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20.06.12

Facebook verabschiedet sich von virtueller Währung: Was das Ende von Credits bedeutet

Überraschend verabschiedet sich Facebook von seiner virtuellen Währung "Credits". Eine Ausbreitung des sozialen Netzwerks als Zahlungsplattform ist damit jedoch nicht vom Tisch.

Es war eine die Fantasie anregende Idee: In einigen Jahren würden Konsumenten Produkte und Dienstleistungen im Netz sowie im stationären Handel erwerben können, indem sie mit einer virtuellen Facebook-Währung bezahlen, statt ihre Brieftasche oder Kreditkarte zu zücken. Mit Credits lancierte das soziale Netzwerk bereits im Jahr 2009 eine entsprechende Initiative, die seit dem vergangenen Sommer als einziges Zahlungsmittel für Facebook-Apps fungierte. Wer in einem Social Game auf der Facebook Plattform beispielsweise virtuelle Güter kaufen wollte, musste dazu vorab sein Facebook-Konto mit Credits aufladen, die anschließend nach und nach ausgegeben werden konnten. Bis auf wenige Ausnahme beschränkte sich der Einsatz von Credits auf Spiele wie Farmville & co. Doch überraschend verkündete das Unternehmen am Dienstag, den Zwang zum Erwerb von Credits für Facebook-Apps ab Juli und die virtuelle Währung zum Jahresende abzuschaffen (via).

Statt Credits erhalten Nutzer, die ihr Facebook-Konto mit Guthaben zum Einkaufen in Apps auffüllen, künftig eine Gutschrift in ihrer lokalen Währung. Als Begründung für die Abkehr von der bisherigen Strategie wird angeführt, dass viele Game-Apps weiterhin eigene virtuelle Währungen verwendet haben, wodurch User ihre Facebook Credits wiederum in spezifische Währungen einzelner Spiele-Apps umwandeln mussten. Dies verkomplizierte den Zahlungsprozess unnötig, weshalb man sich dazu entschloss, Credits einzustellen.

Alle existierenden Modalitäten und Konditionen rund um Käufe auf der Facebook Plattform bleiben bestehen. Das soziale Netzwerk zwackt sich also auch weiterhin 30 Prozent von allen Transaktionen ab. Verbliebene Credits werden in Guthaben in lokaler Währung umgewandelt.

Abschied von einer Facebook-Währung

Der Abschied von Credits ist die Beerdigung des Plans einer webweiten Facebook-Währung, die eines Tages als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel nationalen Währungen Konkurrenz machen könnte. Diese Erkenntnis suggeriert im ersten Augenblick, das soziale Netzwerke gäbe ohne Not einen Milliardenmarkt auf - immerhin würden sich die Provisionen aus allen Transaktionen auf einen beachtlichen Betrag summieren können, sofern damit nicht nur in Facebook-Spielen, sondern auch an vielen anderen Stellen im Web, bei klassischen Onlinehändlern und vielleicht sogar im Einkaufszentrum um die Ecke Güter erworben werden könnten.

Doch bei einer genaueren Betrachtung wird deutlich, dass das Ende von Credits nicht das K.O. für Transaktionen über Facebook bedeutet. Genau wie iTunes keine eigene virtuelle Währung besitzt, kann auch Facebook weiterhin als Mittler für Käufe fungieren, ohne dafür Credits zu benötigen. Wer einmal über das Social Network digitale Güter erworben und dafür seine Kreditkarten- beziehungsweise Kontodaten angegeben hat, kann künftig mit wenigen Klicks weitere Bestellungen tätigen, ohne jedes Mal aufs neue Zahlungsinformationen angeben zu müssen.

"Zahlen mit Facebook" könnte trotzdem kommen

Der Gedanke eines "Mit Facebook bezahlen"-Buttons in Drittanbieter-Onlineshops oder gar einer Zahlungsmöglichkeit im stationären Handel (unter Einsatz entsprechender Technologie wie NFC oder Barcodes) behält demnach über das Verschwinden von Credits hinaus eine Existenzberechtigung. Ob aus dieser Idee etwas wird, hängt davon ab, wie sehr Facebook seine Provision zu senken bereit ist. 30 Prozent sind angesichts von Gewinnmargen im Bereich von einem Prozent oder weniger im klassischen Einzelhandel nicht akzeptabel und funktionieren demnach lediglich bei digitalen Produkten, die in der "Herstellung" und Vervielfältigung günstiger sind. Außerdem müsste Facebook seinen Mitgliedern gute Gründe dafür liefern, warum es für sie abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor Zahlungen durchführen sollte. Eine Verknüpfung mit Rabatten, Werbemaßnahmen von Firmen und Group-Buying-Elementen könnten entsprechende Argumente für Verbraucher darstellen, "Pay with Facebook" zu nutzen. Erst recht, wenn Produkte bei beispielsweise Amazon einige Prozent günstiger werden, sofern Konsumenten diese per Facebook erwerben.

Gerade angesichts des durch den misslungenen Börsengang entstandenen Drucks, wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen, wäre Facebook unklug, seine bereits existierende Payments-Funktion nicht auf andere Güter abseits von virtuellen Gegenständen in Games auszuweiten. Und obwohl es im ersten Moment so wirkt: Die Abkehr von Credits ist kein Zeichen dafür, dass das soziale Netzwerk diese potenziell massive Erlösquelle fallen lässt.

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