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17.04.14Leser-Kommentare

Exklusiv: Dropbox kauft deutsch-amerikanisches Foto-Startup Loom

Das von drei Deutschen in San Francisco gegründete Startup Loom veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Art Dropbox für Fotos. Jetzt hat Dropbox ihr Unternehmen gekauft - um darauf aufbauend die in der vergangenen Woche vorgestellte App Carousel weiterzuentwickeln.

LoomSummary in English at the end of the article.

Als Dropbox in der vergangenen Woche die Foto- und Video-Galerie-App Carousel veröffentlichte, wird manchen die funktionelle und visuelle Parallele zu einem existierenden Dienst namens Loom aufgefallen sein. Die Ähnlichkeit ist kein Zufall: Der Cloudspezialist aus San Francisco hat das deutsch-amerikanische Startup Loom vor zwei Monaten heimlich übernommen.

Im Sommer vergangenen Jahres, als die drei deutschen Loom-Gründer Jan Senderek, Philipp Wein und Daniel Wagner mit ihrer Anwendung für den cloudbasierten Abgleich von Fotos zwischen iOS- und Mac-Geräten ins Netz gingen, war ihr Dienst laut Mitgründer und CEO Senderek die einzige Lösung überhaupt, die Synchronisation und Galerie-Funktion vereinte. Schnell erkannte das Trio, dass es mit Loom ein Produkt entwickelt hatte, das auf eine erhebliche Nachfrage stieß. Nicht nur das Nutzerfeedback zeigte dies, sondern auch das sofort vorhandene Interesse von Investoren. Schon mit zwei anderen vorherigen Startups, Eeve und Popset, hatten sich die Loom-Macher dem Thema Smartphone-Fotos gewidmet, dabei jedoch nicht den erhofften Erfolg erzielt. Ihre Loom vorausgegangenen Startup-Aktivitäten brachten die drei Kölner nach San Francisco, wo sie unter das Dach des prestigeträchtigen Silicon-Valley-Accelerators Y Combinator schlüpften. Die während dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen halfen den Jungunternehmern beim Bau eines gelungenen Consumer-Produkts. Zudem erhielten sie Zugang zu einem illustren Netzwerk aus Branchengrößen, das ihnen nicht zuletzt beim Abschluss ihrer Seed-Finanzierungsrunde im Oktober 2013 half. Unter anderem Google Ventures und Tencent beteiligten sich mit insgesamt 1,5 Millionen Dollar an Loom.

Jan Senderek, CEO von Loom

Zu diesem Zeitpunkt wussten Senderek und seine Kollegen, dass sie mit Loom den richtigen Riecher hatten. Als dann nach und nach IT-Schwergewichte wie Apple, Google und Dropbox anklopften und Gespräche über eine Akquisition führen wollten, wurde es für die offiziell mit dem Hauptquartier in San Francisco vertretenen Deutschen ernst: Eine finanzielle Notwendigkeit zum Exit gab es nicht; das insgesamt achtköpfige Team ging sparsam mit dem eingesammelten Kapital um, die Hälfte aller sich neu registrierenden User wurde zu aktiven Anwendern, und die Konversionsrate vom kostenfreien zum Premium-Dienst lag kontinuierlich bei vier Prozent. Der Service hätte sich relativ zügig in ein profitables Unternehmen verwandeln lassen. Außerdem befand sich die überwiegende Mehrheit der Anteile in Gründerhand. Weitere Finanzspritzen zur Beschleunigung des Wachstums wären also auch kein Problem gewesen.

Andererseits waren sich die Loom-Erschaffer bereits vor dem Launch ihrer App im vergangenen Jahr darüber einig, dass Dropbox die von ihrem Dienst gebotene Funktionalität fehle. Als Dropbox-CEO Drew Houston im November schließlich Kontakt mit Loom aufnahm und andeutete, dass Dropbox tatsächlich an einer ähnlichen Sache arbeiten würde, sahen die Deutschen dies als große Chance, ihre Vision von Loom bei Dropbox weiterverfolgen zu können. Die persönliche Chemie stimmte ebenso wie die Bedingungen seitens Dropbox. Houston sicherte dem Startup zu, weiter als Team arbeiten zu können, und auch was er zu zahlen bereit war, entsprach den Erwartungen der jungen Gründer. Nach einigem Abwägen und der Erkenntnis, zusammen mit Dropbox mehr erreichen zu können als in einem Konkurrenzverhältnis, sagten sie zu. Im Februar war der Deal in trockenen Tüchern. Zeitgleich schloss der schnell wachsende Cloudanbieter auch die Akquisition des Berliner E-Book-Startups Readmill ab.

