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07.10.09

Es gibt keinen internetverursachten Information Overload

Information Overload existiert seit der Bibliothek von Alexandria. Die Annahme, die Informationsüberflutung sei erst mit dem Internet über uns gekommen, ist falsch.

Google Wave thumbSpiegel Online hat über Google Wave geschrieben, den neuen Google-Dienst , für den die ersten 100.000 Leute Zugänge erhalten haben. Noch bevor der Dienst in der Öffentlichkeit ankommt, wird auf SPON vermutet, dass Google Wave über das Ziel hinausschiesst. Warum? Es führe zu mehr Informationen. Und davon habe bereits der Early Adopter an sich heute zu viel. Diese negative Sichtweise auf neue Entwicklungen ist eine in Deutschland leider weit verbreitete. Man kann das als Innovationsphobie bezeichnen. Wie verbreitet diese Sichtweise ist, sieht man an den vielen den Artikel applaudierenden Tweets .

Im SPON-Artikel steht:

De facto aber tut das Internet das gleiche wie jedes neue Informations- und Kommunikationsmedium seit Erfindung der Keilschrift - es nimmt mehr Zeit, Aufmerksamkeit und damit Energie in Anspruch, als es freisetzt.

Das ist natürlich kompletter Unsinn.

Würde es doch bedeuten, dass die Gesellschaft, die bei der Keilschrift bleibt - oder diese wieder einführt - auf einmal im Vorteil gegenüber den anderen wäre. Sie hätte mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Energie frei. Das kann nicht einmal der kulturpessimistischste Deutsche glauben.

Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Es gibt keinen durch das Internet erzeugten Information-Overload. Nur ein Versagen der Filter. So fasst Clay Shirky den Diskurs rund um die Informationszunahme durch das Web zusammen (u.a. hier ).

Die Annahme, wir hätten heute auf einmal zu viele Informationen, die auf uns einprasseln, suggeriert, dass das früher nicht so gewesen wäre.

Tatsächlich gibt es zu viele Informationen, als eine Person verarbeiten kann, seit der Bibliothek von Alexandria.

Niemand geht heute in die nächstgelegene Bibliothek und stöhnt ob der Tatsache auf, dass man nie alle dort verfügbaren Bücher wird lesen können.

Warum?

Weil wir mit dieser Tatsache aufgewachsen sind.

Aber jetzt gibt es das Internet. Auf einmal erscheinen selbst für Leute mit obskuren Hobbies und Interessen mehr interessante Artikel jeden Tag, als sie tatsächlich lesen könnten.

Horror! Wirklich?

Nein.

Wir müssen den Umgang mit dieser Informationsexplosion lernen. Es ist eine quantitative und qualitative Explosion. Das ist gut so.

Und das gilt auch für Emails, IM und andere Kommunikationsformen im Netz. Die Tools und das Netz per se machen uns produktiver. Wenn wir lernen, damit umzugehen.

Die Veränderung des Informations- und Workflows ist nicht per se mit einer Steigerung der Informationen verbunden. In erster Linie geht es um Effizienzsteigerung. Diese führt meist zu mehr Informationen, weil man nun mehr verarbeiten kann.

Google Wave wird im besten Fall zur einer stark verbesserten Effizienz führen.

Für nichts auf der Welt würde ich wieder ohne Internet, Blogs und all die verschiedenen Online-Tools, die hier täglich zum Einsatz kommen, weiter leben wollen. Ich bin heute besser informiert als jemals zuvor. Das ist das einzige was in diesem Zusammenhang zählt.

Mein GoogleReader zeigt permanent "1000+" ungelesene Artikel an. Die tatsächliche Zahl dürfte an die 10.000 heranreichen. Permanent. Na und? Ich muss sie nicht lesen. Ich muss mich davon nicht verrückt machen lassen.

Das Einzige, was mich verrückt machen würde, wäre, nicht mehr diese großartigen Artikel zu lesen, die ich täglich in Blogs selbst vorfinde und von anderen empfohlen bekomme .

Brauchen wir bessere Filter? Ja. Google Wave könnte auch ein solcher werden, je nachdem, was darauf noch gebaut wird.

Wenn Wave die Emails und das Instant Messaging, dass ich täglich nutze, teilweise oder ganz ersetzen wird , dann nur, weil es effizienter die Aufgaben erledigt. Natürlich werden dann auch wieder mehr Informationen entstehen. Warum? Weil ich dann produktiver bin. Willkommen beim Prinzip Fortschritt.

Eine Einschätzung von Google Wave in Kurzform von Christian Scholz:

Das was man heute als den Google Wave-Client sieht, ist nur die Spitze des Eisberges dessen, was sich darunter verbirgt, nämlich die Möglichkeit, Dokumente in Echtzeit auch bei schwankender Latenz im Netzwerk relativ konfliktfrei über mehrere Server und Clients zu synchronisieren. Diese Operational Transforms genannte Technik hat meiner Meinung nach enormes Potential.

Siehe auch unsere Leseempfehlungen zu Google Wave .

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