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19.08.10

Facebook Places: Das Wichtigste zu Facebooks Location-Dienst (startet heute in den USA)

Facebook hat in der Nacht seinen lange erwarteten Location-Dienst Places vorgestellt, der noch heute für Nutzer aus den USA scharf geschaltet wird. Services wie foursquare, Gowalla und Yelp sitzen mit im Boot.

 

Aktualisiert 10:00 Uhr

Es ist eine der größten Produktinnovationen innerhalb der Facebook-Plattform seit langem, wenn man vom Open-Graph-Protokoll absieht: Facebook Places, der Location-Dienst des Social Networks, über dessen bevorstehenden Launch wir vor einer Woche berichteten . In der Nacht bereitete Facebook allen Gerüchten rund um Places ein Ende und stellte den Service, an dem acht Monate lang gearbeitet wurde, auf einer Veranstaltung am Firmensitz im kalifornischen Palo Alto offiziell vor.

Places soll laut Facebook-CEO Mark Zuckerberg drei Zwecke erfüllen: Es hilft Nutzern dabei, ihren Freunden mitzuteilen, wo sie sind, wer sich ebenfalls in der Nähe aufhält und was in der unmittelbaren Umgebung geschieht. Erreicht werden soll dies durch eine eigene Check-In-Funktionalität innerhalb von Facebook sowie durch eine neue, für Schreibrechte anfänglich geschlossene API für andere Location Based Services, um deren Nutzeraktivitäten bei Facebook integrieren zu können.

Für alle Facebook-Nutzer in den USA wird das neue Feature im Laufe des Tages zur Verfügung stehen - entweder über die Smartphone-Website touch.facebook.com oder über eine aktualisierte iPhone-Applikation. Besitzer anderer Mobiltelefone sowie Facebook-Anwender in Europa müssen sich hingegen noch etwas gedulden, sind aber in der Lage, die Check-Ins von US-Freunden zu sehen.

An einem beliebigen Ort eingecheckt wird über das neue "Places"-Menü, das einen Überblick über die jüngsten Check-Ins der eigenen Kontakte sowie existierende Orte in der Umgebung gibt. Der Check-In-Prozess läuft ähnlich wie von anderen ortsbasierten mobilen Diensten gewohnt über einen entsprechenden Check-In-Button. Jeder Ort besitzt eine eigene Profilseite. Einzelhändler, Gastronomen und andere physische Einrichtungen können eine von Nutzern angelegte Places-Profilseite beanspruchen. Nach einer Verifizierung erhalten sie die Möglichkeit, ihre bestehende Facebook Page mit der Places-Profilseite zu vereinen (mehr dazu hier).

Facebook Places auf dem iPad (Quelle: TechCrunch)

Check-Ins sind in der Standardeinstellung (mit einer Ausnahme) nur für Freunde sichtbar und erscheinen im Newsfeed auf der eigenen Profilseite, in den Aktivitätsfeeds der Facebook-Freunde sowie - das ist die Ausnahme - auf der Profilseite der Location in einer Übersicht über User, die sich aktuell gerade am jeweiligen Ort aufhalten. Wer hier nicht auftauchen möchte, kann dies in den Privatsphäre-Einstellungen deaktivieren.

Wer mit Freunden unterwegs ist, die nicht selbst mit ihrem Mobiltelefon einchecken, kann diese während eines Check-Ins taggen. Jedes Mal, wenn man auf diese Weise von anderen getaggt wird, erhalt man eine entsprechende Benachrichtigung. Das Einchecken von Freunden an Orten funktioniert nur dann, wenn man dort selbst ebenfalls den Check-In-Button betätigt hat. User, die sich unwohl dabei fühlen, wenn Freunde ihren Aufenthaltsort veröffentlichen, können dies vollständig deaktivieren.

Abgesehen von der Möglichkeit, Freunde zu taggen, lehnt sich Facebooks Check-In-Modus stark an der Funktionalität bestehender Location Based Services an. Als Nutzer von foursquare und Gowalla kommt mir die Funktionalität daher sehr vertraut vor.

Um sich User, die bereits Erfahrungen mit derartigen Check-In-Angeboten gemacht haben, als "Early Adopters" und Unterstützer des neuen Features zu Nutze zu machen, integriert Facebook zum Start von Places eine Reihe von Location-Startups wie die genannten foursquare und Gowalla, aber auch Yelp und Booyah (MyTown). Aus der Ferne ist es zwar schwierig, die genaue Art der Implementation für die einzelnen Services zu analysieren, aber das finale Ziel ist es, dass über diese Applikationen getätigte Check-Ins im Rahmen von Facebook Places dargestellt werden können.

Wenn ich also mit Gowalla in meinem Lieblingscafé einchecke, dann soll diese Aktivität auch auf der Places-Profil-Seite des Cafés bei Facebook erscheinen. Unklar ist mir momentan noch, ob umgedreht auch ein Facebook-Check-In bei dem Café als Check-In bei Gowalla übernommen wird. Der vorletzte Absatz in diesem Posting auf dem Facebook-Blog legt diese Schluss allerdings nahe und weist auch darauf hin, dass mir eine externe Location-App auch die Check-Ins meiner Facebook-Kontakte präsentieren kann.

Für die visuelle Darstellung von Standorten setzt Facebook auf Bing Maps von Microsoft und nicht auf das im Web sonst stärker verbreitete Google Maps (auch wenn der aus dem Facebook-Blog stammende Screenshot ganz oben rätselhafterweise eine Google-Karte zeigt). Verwunderlich ist dies angesichts einer strategischen Minderheitsbeteiligung von Microsoft an Facebook nicht.

Facebook Places scheint von der Funktionalität her das zu bieten, was man sich im Vorfeld erwarten konnte. Und während die Idee, seinen aktuellen Standort sämtlichen Freunden gegenüber offenzulegen, für einen Großteil der 500 Millionen Facebook-Nutzer sicherlich gewöhnungsbedürftig sein wird, wirkt es, als hätte Facebook (endlich!) aus Fehlern früherer Produkt-Lancierungen gelernt und als böte es, soweit sich das aus der Distanz beurteilen lässt, alle notwendigen Einstellungen, um größere Versäumnisse in puncto Datenschutz zu vermeiden (allerdings gibt es hierzu auch andere Meinungen).

Facebook wird die Art der Interaktion zwischen Menschen verändern sowie die Zahl spontaner Treffen mit losen Kontakten, die zufällig gerade in der Nähe sind, erhöhen - etwas, das mit den existierenden mobilen Netzwerkdiensten aufgrund ihrer geringen Anwenderzahlen nur selten eintraf, sofern man sich nicht rund um die Uhr in Berlin-Mitte oder an anderen Geek-Hotspots aufhielt. Ich bleibe daher bei meiner früher gemachten Aussage: Facebook Places ist der Durchbruch für Location Based Services.

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