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11.08.10Kommentieren

Facebook Places: Die große Stunde der Location-Dienste

Das Puzzle rund um Facebooks kommenden Location-Dienst Places fügt sich zusammen. Die dazugehörige API soll in den nächsten Wochen veröffentlicht werden.

 

Es fühlt sich an, als sei eine Ewigkeit vergangen, seit Facebook zum ersten Mal davon gesprochen hat, ortsbezogene Funktionen in das Social Network integrieren zu wollen. Allerdings gab es noch keine Anzeichen für ein solches Vorhaben, als ich im Oktober vergangenen Jahres fragte, wann Facebook endlich in den Bereich der Location Based Services (LBS) einsteigen würde. Kurze Zeit später tauchten jedoch die ersten Gerüchte zu solchen Plänen auf. Irgendwann wurden sie von Facebook dann auch bestätigt und seitdem heißt es immer und immer wieder, "bald" würde man entsprechende Features integrieren.

Ähnlich wie bei den Facebook Credits scheint der kalifornische Dienst überaus vorsichtig und mit Bedacht zu agieren, was angesichts des unter Privatsphäre-Gesichtspunkten sensiblen Location-Themas sowie Facebooks bekannten Fehltritten in diesem Bereich auch sehr klug ist.

Die US-Newssite CNET hat nun einige weitere Details rund um die neue Funktion "Facebook Places" ausgegraben und von verschiedenen Quellen ein geplantes Launch-Datum innerhalb der kommenden Wochen bestätigt bekommen.

Bei Places wird es sich im Kern um eine Schnittstelle (API) handeln, die Entwickler nutzen können, um ortsbasierte Applikationen eng mit der Funktionalität von Facebook zu verknüpfen.

Bereits heute ist es für Anwender von Location-Diensten wie foursquare, Gowalla, Friendticker oder Brightkite möglich, Check-Ins von dort auf ihrem Facebook-Profil zu veröffentlichen und so auch ihre Kontakte über aktuelle Aufenthaltsorte zu informieren. Places wird weit darüber hinaus gehen und eine sehr viel engere Integration mit Facebooks Kernfunktionalität erlauben.

Das passt gut mit früheren Berichten über einen kommenden "Places"-Reiter auf Facebook-Profilen zusammen. Dort könnte Facebook sämtliche von Freunden verfügbaren ortsbezogenen Angaben sammeln. Während es heute keinen Weg gibt, einen aggregierten Überblick über Check-Ins aller Facebook-Freunde bei allen existierenden Location Based Services zu erhalten, wird sich dies mit dem Places-Feature mit großer Sicherheit ändern.

Das Blog Inside Facebook spekuliert auch über einen Places-Reiter auf Facebook Pages von Unternehmen und Organisationen. Im Rahmen einer bestätigten Kooperation mit dem Location-Spezialisten Localeze, mit dem auch Twitter zusammenarbeitet, könnten über die API eintreffende Check-In-Koordinaten mit den Adressdaten von Unternehmen abgeglichen und somit auf der entsprechenden Facebook Page unter dem Places-Reiter dargestellt werden.

Damit hätte das Lieblingsrestaurant um die Ecke nicht mehr länger nur individuelle, ortsspezifische Profilseiten bei den einzelnen Location-Diensten, sondern würde die von dort kommenden, für eine Veröffentlichung auf Facebook autorisierten Informationen auch auf der eigenen Facebook Page sammeln können, die dann die Check-Ins von allen über die API angeschlossenen Services auflistet.

Somit wäre es Facebook-Nutzern möglich, auf einen Blick zu erfahren, welche der eigenen Kontakte sich schon einmal an einem bestimmten Ort aufgehalten haben und auch, welche Kommentare sie dazu hatten.

Die bisherige Landschaft von mobilen und ortsbasierten Diensten hat den großen Nachteil, dass viele verschiedene Dienste um die noch sehr geringe Zahl von Anwendern buhlen, was zu einer Fragmentierung führt und dadurch sehr viel Potenzial ungenutzt lässt. Eine Aggregation sämtlicher öffentlicher Location-Informationen innerhalb von Facebook kann das Anwendererlebnis für alle User von foursquare, Gowalla & Co deutlich verbessern und gleichzeitig neue, mit Smartphone ausgerüstete Nutzer an das Thema heranführen.

Unklar ist bisher, ob Facebook auch eine eigene Check-In-Funktionalität launchen wird oder dies allein Dritten überlassen wird.

Der eingangs erwähnte CNET-Artikel bestätigt auch die Übernahme des Check-In-Dienstes Hot Potato durch Facebook für zehn Millionen Dollar. Hot Potato hatten wir Anfang Juli vorgestellt. Da es sich offenbar hauptsächlich um eine (sehr teure) "Talent-Übernahme" handelt, also Facebook primär daran interessiert war, Hot Potato-Gründer Justin Schaffer als Team-Mitglied zu gewinnen, dürften die Tage des Dienstes gezählt sein.

Auch wenn sich an meiner kritischen Haltung zu Facebook nach den Eskapaden der vergangenen Zeit wenig geändert hat, begrüße ich es, dass Facebook sich nun wieder darauf konzentriert, das soziale Netzwerk um weitere, potenziell spannende und disruptive Funktionen zu erweitern, statt lediglich an seiner fragwürdigen Transformation zu einer öffentlichen Plattform zu arbeiten.

Facebook Places wird mit Sicherheit zum Durchbruch von Location Based Services führen. Nachdem ich nun seit über einem Jahr foursquare und Gowalla verwende, habe ich von dem Nischendasein dieser Services (bzw. des LBS-Konzeptes als solches) mittlerweile genug. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so. Etwas Besseres als eine enge Integration in das 500-Millionen-Mitglieder-Netzwerk Facebook könnte dem gesamten Sektor daher nicht passieren.

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