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02.08.12

Etablierte Anbieter im Kreuzfeuer: Zwölf Anforderungen an das perfekte Social Network

Die führenden sozialen Netzwerke Facebook und Twitter sehen sich zahlreichen Angriffen ausgesetzt - häufig selbstverschuldet. Doch die Anforderungen, die sich daraus für die perfekte Alternative ergeben, sind kaum zu erfüllen.

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen sie - dennoch oder gerade deshalb stehen die führenden sozialen Netzwerke derzeit wie nie im Kreuzfeuer der Kritik. Das gilt für Facebook genauso wie für Twitter. Google+ steht weniger in der öffentlichen Schusslinie, ist aber für die breite Masse der Anwender bisher auch kaum relevant. In der perfekten Welt würde sich nun unbemerkt von den Big Playern ein Neuling anschleichen, all das besser machen, womit die Konkurrenz aneckt, und damit den Markt übernehmen. Ganz so leicht läuft es in der Praxis dann natürlich nicht, weil Netzwerk- und Lock-In-Effekte die Mitgliederfluktuation erschweren. Doch untersucht man das breite Spektrum an Kritik, dem sich Facebook und Twitter ausgesetzt sehen, lässt sich daraus ein interessantes Anforderungsprofil für den theoretischen Nachfolger erstellen. Dieser sähe in etwa folgendermaßen aus:

1. Alle Freunde und Bekannten sind dabei

Klar - ein soziales Netzwerk lebt davon, dass der persönliche Bekannten- und Freundeskreis dort präsent ist. Niemand spricht gerne mit sich selbst.

2. Offenheit als Grundprinzip

Facebook ist seit jeher ein partieller "Walled Garden", Twitter manövriert sich gerade in diese Richtung. Das perfekte soziale Netzwerke wäre vollständig offen, das heißt, Nutzer könnten ihre Daten und Kontakte an andere Stellen im Netz mitnehmen, oder von Drittanwendungen uneingeschränkt auf diese zugreifen.

3. Uneingeschränkte Liebe zu Entwicklern

Entwickler müssen auf die verfügbaren Schnittstellen aufbauen können, ohne zu fürchten, dass ihnen irgendwann der Zugang abgeklemmt wird oder dass der Plattformanbieter ihnen mit ähnlichen Funktionen selbst Konkurrenz macht. Die Entwicklung von Apps soll dabei so unkompliziert wie möglich von der Hand gehen.

4. Perfekter Datenschutz

Jeder Mensch hat andere Vorstellungen von Privatsphäre und Datenschutz. Der fiktive Dienst schafft es, jedem Anwender die individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, ohne dabei über Köpfe hinweg zu entscheiden.

5. Neue Funktionen als Opt-In

Facebook lanciert neue Funktionen häufig im Opt-Out-Verfahren. Sofern es eine Option zur Deaktivierung gibt, müssen Anwender diese suchen und manuell ausführen. Unser imaginäres Netzwerk hingegen lässt Nutzern nicht nur grundsätzlich die Wahl, ob sie neue Funktionen einsetzen wollen, sondern bietet diese grundsätzlich per Opt-In an. Das bedeutet, dass sie bewusst von den Anwendern aktiviert werden müssen.

6. Bessere Funktionalität als die Konkurrenz

Ein ernstzunehmender Nachfolger der etablierten Anbieter dürfte nicht einfach nur eine Kopie sein, sondern müsste einiges anders und besser machen.

7. Simplizität und Eleganz

Die perfekte Benutzeroberfläche ist elegant, modern, intuitiv und nicht mit unnötigem Schnickschnack überladen. Das nächste große Ding im Social-Networking-Bereich muss diese Anforderungen erfüllen.

8. Uneingeschränkte Cross-Plattform-Fähigkeit

Der Dienst muss über jedes beliebige Zugriffsgerät zugänglich sein, egal ob Desktop, Notebook, Smartphone, Tablet, Fernseher oder 3D-Brille, und muss mit jedem OS kompatibel sein.

9. Absolute Sicherheit

Das perfekte Social Network garantiert die absolute Sicherheit aller Daten. Sicherheitslücken sind für den Dienst ein Fremdwort.

10. Solides Geschäftsmodell

Ein solides Geschäftsmodell garantiert einen wirtschaftlich trägfähigen Betrieb, der auch Ressourcen zur Weiterentwicklung sicherstellt und keine verzweifelten, die Integrität und Freiheiten der Nutzer einschränkenden Maßnahmen zur Profitabilitätssteigerung erfordert.

11. Ethisch korrekt

Twitter hat viel Lob dafür erhalten, gegen die erzwungene Herausgabe von Nutzerdaten an Regierungen juristisch anzukämpfen, sperrt allerdings bei Lappalien einfach mal Anwenderkonten. Facebook dagegen scheint mit recht aggressiven Mitteln kleine Startups zu Übernahmen zu drängen. Das Social Network der Zukunft würde derartige Vorfälle grundsätzlich vermeiden und ein in allen Belangen hundertprozentig ethisch korrektes Verhalten an den Tag legen - allen Anwendern und involvierten Parteien gegenüber.

Bonus

12. Dezentrale Serverstruktur

Der Traum von Open-Web-Evangelisten: ein dezentrales soziales Netzwerk à la diaspora, bei dem keine zentrale, für äußere Eingriffe anfällige Serverstruktur mehr existiert.

Dass eine solche Anwendung für immer ein Wunschtraum bleiben wird, ist offensichtlich - schon weil sich einige Punkte widersprechen: Opt-In für neue Features würde angesicht der Trägheit vieler Anwender die Einführung neuartiger, überlegener Funktionen behindern, und bis ins letzte Detail definierbare Datenschutzeinstellungen würden Simplizität unmöglich machen. Aber natürlich sollte man nicht aufhören, für positive Veränderungen einzutreten. Habt ihr weitere Punkte zur Ergänzung?

(Foto: stock.xchng/danyul)

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