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15.06.12

Europas Antwort auf Square: MasterCard und andere steigen bei iZettle ein

Der schwedische Square-Konkurrent iZettle sammelt 25 Millionen Euro frisches Kapital ein. Das Geld soll für die Expansion in Europas größte Kartenmärkte genutzt werden. Für die jungen deutschen Wettbewerber wird es nicht leicht.

Eine Reihe deutscher Startups steht wie berichtet kurz vor der Lancierung von Kreditkartenlesegeräten für Smartphones. Vorbild für derartige Adapter, mit deren Hilfe jeder ohne teure Hardware Kartenzahlungen in Empfang nehmen kann, ist das kalifornische Startup Square. Zwei Millionen Einzel- und Gelegenheitshändler sowie Privatpersonen sind in den USA mittlerweile mit einem entsprechenden iPhone- bzw. Android-Aufsatz ausgestattet. Zahlungen in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar werden innerhalb von zwölf Monaten über Square vermittelt.

Die hiesigen Nachahmer der Idee wollen die von Square bisher vernachlässigten Märkte außerhalb der USA erobern, darunter natürlich besonders Europa. Doch der schwedische Square-Wettbewerber iZettle ist der neuen Konkurrenz aus Deutschland schon ein Stück weit voraus: In Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland können Nutzer den kostenfreien Cardreader für das iPhone bestellen und im Alltag einsetzen. 50.000 Anwender machen bisher von dieser Möglichkeit Gebrauch. Derzeit läuft außerdem ein Test mit 3.000 Anwendern in Großbritannien. Vor wenigen Tagen gab das Unternehmen die Veröffentlichung einer Entwicklerschnittstelle bekannt - die es Square voraus hat.

Die deutschen Aspiranten in diesem Markt, darunter payleven aus dem Hause Rocket Internet, streetpay sowie SumUp, müssen sich in Europa also zuerst einmal mit iZettle anlegen, bevor sie den alten Kontinent einnehmen und das auf die veraltete Magnetstreifentechnologie setzende Square an der problemlosen Expansion hindern können. Mit einer frischen Kapitalspritze wappnet sich das Startup aus Stockholm für den bevorstehenden Kampf um die Benutzer und Märkte: 25 Millionen Euro konnte das Unternehmen in einer Series-B-Finanzierungsrunde einsammeln. Die Gesamtmenge an bezogenem Venturecapital steigt damit auf über 35 Millionen Euro.

Interessant ist, wer sich neben einschlägigen VC-Firmen wie den bisherigen Investoren Index Ventures und Creandum sowie Greylock Partners und Northzone noch an iZettle beteiligt hat: der schwedische Bankenkonzern SEB über seinen Investmentarm sowie MasterCard.

Im vergangenen Jahr hatte MasterCard-Konkurrent Visa seinerseits Geld in iZettles Vorbild Square gepumpt. Mit der iZettle-Partizipation engagieren sich damit die zwei weltweit führenden Kreditkartenanbieter im Bereich der mobilen Kartenlesengeräte. Vergleichbar ist das Vorgehen mit der Beteiligung der Plattenfirmen beim Musikstreamingdienst Spotify. Indem die alteingesessenen Branchenführer bei aufstrebenden, innovativen Lösungen in ihrem Segment mit im Boot sitzen, sichern sie sich einerseits ein Teil eines potenziell lukrativen Kuchens und verschaffen sich gleichzeitig Optionen, um ihre langfristigen Interessen zu verteidigen. Denn genau wie die Labels beim digitalen Musikkonsum tendenziell überflüssiger werden, könnten Square oder iZettle eines Tages bei entsprechend großer Verbreitung versuchen, die zentrale Rolle der Kreditkartenfirmen bei ihrem Geschäftsmodell zu minimieren. Denn bisher fließt ein Großteil der von Nutzern gezahlten Provision für Kartentransaktionen via Square und iZettle direkt an Visa, MasterCard und Co. So richtig froh werden die Startups darüber nicht sein.

Trotz der Präsenz von MasterCard unter den Geldgebern versichert iZettles Marketingchef Johan Bendz, dass natürlich auch weiterhin Visa- und American Express-Karten von iZettle unterstützt werden. Alles andere wäre für das Unternehmen auch äußerst töricht.

Eine konkrete Angabe zu einem eventuellen Start im deutschsprachige Raum - auch im Angesicht der sich gerade in Stellung bringenden lokalen Kontrahenten - läßt sich Bendz nicht entlocken. Er erklärt jedoch, dass nach dem offiziellen Launch in Großbritannien die Expansion in die größten europäischen Kartenmärkte, in denen das Chip-Verfahren zum Einsatz kommt, auf dem Programm steht. Auch wenn er es so nicht ausdrückt - aber Deutschland fällt natürlich in diese Kategorie, auch wenn die Bundesbürger ein gespaltenes Verhältnis zu Kartenzahlungen pflegen.

Zu den deutschen Wettbewerbern hat Bendz nicht viel zu sagen: "Es ist schwierig, Produkte zu kommentieren, bevor sie verfügbar sind".

Wie groß der Markt von Cardreadern für Smartphones am Ende tatsächlich sein wird und in welche Richtung seine Evolution gehen könnte, ist momentan schwer zu sagen ("Pay with Square" gibt einen Vorgeschmack). Spätestens mit dem frischen Kapital steht jedoch außer Zweifel: Schweden hat nach Spotify das nächste disruptive Technologiestartup, das sich nicht mit kleinen Brötchen zufrieden gibt.

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