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04.12.13

Erstaunliche Erfolgsgeschichte: Linguee schafft zwei Milliarden Pageviews mit 20.000 Euro Marketingbudget

Linguee ist unter die 25 meist besuchten deutschen Web-Angebote aufgestiegen, verzeichnet seit Anfang des Jahres einen positiven Cashflow und mittlerweile mehr als zwei Milliarden Pageviews. Dafür reichten 20.000 Euro Marketing-Budget.

Von Zeit zu Zeit gewährt uns ein deutsches Startup Einblick in seine Ergebnisse - meist dann, wenn es für das betreffende Unternehmen gerade gut läuft. Das Online-Wörterbuch Linguee kann ein Lied davon singen. Nach aktuellen Zahlen, die uns die Kölner per Mail zukommen ließen, verzeichnet Linguee im Oktober seit Beginn der eigenen Messung mit Google Analytics mehr als zwei Milliarden Seitenaufrufe.

Laut neuesten Zahlen von IVW rangiert man mit fast 40 Millionen Visits im Monat mittlerweile auf Platz 22 der meist besuchten Angebote aus Deutschland. Drei Viertel der Aufrufe allerdings stammen aus dem Ausland. Jeden Monat stellen die Besucher 125 Millionen Anfragen. "Auf PR haben wir uns wenig konzentriert"

Das alles habe man mit insgesamt weniger als 20.000 Euro an Ausgaben für Marketing und PR erreicht, wie uns Geschäftsführer Gereon Frahling per Mail schreibt. Auch der Cashflow soll seit Anfang des Jahres positiv sein - das Unternehmen finanziert sich vor allem über Werbung. Den Überschuss will man im kommenden Jahr in neue Dienste investieren, vornehmlich in mehr redaktionelle Einträge und ein Redesign der Ergebnisseite.

Auf Nachfrage verriet uns Frahling Linguees "Erfolgsgeheimnis": "Auf PR haben wir uns ehrlich gesagt immer sehr wenig konzentriert. Über sehr viele andere Startups wurde auch viel mehr berichtet. Uns war immer klar, dass es viel wichtiger ist, unsere Nutzer zufriedenzustellen, als viel Aufwand in die PR- und Journalistenkontakte zu stecken."

78 Prozent der Sprachen abgedeckt

Gewachsen sei man seit dem Start Mitte 2009 kontinuierlich, wie unten stehende Grafik zeigt. Linguees Marketing-Konzept war ein wenig Anfangs-PR gefolgt von einer Menge Mundpropaganda, erfolgreicher Suchmaschinenoptimierung und zufriedene Journalisten und Blogger, die aus freien Stücken über Linguee berichten.

Entwicklung der Seitenaufrufe auf Linguee

Ab heute steht Linguee in sechs weiteren Sprachen zur Verfügung: Russisch, Chinesisch, Japanisch, Niederländisch, Italienisch und Polnisch gesellen sich zu den bereits verfügbaren Sprachen Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch und Spanisch. Damit decke man inzwischen 78 Prozent der Sprachen aller Internetnutzer ab, sagt Frahling. Ziel sei es nach wie vor, das größte Online-Wörterbuch der Welt zu werden.

Fokus auf das Wesentliche

Besonders viel hat Linguee optisch seit dem Start vor vier Jahren eigentlich nicht verändert. Allerdings kamen immer mehr Sprachen hinzu. Die semantische Suche wurde bei einem Relaunch vor zwei Jahren ebenso eingeführt wie die Trennung zwischen redaktionellen Übersetzungen und Übersetzungen aus dem Web. Die clevere Idee, auf bereits übersetzte Texte aus mehrsprachigen Websites zurückzugreifen, machte Linguee erst bekannt. Doch auch bei täglichen Redewendungen scheint es mir, dass ich bei Linguee eher mal fündig werde als zum Beispiel beim Online-Wörterbuch Leo. Dabei war Linguee bei mir bisher eigentlich immer die zweite Wahl: Wenn das "offizielle" Wörterbuch nichts fand, habe ich mal bei Linguee nachgeschaut, gerade bei Begriffen oder Redewendungen, die noch relativ neu sind.

Linguee steht mittlerweile als App für iOS und Android zur Verfügung. Das Tool lässt sich auch in die Mac- oder Browser-Suche integrieren. Erfolgsrezept der Kölner könnte der Fokus auf das Wesentliche sein, wie auch ein Blick auf die offizielle Presseseite verrät. Im Schnitt nur zwei Meldungen gibt es dort pro Jahr. Das Team hält sich nicht mit kleinen Verbesserungen auf, sondern veröffentlicht nur größere Updates von Zeit zu Zeit. Das betrifft vor allem den Kern der Sache: weitere Sprachen. Für den Anfang stehen die sechs neu unterstützten Sprachen allerdings nur in Kombination mit Englisch zur Verfügung.

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