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11.08.11 08:45, von Martin Weigert

Facebook Messenger: Ein sinnvolles Experiment

Auf den ersten Blick mag es seltsam erscheinen, dass Facebook für seinen Nachrichten- und Chatdienst eine eigenständige Smartphone-Applikation veröffentlicht. Doch nicht nur die unterschiedlichen Nutzeranforderungen sprechen für diesen Schritt.


 

Foto: Flickr/Denis Dervisevic; CC-Lizenz

In der Nacht zum Mittwoch hat Facebook wie berichtet eine eigenständige iPhone- und Android-App für sein Nachrichten-System veröffentlicht. Während die Anwendung derzeit nur im US-amerikanischen App Store bzw. Android Market zu finden ist und es von Seiten Facebooks heißt, dass die Neuheit "bald" auch in den deutschsprachigen Raum kommt, stellt sich Beobachtern die Frage nach dem "Warum".

Wieso bietet das soziale Netzwerk seinen Nutzern eine zweite mobile Applikation, die nur für einen einzigen Zweck eingesetzt werden kann und deren Funktionalität abgesehen von einigen erweiterten Einstellungsmöglichkeiten auch in Facebooks primärer Applikation enthalten ist?

Als regelmäßiger Verwender von Facebooks iPhone-App sowie einer separaten mobilen Chatanwendung als SMS-Ersatz glaube ich, auf diese Frage eine Antwort geben zu können. Ich halte den Vorstoß des US-Dienstes für durchaus sinnvoll, auch wenn ich ihn vorerst als Experiment mit offenem Ausgang sehe.

Der perfekte Chatdienst für unterwegs

Der perfekte Smartphone-Chatservice, den ich anstelle von kostenpflichtigen, in ihrer Länge begrenzten SMS einsetzen kann, erfüllt für mich folgende vier Kriterien:

1. Ich erreiche mit ihm einen Großteil meiner Bekanntschaft (vergleichbar mit SMS).

2. Er zeichnet sich durch eine hohe Geschwindigkeit, minimale Lade- und Wartezeiten sowie den Fokus auf das Wesentliche aus.

3. Er lenkt mich nicht mit anderen Inhalten ab.

4. Meine Gesprächspartner kommunizieren mit mir unter gleichen Voraussetzungen, d.h. über eine fummelige, die Schreibgeschwindigkeit limitierende Smartphone-Tastatur, womöglich von unterwegs. Da Mobiltelefone zumeist von ihren Besitzern nicht aus den Augen gelassen werden, ist die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen Kenntnisnahme meiner Nachricht durch den Empfänger maximal (vergleichbar mit SMS).

Stärken und Schwächen der existierenden Chatservices

Die Stärken der explizit für die Nutzung auf Smartphones konzipierten Chatanwendungen wie Kik oder WhatsApp liegen in den Kriterien 2 bis 4, was auch eine Erklärung dafür ist, wieso zumindest ich derartige Dienste den zumeist komplexeren, mobilen Versionen klassischer Instant Messenger vorziehe. yuilop versucht mit der Einbeziehung von SMS, auch das erste Kriterium zu erfüllen, hat aber noch eine zu geringe Verbreitung.

Facebooks herkömmliche App eignet sich nicht für Schnellkommunikation

Facebooks herkömmliche mobile App dagegen brilliert aus der Perspektive eines Anhängers der mobilen Schnellkommunikation lediglich im ersten Punkt. Fast mein kompletter Freundes- und Bekanntenkreis ist bei dem Social Network aktiv. Für eine durch kurze Nachrichten geprägte Konversation von unterwegs hingegen kann die Anwendung dedizierten Chat-Apps nicht das Wasser reichen: Dazu ist sie zu umfangreich, lädt nicht schnell genug und überschüttet User beim Öffnen mit Benachrichtigungen über Kommentare, Likes etc. Zudem können Push-Meldungen nicht granular für einzelne Gesprächsfäden ein- oder ausgeschaltet werden, weshalb es leicht zu einer Überflutung mit Push-Hinweisen kommen kann.

Facebook Messenger erfüllt andere Nutzerbedürfnisse

In sämtlichen dieser Aspekte kommt Facebooks neue Messenger-Applikation meinen persönlichen Chat-Bedürfnissen entgegen und ich glaube, dass auch andere Nutzer dies ähnlich sehen. Lediglich beim vierten Kriterium - den gleichen Voraussetzungen - ist ein Kompromiss erforderlich. Denn Chatpartner können sowohl vom Mobiltelefon als auch vom Notebook aus mit einem kommunizieren, was die die Länge ihrer Ausführungen sowie ihre Verfügbarkeit beeinflusst.

Auch wenn der Launch einer separaten Chat-Applikation auf den ersten Blick widersinnig erscheinen mag, so trägt Facebook mit dem Schritt der Tatsache Rechnung, dass sich die Anforderungen der Nutzer an ein mobiles Social Network sowie einen Chatdienst zur Schnellkommunikation von überall unterscheiden. Mit dem neuen Messenger-Dienst erhöht das kalifornische Unternehmen seine Eignung für das zweitgenannte Szenario.

Mögliche Skype-Integration 

Mittelfristig könnte sich die eigenständige Messenger-App auch noch aus einem anderen Grund als kluge Wahl herausstellen: Skype hat nämlich bestätigt, dass es seine Partnerschaft mit Facebook in Form einer Integration seiner Services in die mobile Komponente des Social Networks ausbauen will. Facebooks vollwertige App erscheint für diesen Zweck jedoch bereits jetzt zu aufgebläht. Facebook Messenger kommt da gerade recht.

Randnotiz: Da ich ein US-iTunes-Konto besitze, konnte ich Facebook Messenger bereits installieren. Allerdings ist es mir bisher nicht gelungen, Push-Meldungen zu neuen Nachrichten zu erhalten. Dies muss jedoch auf einen Bug, ein Problem mit meinem iPhone oder auf einen Bedienungsfehler meinerseits zurückzuführen sein. Enthalten ist die Funktion sowohl innerhalb der App als auch im Einstellungsbereich des iPhones.

(Foto: Flickr/Denis Dervisevic; CC-Lizenz)

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