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04.09.13Leser-Kommentare

Europaweite Datenflatrate: Fogg Mobile will Roaming-Kosten endgültig töten

Ein schwedisches Startup will allen Europäern eine mobile Datenflatrate anbieten, die auch im Ausland gilt. Was utopisch klingt, funktioniert bereits in sechs Ländern.

Fogg_Logo An der Grenze ist der mobile Surfspaß vorbei, denn ab dort wird es auf jeden Fall teurer. Mein Anbieter etwa erlaubt das Versurfen von 10 MB pro Tag im Ausland für knapp 3 Euro - was in einem Fall ausreichte, um einmal meine Mails zu checken und ein Facebook-Foto hochzuladen - oder knapp 7 Euro für 50 MB. Die TK-Anbieter haben hier keine Not, sich mit günstigeren Preisen zu beeilen, weil Roaming für alle noch ein recht lukratives Geschäft ist.

Umso erstaunlicher, was das schwedische Startup Fogg_Logo bald europaweit anbieten will: Eine mobile Datenflat für jeden, die nicht nur im Heimatland gilt, sondern ohne Mehrkosten auch im Ausland. In einigen Ländern ist das erste Gigabyte gar kostenlos, wenn sich der Kunde vertraglich bindet. Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist in Schweden, Dänemark und Großbritannien bereits verfügbar. Das schwedische Startup wird seine liebe Not haben, den Service auch in Ländern wie Italien und Deutschland anzubieten. Stoppen lässt sich die Idee allerdings jetzt schon nicht mehr.

 

Fogg tritt in den jeweiligen Ländern als Reseller auf. Auch in Norwegen, Österreich und Irland ist Fogg mittlerweile verfügbar. Dort zwar nicht kostenlos, aber in der Premium-Variante für 149 Schwedische Kronen (17 Euro) für 10 GB. Weitere Länder, die Fogg als nächstes auf der Liste hat, sind die Niederlande, Belgien, Italien, Portugal, Finnland, Polen, die Türkei und, ja, auch Deutschland.

Geplanten Deutschland-Start verpasst

Es versteht sich von selbst, dass Fogg in einem Land wie Deutschland länger kämpfen muss, um an den Start zu gehen. Bereits Ende Juni wollte Fogg auch in Deutschland präsent sein, bislang ist es aber noch nicht losgegangen. Fogg dürfte Schwierigkeiten haben, in Deutschland geeignete Roaming-Partner zu finden, die sich auf ein solches Niedrigangebot einlassen wollen. Der Start im stark regulierten, manchmal etwas fortschrittsfeindlichen Deutschland wird von vielen ausländischen Startups unterschätzt. Schwer taten sich da in der Vergangenheit unter anderem Spotify und Magine - beide aus Schweden - die lange auf einen Start in Deutschland hinarbeiten mussten.

Fogg-Website: SIM-Karte auf Nachfrage Fogg-Website: SIM-Karte auf Nachfrage

Aktuell ist Fogg von einer europaweiten Versorgung noch weit entfernt. Bis man alle gewünschten Länder unter Dach und Fach hat, wird es sicher noch dauern. Auch wird es erfahrungsgemäßg auf höhere Preise hinauslaufen, als Fogg sich wünscht. Im April war etwa noch von einem Preis von 99 Kronen für das Premium-Paket die Rede, mittlerweile sind es 149 Kronen. Beachtlich ist aber, dass Fogg beim Thema Datenroaming schon jetzt mehr erreicht hat als jeder andere TK-Provider, jeder Reseller oder andere Startups.

Bei der Recherche nach Fogg habe ich mir zahlreiche andere Lösungen angesehen, die ihrerseits etwas gegen das Roaming-Problem unternehmen wollen. So elegant wie Foggs Idee wirkt dabei aber keiner. Roamer aus Lettland etwa will die Roaming-Kosten töten, indem es die Mobilfunknummer des Nutzers mit einer ausländischen SIM-Karte verknüpft. Das Prinzip funktioniert allerdings nur mit Telefongesprächen, nicht mit Daten. In eine ähnliche Richtung geht das Unternehmen Vir2Sim, ebenfalls aus Lettland, das virtuelle Rufnummern vergibt.

Ukku, das pragmatischere Fogg

Ähnlich wie Fogg stellt sich Ukko Mobile aus Finnland auf. Roamingkosten sollen wegfallen, indem jeder Nutzer in einem anderen Land eine lokale Identität annimmt. Der dortige Provider soll denken, dass es sich um einen lokalen Nutzer handelt, der Anwender benötigt nur seine SIM-Karte und soll die gleichen Tarife zahlen wie zu Hause. Um all das zu erreichen, sprechen die Finnen mit zahlreichen Mobilfunkanbietern europaweit, sind aber noch nicht gestartet - wohl, weil eben das ein sehr aufwändiger Prozess ist. Wie genau Ukku funktioniert, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Preise sollen etwa zwischen 40 und 80 Euro für eine europaweite, mobile Datenflat liegen, Preise für nur ein Reiseland deutlich darunter. Im Gegensatz zu Roamer würde Ukku nur für Daten funktionieren, nicht für Sprache.

