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28.09.11

Erfolgsmeldungen von Startups: Warum viele Gründer an Schauspieler erinnern

Startup-Gründer berichten gerne über ihre Fortschritte und Erfolge - auch wenn es gar nicht gut läuft. Manchmal offenbaren sie sich im Nachhinein - wie Color-Gründer Bill Nguyen.

 

Foto: Flickr/vancouverfilmschool, CC-LizenzGründer von Internet-Startups erinnern mich manchmal an Schauspieler. Ungeachtet der tatsächlichen Entwicklung ihres Projektes geben sie im Kontakt mit Außenstehenden (wie z.B. Tech-Bloggern) stets vor, dass alles nach Plan läuft und dass sämtliche wichtigen Kennzahlen nach oben zeigen.

Als Substitut für harte Fakten zu Mitgliederwachstum und Umsatz/Gewinn, die ungern kommuniziert werden, lassen sich Jungunternehmer mit gerade lancierten Webdiensten abgesehen von allgemeinen Erfolgsbekundigungen ("it's awesome") zumeist maximal nichtssagende Statistiken und relative Prozentwerte "entlocken". Wobei sie natürlich selbst wissen, dass "monatliche Verdopplung der Userzahlen" oder "200 prozentige Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr" keine wirkliche Aussagekraft besitzt.

Wie es tatsächlich in der Gründer-Seele aussieht und inwieweit der Launch eines Dienstes die Erwartungen erfüllt hat, ist für externe Beobachter in der ersten Phase schwer zu erfahren.

Besonders schauspielerisch talentierte Startup-Gründer verbreiten sogar dann noch positive Stimmung, wenn anhand von Aussagen Dritter und öffentlich verfügbaren Statistiken bereits offensichtlich ist, dass ein baldiger Schnitt oder "Pivot" bevorsteht. Offene Eingeständnisse von Misserfolgen sind zumeist erst dann zu hören, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt, oder zurückblickend nach einer schon durchgeführten Umpositionierung.

Bill Nguyen, Gründer des in seiner ersten Fassung gefloppten und jetzt in einer neuen Version gelaunchten kalifornischen Startups Color liefert dafür im Fast-Company-Onlinemagazin mit einer faszinierenden Aussage ein schönes Beispiel:

"Innerhalb von 30 Minuten nach dem Launch erkannte ich, dass unser Ansatz nicht funktionieren würde und dass wir es total verbockt hatten" (Originalzitat: “Within 30 minutes [of the launch] I realized 'Oh my God, it’s broken. Holy shit, we totally fucked up'").

Der Gründer des mit 41 Millionen Dollar Risikokapital ausgestatteten US-Startups hatte also bereits eine halbe Stunde nach der Öffnung für die User die Vorahnung, dass er und seine zwei Co-Founder Color in seiner anfänglichen Ausformung gegen die Wand fahren würden.

Bei mir wirft dies die Frage auf, wieviele andere Gründer, die nach außen hin auf gute Laune machen, frühzeitig eine derartige Erleuchtung erleben und schon ahnen, dass ihr Projekt ohne eine radikale Veränderung nicht den gewünschten Erfolg bringen wird.

Sofern ihr schon einmal mit einem Startup eine derartige Erfahrung gemacht habt oder entsprechende Einblicke in die emotionale Welt befreundeter Gründer habt, würden wir uns über einen Kommentar mit einem Erfahrungsbericht freuen - unter Bekanntgabe eurer Identität oder anonym.

(Foto: Flickr/vancouverfilmschool, CC-Lizenz)

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