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16.11.11

Facebook, Twitter und jetzt Google+: Drei sind einer zu viel

Mit dem Start von Google+ kämpfen nun drei führende, auf die Masse der Nutzer ausgerichtete und sich im Funktionsumfang überschneide Social-Web-Plattformen um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Googles Nachzügler wird dabei zunehmend zur Last.

 

Kurz nach dem Launch von Google+ lobte ich sie noch, die ausführlichen, sachlichen Diskussionen, die sich bei Googles neuem Social Network regelmäßig rund um von Nutzer verlinkte Texte und publizierte Thesen und Beobachtungen entwickeln.

An deren Existenz hat sich bis heute nichts geändert. Debattiert wird bei Google+ noch immer fleißig. Da ein Großteil der aktiven Anwender des Dienstes zu den "üblichen Verdächtigen" aus der Blog- und Social-Media-Welt gehört, gibt es auch keinen Mangel an Themen, über die man sich austauschen könnte.

Allerdings hat sich meine Einstellung dazu sukzessive gewandelt. Immer mehr entwickelt sich Google+ für mich zu einer Last; zu einer Plattform, die ich zwar von Berufs wegen und auch interessehalber nicht ignorieren kann, deren hypothetisches Verschwinden von einem Tag auf den anderen aber für mich eher ein Grund zur Freude denn zur Trauer wäre (im Gegensatz zum Google Reader).

Das Gefühl, in Google+ eine lästige Pflichtaufgabe vor sich zu haben, hat sich mit den Launch von Firmen- und Markenseiten vor anderthalb Wochen noch verstärkt. Einerseits existiert seitdem für Blogs und andere Medienangebote das ungeschriebene Gesetz, bei Google+ präsent sein zu müssen (schon rein prophylaktisch - wenn's das nächste große Ding wird, will man nicht der Letzte sein, der auf den Zug aufspringt).

Andererseits bedeutet dies neue manuelle Arbeit, da sich Inhalte bisher nicht automatisiert in eine Google+ -Page importieren lassen, wie dies bei Facebook und Twitter der Fall ist. Das Engagement der Nutzer jedoch hält sich in Grenzen - bei Twitter führen netzwertig.com-Beiträge zu deutlich mehr Reaktionen als auf unserer immerhin von knapp 1000 Personen gefolgten Google+-Seite - dabei diskutiert es sich doch bei Google+ deutlich besser.

Das bringt uns zu einem anderen Problem: Die fortschreitende Fragmentierung von Kommentaren und Meinungen. Mit Google+ erhält dieses Phänomen eine völlig neue Qualität. Denn wenn es bei Google+ doch einmal zu einer intensiven Debatte rund um einen Artikel kommt, dann findet diese zumeist in verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Diskussionsfäden statt. Dort wiederholen sich dann die Aussagen und Argumentationen doppelt und dreifach, während sie parallel auch unterhalb des jeweiligen Beitrags bei netzwertig.com stattfinden.

Feedback zu den und ein lebendiger Austausch über die von uns angerissenen Themen ist etwas Tolles - Google+ trägt leider in seiner jetzigen Konstruktion nicht dazu bei, dass sich das damit verbundene Potenzial bestmöglich nutzen lässt. Ein Kommentarplugin für externe Websites könnte hier womöglich Abhilfe schaffen. Ob Google derartiges plant, ist mir nicht bekannt.

Meine Berurteilung der Google+-Situation fiele sicherlich anders aus, wenn der Service ohnehin mein bevorzugter Aufenthaltsort im Netz wäre. Das ist er jedoch nicht (zum Teil auch wegen der fehlenden Lese/Schreib-API und der daraus resultierenden Abwesenheit in externen Apps), weshalb mir die Aktivität dort zum momentanen Zeitpunkt eher als ein notwendiges Übel erscheint denn als etwas, das ich gerne mache - mit Ausnahme von gelegentlichen Highlights wie diesem Post von Robert Scoble - auf den ich über Twitter aufmerksam wurde.

Facebook und Twitter haben sich ihren Platz in meiner täglichen Internetroutine erkämpft und die dortigen Aktivitäten (sowohl privat als auch im Kontext von netzwertig.com) sind gewissermaßen ins Blut übergegangen. Der einzige von mir bisher bei Google+ wahrgenommene Vorteil sind die in der Produktgestaltung begründeten besseren Diskussionsmöglichkeiten.

Doch statt dafür einen eigenen Dienst verwenden zu müssen, fände ich die Erweiterung von Twitter um einen direkt an einzelne Tweets angeschlossenen Kommentarbereich viel besser. Es mag sein, dass dies nicht in Twitters Simplizitätsgedanken passt. Als Anwender würde ich jedoch bevorzugen, wenn Twitter um Schlüsselfunktionalität von Google+ ergänzt würde, statt dass ich meine Aufmerksamkeit und Ressourcen auf drei führende, sich teilweise stark überschneidende Social-Web-Plattformen verteilen muss. Drei sind einfach einer zu viel!

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