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14.06.10

Entwicklerplattform: Die wahre Irrelevanz von Facebook-Apps

Facebooks App-Plattform wurde schon mehrmals für tot erklärt. Eine neue Untersuchung verdeutlicht, wie gering die Wahrscheinkeit ist, mehr als 100 tägliche Nutzer für eine Anwendung zu gewinnen.

Dass Facebooks 2007 gestartete Entwicklerplattform letztlich eher ein Marketing-Werkzeug für Facebook als eine nutzenbringende Webumgebung für Anwender darstellt, ist keine Neuigkeit. Aus einer Userperspektive liegt der Mehrwert der Plattform maximal in einer Auswahl kurzweiliger bis süchtig machender Games wie FarmVille, Mafia Wars oder Texas HoldEm Poker. Davon abgesehen spielen Facebook-Applikationen innerhalb des Social Networks eine untergeordnete Rolle.

Wie irrelevant das Gros der Facebooks Apps tatsächlich ist, zeigt eine Analyse, die Nick O'Neill vom Blog All Facebook gemacht hat. Er hat sich die durchschnittliche Anzahl täglicher Nutzer (DAU, Daily Average User) von rund 300.000 der laut Facebook insgesamt 550.000 aktiven Apps angeschaut. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Gerade einmal 4.500 Applikationen werden von mehr als 200 Nutzern am Tag eingesetzt, und nur 1.597 von mehr als 2.000 Facebook-Mitgliedern täglich. 2.000 App-Nutzer pro Tag sieht O'Neill auch als Voraussetzung, um erfolgreich eine Applikation monetarisieren zu können. 41.000 Apps haben zwischen 1 und 100 täglichen Nutzern. Fast 250.000 Apps dagegen haben im Durchschnitt nicht einen einzigen täglichen Nutzer!

28 Prozent der Aktivitäten auf der Facebook-Plattform entfallen auf Anwendungen der vor allem durch FarmVille bekannten App-Schmiede Zynga, deren Facebook-Spielchen laut der Untersuchung von 52 Millionen täglichen Usern gezockt werden. Drei andere etablierte Entwicklerstudios, Electronic Arts, Crowdstar und Playdom, haben einen gemeinsamen Anteil von 13 Prozent an allen Aktivitäten auf der App-Plattform.

Diese Zahlen machen deutlich, wie bei Facebook sehr wenige Anwendungen einiger weniger, führender Entwickler den Großteil der Nutzer auf sich vereinen und nur rund 1.600 davon ausreichend Aufmerksamkeit von der Facebook-Gemeinde erhalten, um überhaupt die Möglichkeit zur Monetarisierung zu bieten.

Nick O'Neill schließt daraus, dass es bei Facebook keinen Long Tail gibt. Die Theorie des Long Tail besagt, dass im Internet auch Nischenprodukte erfolgreich sein und Gewinn machen können. Angesichts des verschwindend geringen Anteils an Facebook-Apps, die genug User haben, um in irgendeiner Form wirtschaftlich relevant zu sein, scheint dieser "Tail" bei Facebook tatsächlich eher kurz als lang zu sein.

Die Botschaft, die von der Untersuchung ausgeht, ist eindeutig: Kein Onlinedienst sollte auch nur einen Cent in die Entwicklung einer Facebook-Applikation stecken, sofern er nicht a) bereits zu den führenden App-Entwicklern auf der Plattform gehört, oder es sich b) zutraut, eine derartig virale, einzigartige, bahnbrechende und sensationelle Anwendung zusammenzubasteln, dass damit jede Statistik widerlegt werden kann.

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