsche Abteilung? (was ja hoffentlich bei Facebook nicht eines Tages auch passiert) und wo anders als in De ist Anonymität und wechselnde Identität so unmöglich wie hier? - die Networks machen ja wenig Sinn, wenn man nicht auch seine Homepage zeigt, und da stehen Haus- und Telefonnummer drauf... (Unter dem Aspekt des Jugendschutzes will ich das lieber nicht betrachten - tut ja offenbar auch sonst keiner, obwohl ich das schon wichtiger fände, als wer aufgrund welcher sozialen Daten besser Werbung machen kann.)

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