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15.11.13

Es kam, wie es kommen musste: Yelp vergeigt die Abwicklung von Qype

Es zeichnete sich schon im Vorfeld ab, nun ist es eine Tatsache: Yelp hat es geschafft, mit der Abschaltung von Qype und der selektiven Migration dortiger Inhalte viele aktive Nutzer und Unternehmen ordentlich vor den Kopf zu stoßen.

YelpSchon im Vorfeld der geplanten Abschaltung des Empfehlungs- und Städteportals Qype Ende Oktober zeichnete sich ab: Für das seit der Akquisition im Jahr 2012 für den Dienst zustände Portal Yelp würde die geplante Verschmelzung beider Angebote, in deren Rahmen Qype-Content zu Yelp umzieht, nicht problemlos verlaufen. Erste Nutzer beklagten sich darüber, dass nicht alle Empfehlungen erfolgreich zu Yelp migriert wurden. Negativ fiel auch die Praxis von Yelp auf, Qype-Inhalte ohne Nachfrage ihrer Ersteller mitzunehmen, deren Konten jedoch nicht automatisch zu transferieren.

In den Tagen vor dem endgültigen Ende von Qype war allerdings offen, wie die Community nach Abschluss der Migration reagieren würde. Jetzt, zwei Wochen später, zeigt sich: sichtlich irritiert. Yelp hat es geschafft, viele der aktivsten Qype-Nutzer ordentlich auf die Palme zu bringen.In den letzten Tagen sammelten sich zu unserem Beitrag verschiedene Kommentare an, in denen ehemalige Qype-Mitglieder ihrem Unmut über die Entwicklung Luft machen - wohlgemerkt über die zahlreichen Probleme, die beim Umzug von Inhalten aufgetreten sind, und nicht über die neue, sich in manchen Punkten unterscheidende Benutzeroberfläche von Yelp. "Der Transfer von Qype zu Yelp ist eine einzige Katastrophe" heißt es in einem Kommentar, "Ich bin sehr verärgert über die Art und Weise, wie dieser Filter funktioniert" in einem anderen, der sich auf das selektive Verfahren bezieht, mit dem Yelp Bewertungen aus Qype übernommen hat. Das Ziel war es eigentlich, Fake-Beiträge auszusieben. Nach Ansicht von Qype-Usern funktionierte dies jedoch nicht reibungslos: "Nun habe ich mir das Ergebnis angesehen und stelle mit Befremden fest, dass ca. ein Sechstel meiner durchweg seriösen Bewertungen dem Yelp-Filter zum Opfer gefallen ist", erläutert ein weiterer Kommentar den Missstand.

In zahlreichen Blogbeiträgen schreiben sich ehemalige Qyper dieser Tage ihren Frust von der Seele. "Ich denke, dass Yelp eine Weile brauchen wird, um sich von diesem Glaubwürdigkeitsverlust zu erholen", vermutet Peter Jebsen in einem Text, in dem er das Versagen des Yelp-Filters erläutert. Rechtsanwalt Axel Pabst berichten ebenfalls über Fälle, in denen Bewertungen verschwanden, und beleuchtet die Vorgänge aus juristischer Sicht, motiviert von der Frage, wem eigentlich die Bewertungen zu Dienstleistern, Gastronomen und anderen Unternehmen gehören, die von Nutzern auf kommerziellen Webplattformen hinterlassen werden. Eine Firma, von deren 27 Bewertungen die 26 positiven nicht zu Yelp übernommen wurden, löscht ihre Links zu Yelp und konstatiert, dass der Übergang von Qype zu Yelp gründlich schief gelaufen sein. Auf Qypes Facebook-Seite finden sich haufenweise Beschwerden, meist geht es um verloren gegangene Bewertungen und die schlechte Erreichbarkeit des Yelp-Teams. Einige Betroffene werfen der neuen Besitzerin gar "betriebsschädigendes Verhalten" vor. In einer Facebook-Gruppe organisieren sich hunderte mutmaßlich unzufriedene "Ex-Qyper".

Zwar sagt die Sichtbarkeit und Lautstärke, mit der einzelne Anwender sich über Veränderungen oder Probleme bei Intenetdiensten zu Wort melden, wenig über den Tenor bei der Gesamtnutzerschaft aus. Doch im Falle Yelp sind es nicht die konsumierenden User, die sich beklagen, sondern vor allem Vertreter der Unternehmen, die auf dem Portal gelistet sind. Es sich mit diesen zu verscherzen, kann Yelp nur schaden, möchte es sie doch eigentlich als zahlende Werbekunden für sich gewinnen.

Niemand hat behauptet, die Fusion zweier auf nutzergenerierten Inhalten basierender Plattformen wäre einfach. Im Gegenteil. Dennoch scheint es, als habe Yelp die Lage unterschätzt. Nach über einem Jahr Vorbereitungszeit derartig an allen Seiten anzuecken, wirkt sehr unprofessionell. Könnte es sich vielleicht um von Yelp bewusst herbeigeführte oder zumindest in Kauf genommene Probleme handeln, in einem waghalsigen Versuch, sich zum Debüt ins mediale Rampenlicht zu bringen? Auszuschließen ist in der umkämpften Netzwirtschaft nichts. In jedem Fall aber beginnt Yelp seine Deutschlandoffensive mit einem ramponierten Image. Es gibt bessere und im Hinblick auf verständlicherweise verärgerte Unternehmen respektvollere Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. /mw

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