Wieviel Dropbox für Loom gezahlt hat, darüber schweigt sich Senderek aus. Ein Betrag im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich dürfte eine nicht allzu unrealistische Schätzung sein. Bezahlt wurde in bar und Aktien.

"Die Synchronisation von Mediendateien zwischen verschiedenen Geräten ist technisch extrem anspruchsvoll", sagt Senderek. Die letzten vier Monate vor dem Debüt von Loom waren er und seine Mitstreiter deshalb nur mit Performanceoptimierung befasst. Auch Dropbox arbeitet nach seiner Aussage schon lange an Carousel. Das Loom-Team habe seit der Fusion mit Dropbox aber bereits Einfluss auf die Anwendung genommen und werde künftig vor allem damit befasst sein, das Konzept zu verbessern und die nächsten Versionen vorzubereiten. Ein zweites Dropbox-Team fokussiert sich unterdessen auf aktuelle Implementierungen und Releases.

Für Loom bedeutet die Akquisition das zeitnahe Aus. Eine offizielle Ankündigung dazu erfolgt heute. Ein Migrationstool soll den Transfer der Fotos zu Dropbox erleichtern. Einige Features werden Loom-Nutzer bei Carousel aber erst einmal vermissen, etwa Alben. Dafür existieren Optionen zum Teilen von Schnappschüssen, auf die Loom bislang verzichtete. Jan Senderek hofft, dass der Übergang ohne Probleme von statten geht, und zeigt sich überzeugt, dass Loom-User bei Carousel eine ideale Alternative finden werden.

Mit dem Umzug in das im trendigen "SoMa"-Bezirk von San Francisco gelegene Dropbox-Hauptquartier ist einiger Druck von den Schultern der Loom-Gründer gewichen. Speziell die finale Phase der Akquisitionsvorbereitungen sei eine der anstrengendsten Zeiten seines Lebens gewesen, gesteht Senderek. Nun freuen er und seine Gefährten sich darauf, Carousel voranbringen zu können. Und auf etwas Urlaub. Einen freien Tag hat sich Senderek auch in den zwei Monaten bei Dropbox bislang nicht gönnen wollen.

Summary in English

Dropbox has acquired San Francisco-based photo startup Loom for an undisclosed amount which we estimate to be in the lower to mid eight-digit range. The team of 7, including the three German founders, has joined Dropbox to work with its recently released photo and video gallery app Carousel, which shares a lot of similarities with Loom. Y Combinator-backed Loom was launched in summer 2013 and had raised $1.5 million in seed-funding from among others Google Ventures and Tencent. Loom co-founder and CEO Jan Senderek says that the company decided to sell to Dropbox because of the common vision and because it felt "just right". According to him, even Apple and Google were interested. Loom will be shut-down and helping users to make the transition to Carousel. 

Kommentare

  • Ulf

    18.04.14 (08:36:44)

    Wie kommt ihr zu der Vermutung, dass der Kaufpreis zweistellig war? Glaubt ihr dass Loom erfolgreich war und standalone eine Zukunft gehabt hätte? Glaubt ihr zu wissen, dass Dropbox hohe Kaufpreise zu zahlen bereit ist?

  • Martin Weigert

    19.04.14 (00:07:55)

    "Glaubt ihr dass Loom erfolgreich war und standalone eine Zukunft gehabt hätte?" Die Antwort darauf steht im Text. Die Schätzung basiert auf meinem Gespräch mit Jan sowie einer Reihe von externen Indizien, historischen Marktfaktoren und dem derzeitigen Stand der Internetwirtschaft im Valley + San Francisco.

  • Martin

    22.04.14 (13:22:52)

    wir wissen doch alle das diese preise nicht der "bar" betrag ist den das unternehmen bekommt! also halte ich es für wahrscheinlich das ein hocher betrag zustanden kommt wenn man alles zusammen rechnet.

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