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12.01.08Leser-Kommentare

Ekliger Sexismus gekürt

Die Leser des textilarmen und weitgehend geistfreien Männermagazins FHM haben abgestimmt - ermittelt wurde nicht nur der beste Film, der eine Nacktszene vertragen hätte, sondern auch die beste Schleichwerbung in einem Film.

FHM-Cover

Mit einer Pressemitteilung werden derzeit die Redaktionen auf die FHM-Awards hingewiesen. Kein Thema für unser seriöses Medienblog, wäre da nicht die Kategorie "beste Schleichwerbung in einem Film". Darauf springen wir natürlich an, genau unser Thema!

Weil FHM-User aufmerksam sind, gibt's auch die Kategorie "Beste Schleichwerbung in einem Film". Die Firma Nokia schaffte es durch "Die Simpsons - Der Film" auf Platz eins. 20 Prozent fiel die Präsenz der Finnen auf. In "Transformers" fuhr der Chevrolet Camaro auffallend oft durchs Bild - mit 18 Prozent kommt er auf Platz zwei. Die Konkurrenz von VW Touareg in "Das Bourne Ultimatum" gefiel 14 Prozent - Platz drei.

...verkündet die Pressemitteilung. Was für eine Idee! Gebt den Medienredakteuren Futter, erfreut ihre Gemüter, gebt ihnen die Gelegenheit, mal etwas über die Nackedei-Zeitschrift zu schreiben. Zitieren dürfen wir aus den Ranglisten auch, aber nur, wenn wir das Cover der aktuellen Ausgabe zeigen.

Eine Nacktszene wünschten sich die FHM-Leser übrigens beim Blechdosen-Spektakel "Transformers". An zweiter Stelle landete "Harry Potter und der Orden des Phönix", mit dem süffisantem Hinweis auf das Alter der Schauspielerin Emma Watson. Weil "das kleine sexy Hogwarts-Stück" erst 17 Jahre alt ist, spare man sich schmutzige Details und schreibe dann im nächsten Jahr "die unzensierte Version".

Auch wenn bei der FHM alles total ironisch und voll lustig ist - die Bezeichnung "sexy Stück" ist dummer, ekliger Sexismus. Durch die FHM zieht sich ein fragwürdiges Menschenbild, dass vor allem Frauen augenzwinkernd zum Objekt degradiert. Das ist eben ein Männermagazin, du moralinsaurer Spießer, könnte man mir entgegnen. Klar, an den alltäglichen Sexismus kann man sich gewöhnen, kann das ganz abgeklärt nicht so schlimm finden. Muss man aber nicht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Olivia

    13.01.08 (09:21:56)

    Sehr treffend den Geist des "For Him Magazine" getroffen, gratuliere. Aber Ole! Auch ich würde zu gerne mal Miss Watson nackt sehen.

  • Mark S

    13.01.08 (12:03:05)

    "Zitieren dürfen wir aus den Ranglisten auch, aber nur, wenn wir das Cover der aktuellen Ausgabe zeigen." Sowas lassen Sie sich ja wohl nicht ernsthaft vorschreiben, oder war das jetzt ironisch gemeint?

  • paulus

    13.01.08 (16:43:26)

    es fehlt nur, dass auch bei harry potter sexyzenen kommen...

  • Yetused

    15.01.08 (04:52:38)

    Oh je. Mich wundert ja warum sich die FHM-Leutchen das witzig augenzwinkernde Extra-P bei Popstars gespart haben. "Die Pop(p)stars nehmen dich mit auf's Zimmer" wäre doch so süß gewesen. Anfänger. Stümperer.

  • Wolf-Dieter Roth

    15.01.08 (07:22:11)

    Hieß das nicht "Haut die Popper platt wie Whopper"? SCNR

  • Nick99

    17.01.08 (04:31:16)

    "Das ist eben ein Männermagazin, du moralinsaurer Spießer, könnte man mir entgegnen" Merkwürdig, dass wir offenbar für unser ethisches Empfinden in sexuellen Fragen entweder nur Worte aus der Kirche oder von der Alice Schwarzer - Fraktion finden. Das, obwohl die Meisten beides als moralinsauer empfinden.

  • Jeeves

    17.01.08 (18:07:53)

    die Bezeichnung ?sexy Stück? ist dummer, ekliger Sexismus. Achwas?! Da kenn ich aber schlimmere Wörter als "sexy Stück".

  • Yetused

    18.01.08 (03:41:30)

    Naja, "sexy Stück" für eine Minderjährige ist schon ganz schön starker Tobak.