GigSky

Derartige Verträge hat GigSky bereits ausgehandelt. Man kauft einmalig eine Sim-Karte für 20 Euro und installiert auf dem iPhone oder Android-Gerät eine App dazu. Reist man in ein Zielland, kann man Datenpakete von verschiedenen Anbietern kaufen. Die Preise allerdings sind meist deutlich teurer als die eines dortigen Prepaid-Tarifs. Wer das ganze lieber selbst in die Hand nimmt und regelmäßig in verschiedenen Ländern unterwegs ist, dem hilft Goodspeed. Der kleine mobile Hotspot wird schon vom Hersteller mit den nötigen SIM-Karten der Länder ausgestattet, in die man reisen will. Der Kasten in Form und Größe eines Smartphones bucht sich selbständig in das Netz des Landes ein, das man gerade betritt. Goodspeed ist also ein Rundum-Sorglos-Paket für Vielreisende - und auch nur für solche. Denn für Gelegenheitsreisen ist das Paket des Anbieters Uros mit 270 Euro für das Gerät, eine Montagsgebühr für 9,90 Euro und einen Tagesflatratepreis von 5,90 Euro für jedes Land (Datenvolumen variieren) einfach zu teuer.

Funktioniert gerade weil es eine völlig verrückte Idee ist

Was auffällt: Fogg ist von allen diesen Angeboten nicht nur am preiswertesten und am attraktivsten. Man ist auch bereits deutlich weiter als viele Mitbewerber. Und es scheint so, als gelänge das den Schweden, eben weil sie hier eine Idee in die Tat umsetzen wollen, die komplett größenwahnsinnig klingt. Ein Einheitspreis für ganz Europa oder auch nur für einige Länder gab es bis vor Kurzem nicht einmal für Telefonate oder SMS.

Heute sieht es aus, als könnte Fogg den Markt für Datenroaming tatsächlich aufmischen (neudeutsch: disrupten). Noch haben Telekom, Vodafone und Telefónica hier die Chance, bei dem Thema selbst aktiv zu werden, wollen sie nicht schon wieder einen lukrativen Markt vor ihren Augen verschwinden sehen, wie das beim Thema WhatsApp vs. SMS und Joyn aktuell der Fall ist. Der einzige deutsche Anbieter, der hier aber überhaupt ein ernsthaftes Interesse zu zeigen scheint, ist überraschenderweise der Discounter Blau, der vor einigen Wochen mit einem europaweiten Einheitstarif für Telefonkosten vorangeprescht war. Das ist ein Anfang, auch wenn der Tarif für Daten leider nicht gilt. Fogg Mobile werden die Anbieter schon jetzt nicht mehr stoppen können, sie könnten sich nur geschlossen dagegen sperren.

Link: Fogg_Logo

Kommentare

  • Janne

    05.09.13 (00:29:55)

    Sipgate ist mit simquadrat einerseits konsequenter als blau.de: auch keine Gebühren für eingehende Gespräche in der EU. Allerdings nur für 28 Tage am Stück, was für die meisten Reisen ausreicht und verhindert, dass die Karte permanent im Ausland verwendet wird. Datenroaming ist leider gewöhnlich teuer, 250MB für €20. Simquadrat ist noch in der Entwicklung, Datenroaming funktioniert erst seit einem Monat, aber ich befürchte, dass sich die EU-Datenpakete nicht kurzfristig um den Faktor 8 (gleicher Preis pro MB wie simquadrats ungedrosseltes Volumen in Deutschland) bis 47 (Fogg mobile premium) verbilligten.

  • Hene

    05.09.13 (07:06:30)

    7 Euro für 50MB sind immer noch viel zu viel. Das ist reine Abzocke und wird wahrscheinlich noch eine Weile so bleiben. Europa-Politik gibt es halt nicht zugunsten der Menschen, sondern nur zugunsten der Unternehmen.

  • blub

    08.09.13 (00:20:39)

    Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass es keine bzw. so wenige Anbieter gibt die europaweit günstiges mobiles Internet anbieten? Ist dafür wirklich die europäische Politik verantwortlich? Oder ist dafür die nationale Vergabe von Rundfunklizenzen verantwortlich? Oder, oder ... :D Weißt du, Jürgen Vielmeier dazu mehr? :) Ein Artikel oder Hinweise die das aufklären wären super! :)

  • Jürgen Vielmeier

    08.09.13 (20:16:38)

    So weit ich weiß, ist das eine reine Kostenfrage. Bei Roaming müssen die Anbieter im Inland Kontingente bei ihren ausländischen Partnern aufkaufen, weswegen man einen Aufschlag berechnet. Dass man die Pakete dann derart teuer macht, ist keine Notwendigkeit, aber eine zusätzliche Einnahmequelle, die man sich mangels Konkurrenzdrucks nicht entgehen lassen will. Die Politik ist dafür nur indirekt verantwortlich, weil sie hier noch keine Kostenobergrenze festgelegt hat.

  • blub

    09.09.13 (02:31:20)

    Mhh, würde aber eine europaweite Lizenzvergabe nicht dazu führen, dass die Situation den entsprechenden nationalen Situation angeglichen wird? Wie wurden eigentlich in Österreich die Lizenzen vergeben? Dort sind die Preise ja weitaus niedriger, oder ist das nichtmehr der Fall? Oder gibt es dort vielleicht sogar Kostenobergrenzen?

  • Jürgen Vielmeier

    09.09.13 (09:04:10)

    Weiß ich nicht.

  • blub

    09.09.13 (14:49:40)

    trotzdem vielen Dank und entschuldigung für meine vielleicht etwas unfreundliche Art :)

  • Jürgen Vielmeier

    09.09.13 (20:49:29)

    Fand ich nicht unfreundlich. Ich weiß es nur wirklich nicht. ;)

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