<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

20.11.13

Europaweit verfügbare Serienplattform Viewster: Kostenlos hat einen Preis

Die Zürcher TV-Serien- und Spielfilmplattform Viewster hat nach eigenen Angaben 20 Millionen Besucher im Monat mit einer kostenlosen Serienplattform. Ein Kurztest allerdings lässt Zweifel an der Funktionalität des Angebots aufkommen.

Es soll ja Menschen geben, denen selbst zehn Euro im Monat für ein unbegrenzt nutzbares Musik- oder Videoabo zu viel sind. Während Musikabos wie von Spotify und Deezer eigentlich mittlerweile sehr gut bestückt sind, kann ich Zurückhaltung bei bisherigen Videoflatrates in Deutschland nachvollziehen. Watchever und Maxdome sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht auf dem Stand ihres US-Vorbilds Netflix.

Dafür haben sie mittlerweile Konkurrenz bekommen: Aus der Schweiz kommt Viewster, ein Dienst, der nach eigenen Angaben kostenlos und europaweit verfügbar ist. Nach Niederlassungen in London und Kiew ist laut offizieller Pressemeldung im Oktober auch ein Büro in Berlin hinzugekommen. Viewster hat sich nach eigenen Angaben "als Europas führende kostenfreie Video on Demand-Plattform für Serien" etabliert. Der Fokus liege dabei "auf qualitativ hochwertigen Inhalten, die sich vom US-Mainstream abheben". Die Realität sieht etwas anders aus.

 

Offizielles Angebot mit der bekannten Serie &quot;Wilfred&quot;. Screenshot: Viewster

So erhielt ich beim Versuch, mich via Facebook zu registrieren, keine Rückmeldung. Ich sollte mich noch einmal separat per Mail und selbst gewähltem Passwort registrieren, was aber misslang. Dafür zeigte die Seite inzwischen mein Facebook-Profilfoto an. Registrierung also doch erfolgreich? Mein erster Versuch, eins der angebotenen Videos zu starten, führte zu einem Fehler:

Fehler beim Start eines Videos

Auch danach folgte jedem Seitenaufruf minutenlanges Laden, vielfach vergeblich. Gemischtsprachig die deutsche Lokalisierung, widersprüchlich in den Einstellungen und der FAQ die Angabe, ob es sich bei Viewster denn nun um ein kostenloses oder eben doch zu bezahlendes Angebot handelt. Von Filmen gegen Gebühr ist dort die Rede und von getätigten Transaktionen. Es scheint sich um ein Mischangebot zu handeln. Die FAQ wirkt wie die gesamte deutsche Lokalisierung wie mit der heißen Nadel gestrickt. Umlaute etwa fehlen:

FAQ ohne Umlaute

Die angebotenen Filme und Serien sind jeweils im Original - was mir gefällt. Die Auswahl allerdings wirkt auf den ersten Blick nicht so, als würde sie sich, wie beworben, vom US-Mainstream abheben. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Die einzigen Serien auf der Startseite, die mir ein Begriff sind, sind Wilfred und Shameless. Bei den angebotenen Spielfilmen muss ich komplett passen. Nichts davon habe ich jemals gehört. Knackpunkt allerdings dürfte die Ladezeit sein: Vor dem Start eines Videos, so dieser denn überhaupt gelingt, vergehen manchmal Minuten, was kaum ein Nutzer gerne mit sich machen lassen dürfte. Da helfen auch einzelne Pluspunkte nicht mehr, wie der eigentlich schnell gefüllte Zwischenspeicher, der Originalton, das ansprechende Webdesign und die ziemlich gute Bildqualität:

Einmal geladen, ist die Bildqualität in Ordnung

Geht es um kostenlose Angebote, dann fühle ich mich bei MyVideo vergleichsweise besser aufgehoben. Dort gibt es immerhin Serien wie House of Cards, Hannibal und Misfits in voller Länge kostenlos zu sehen. Zwar in schlechterer Bildqualität, aber dafür teilweise auf Englisch und die Videos laden recht schnell. Und wenn es das Original und eine bessere Bildqualität sein sollen, dann zahle ich persönlich lieber zehn Euro im Monat, auch wenn ich hier noch nicht alles bekomme, was ich will. Zu diesem Zeitpunkt zumindest ist Viewster noch nicht konkurrenzfähig.

Link: Viewster

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer