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14.08.14

"Exorbitante Entwicklung": Statistas Expansion in die Welt nimmt Fahrt auf

2008 ging das Statistikportal Statista ins Netz. Heute ist das Unternehmen aus Hamburg, das seit 2010 schwarze Zahlen schreibt und in diesem Jahr acht bis zehn Millionen Euro Umsatz anpeilt, nicht nur im deutschen Raum eine Institution.

StatistaEs ist ein Luxus, den sich nur wenige Wachstums-Unternehmen auf Dauer leisten können: der vollständige Verzicht auf eine Marketing- und Presseabteilung. Bei dem in Hamburg ansässigen Statistikportal Statista aber hält man aktive externe Kommunikationsarbeit für nicht notwendig. Da es sich bei Statista um eines der erfolgreichsten deutschen Webunternehmen der vergangenen Jahre handelt, gibt es wenig Anlass, dieser Sicht zu widersprechen. Aufgrund seines Produktes hat Statista natürlich einen ganz besonderen Vorteil: Die Statistiken, die das Unternehmen seit 2008 auf seiner Plattform einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht, garantieren den Norddeutschen permanente Medienpräsenz. Führende Leitmedien publizieren die regelmäßig zu aktuellen Themen veröffentlichten Infografiken und von einem Team von 100 festangestellten sowie 50 freien Mitarbeitenden zusammengetragenen Statistiken im Rahmen ihrer Berichte und Inhalte ebenso wie zahlreiche Fachmedien. Blogger, Journalisten, Medienexperten, Marktforscher und Werber gehören zu den dankbaren Abnehmern des 2007 von Tim Kröger und Dr. Friedrich Schwandt gegründeten Startups.

Bis zu zehn Millionen Euro Umsatz für 2014 erwartet

Inwieweit Statista überhaupt noch als “Startup” zu bezeichnen ist, darf debattiert werden. Seit sechs Jahren befindet sich der Dienst im Netz, seit vier Jahren ist er profitabel, wie Mitgründer und Geschäftsführer Friedrich Schwandt im Gespräch mit netzwertig.com erklärt. Weil das Wachstum abgesehen von einer Kapitalspritze im einstelligen Millionenbereich zum Debüt immer aus den laufenden Erlösen finanziert wird, pumpen die Elbstädter den Überschüss sofort in die weitere Expansion.

“Wir haben immer sehr auf den Cent geachtet und waren stets in Sorge um den Cashflow", sagt Schwandt in Bezug auf die Tugend der Sparsamkeit, die beide Gründer kennzeichnet. Diese hielt Statista davon ab, zu schnell zu große Schritte zu machen und zu viele Verpflichtungen gegenüber Investoren einzugehen. Heute zeigt sich, dass diese Strategie dem Aufstieg des Angebots nicht im Wege stand: Für 2014 rechnet Schwandt mit einem Umsatz von acht bis zehn Millionen Euro. Was davon nicht ins operative Geschäft fließ, pumpen die Norddeutschen in ihre Auslandsaktivitäten: Seit einigen Jahren gibt es eine Vertriebsniederlassung in den USA, im nächsten Jahr soll ein Büro in London folgen.

Traffic zur Hälfte aus den USA 

Besonders positiv entwickelt sich Statista gemäß des Firmenchefs seit ungefähr zwei Jahren. Er spricht von einer “exorbitanten Entwicklung”, die seit dem Frühjahr 2014 auch das US-Geschäft erfasst hat. Drei Jahre zuvor ging das Unternehmen in New York vor Anker. Es verstrich also einige Zeit, bevor sich die Statistikfreunde von der Elbe auf der anderen Seite des Atlantiks etablieren konnten. Nun aber ernten sie die Früchte ihrer Arbeit, was sich in rasant steigenden Trafficzahlen, zunehmenden Medienanfragen und immer mehr zahlenden Kunden niederschlägt. Rund 1,8 Millionen Menschen besuchen das Portal pro Monat. Mittlerweile hat der US-Traffic das Niveau der Zugriffszahlen aus Deutschland erreicht. Etwa 80 Prozent der Zugriffe erfolgen über Google-Recherchen. “Googles Panda-Update hat uns ziemlich geholfen”, konstatiert Schwandt. Als Hauptgrund für die guten Positionen in den Suchergebnissen sieht er die enorme Zahl an Statista-Verlinkungen auf renommierten Medien- und Hochschul-Websites.

Statista würde zwar auch ohne den Suchtraffic überleben können, er hilft nach Ansicht von Friedrich Schwandt aber bei der Konversion und Akquisition von zahlenden Kunden. Kostenpflichtige Inhalte, die Seite an Seite mit den frei einsehbaren Statistiken angeboten werden, generieren den Löwenanteil der Erlöse. Hinzu kommen Umsätze aus Analyse- und Recherche-Dienstleistungen.

Weitgehend unbehelligte Expansion

Die Tatsache, dass Statista seine aus 18.000 Quellen bezogenen Statistiken zu einem großen Teil gratis anbietet und für alle Nutzer zugänglich macht, sieht Schwandt sowohl als Vorteil in Bezug auf die Suchmaschinensichtbarkeit als auch als Mittel, um die Einstiegsbarriere für eventuelle Konkurrenten zu erhöhen. Zumal die Beschaffung des Materials nicht gerade wenig Aufwand erfordere. Rund 20 Prozent der Quellen sind frei verfügbar. 30 Prozent darf Statista auf “Tauschbasis” aggregieren. Für die restlichen 50 Prozent zahlt der Dienst Lizenz- und Nutzungsgebühren. Die damit verbundene Verhandlungsarbeit sowie die Tatsache, dass es einige Jahre dauert, bis ein Grundstock von informativen Statistiken aufgebaut wurde, hält Schwandt für einen der Gründe, warum Statista unbehelligt seine Expansion vorantreiben kann.

Unternehmensdatenbank für Deutschland steht vor Start

Für die Zukunft hat sich die Unternehmensführung zum Ziel gesetzt, das Angebot auf immer mehr Länder und Sprachen auszuweiten und die Usability sowie Nutzbarkeit der Daten zu verbessern. Experimente möchte Schwandt zwar nicht ausschließen - in zwei Wochen wird Statista “Deutschlands größte Unternehmensdatenbank” debütieren. Er ist aber der Meinung, dass es sich bei dem konsequenten Fokus der Firma um einen der entscheidenden Faktoren dafür handelt, dass sich das Startup zu einer solchen Erfolgsgeschichte entwickelt hat.

Bleibt die Frage, wie es kommt, dass ein blühendes Internetunternehmen wie Statista in einem Segment, in dem viele Entrepreneure ihre Produkte frühzeitig auf Exit trimmen, noch immer seine Unabhängigkeit bewahrt hat. Schwandt räumt ein, dass es Angebote gebe. Auch seien er und seine Mitstreiter nicht kategorisch gegen Übernahmen. Doch für ihn sei entscheidend, dass es unheimlich Spaß mache, ein Unternehmen wie Statista in verschiedene Länder zu bringen. Weltweit gebe es kein Geschäftsmodell wie das der Norddeutschen.

Dass er und der zweite Gründer und Geschäftsführer Tim Kröger das sich daraus ergebende Potenzial gerne ausschöpfen möchten, ist nicht schwer nachzuvollziehen. /mw

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