  • Nick99

    20.01.08 (03:17:13)

    FHM ist auch nicht nach meinem Geschmack. Aber: "Frauen zu Objekten degradieren" - Soll das etwa beinhalten, dass sexuelles Begehren nur dann legitim ist, wenn es auch auf "innere Werte" beruht? Den Anderen mit seinem Willen, seinen Wünschen und Bedürfnissen zu Respektieren steht doch auf einem ganz anderen Blatt.. Bei Menschen in Medien sieht die Sache nochmal ganz anders aus: Da wird immer etwas hineinprojeziert, was natürlich wenig bis gar nichts mit dem abgebildeten oder beschriebenen Menschen oder mit der Realität zu tun hat. That´s showbiz. Dort werden immer "bloße" Objekte geliefert. Weil es sexuell wird soll das plötzlich verwerflich sein? Soll es etwa verwerflich sein, sich in seiner Phantasie eine Frau vorzustellen, die "nur das Eine" - Und sonst gar nichts - will? Weil sich nicht vorgestellt wurde, vorher stundenlang Rotwein miteinander getrunken und intensive Gespräche geführt zu haben? Oder weil sich nicht vorgestellt wurde, das Objekt der Begierde sei eine schöne reiche Prinzessin, die einen auf einem weißen Schimmel ins Lustgemach verbringt? (Hat auch was;) Man kann der Meinung sein, die sexuellen Beziehungen zwischen Männern und Frauen seien im Allgemeinen Unterdrückungsverhältnisse, mit Männern als Tätern, und deshalb den Ausdruck "männlicher" heterosexueller Sexualität als sexistisch (abgeleitet von rassistisch) verurteilen - Muss man aber nicht. Wenn der Einsatz von nackter Haut in der Werbung nicht als Verwendung von Schlüsselreizen zur Manipulation bezeichnet, sondern als "alltäglicher Sexismus" auf eine Stufe mit Rassismus gestellt wird, dann frage ich mich allerdings, welches Menschenbild ich dümmer und eklig finden soll. Wenn man mit "Sexismus" einfach nur die (Re)Produktion von Geschlechterstereotypen meint, dann sollte man den Zeigefinger lieber stecken lassen, wer ist denn davor gefeit? Etwa die Selbstgerechten von der EMMA, die angeblich alle Frauisch korrekt vor dem Sex das Ritual pflegen, stundenlang Rotwein miteinander zu trinken, und die immer so differenziert über Männer reden? Insbesondere auch über homosexuelle Männer, die ja angeblich stets auf schmutzigen Toiletten (ethisch minderwertigen) rohen Sex suchen? Vielleicht sollte man langsam anfangen zu versuchen, unbelastetere und differenziertere Begriffe zu finden, wenn man sich am Menschen- und Frauenbild einer Zeitschrift stört. Da schwingt sonst (vielleicht gar nicht beabsichtigt) durchaus eine ordentliche Portion sauren Moralins mit - Als ob irgend jemand den Willen, die Wünsche und die Bedürfnisse "der Frauen" allgemeingültig festlegen könnte. Und als ob es jemand zustünde über die Phantasie anderer zu urteilen. Der Punkt für mein Empfinden bei FHM, dass ALLES was da im öffentlichen Raum einen Rock hat und unter 30 ist - Auch vor Minderjährigen wird nicht halt gemacht - Ungefragt zum Sexualobjekt gemacht wird. Das finde ich schon ziemlich respektlos, und bei der Minderjährigen Verurteilenswert.

  • Olivia

    20.01.08 (11:52:50)

    Nick - deine Ausführungen spiegeln genau meine Meinung, vielen Dank. Eine Frau (oder einen Mann!) für gewisse Momente als Objekt wahrzunehmen, sie einfach nur schön und begehrenswert zu finden und sonst nichts - daran ist nichts ethisch Verwerfliches zu sehen. Was ist denn ein Gegenüber in sexuellen Momenten anderes, als das Objekt, auf das sich das empfindende (männliche oder auch weibliche) Subjekt bezieht? Schade ist nur eines: Wenn ein Mensch, Mann oder Frau, nicht fähig ist, das andere Geschlecht über das Sexuelle hinaus wahrzunehmen. Ob das bei den FHM-Leuten so ist, lässt sich schlicht nicht beurteilen. Es ist eine der Aufgaben des FHM, Fantasien anzuregen - ob die Autoren (oder Autorinnen im Falle anderer Magazine) daneben auch fähig sind, mit Frauen/Männern Freundschaften zu pflegen, mit ihnen zu diskutieren, ob sie sie als Individuen respektieren, lässt sich nicht beurteilen. Ich vermute sie sind es. Es gibt, zum Glück, nur wenige Menschen, die es nicht sind. Und auch die lernen es meist mit zunehmender Lebensreife.

  • arbiter

    20.01.08 (15:13:25)

    Auch der 157. Versuch, die Rolle der Geschlechter, die Beziehung Mann/Frau neu definieren zu wollen, scheitert an der alten Anatomie und der noch älteren Psyche. "Das kleine sexy Hogwarts Stück", genau das sind die Sprüche, die einer frucht- und ziellosen Diskussion neben Nahrung eine Rechtfertigung liefern. Die unübersehbaren Unterschiede zwischen Frau und Mann, Anlaß für allerhand Mißverständnisse, sind letztlich Quelle der Lebensfreude und sinnenfrohen Umgangs miteinander. Was fehlt, ist sittliche Reife.

  • Nick99

    20.01.08 (16:10:15)

    @Olivia: Das Gegenüber hast Du schön auf den Punkt gebracht. Ich glaube, soo verschieden sind Männer und Frauen da nicht. Was mich nervt, ist das weit verbreitete Schwarz-Weiß-Schubladendenken, Subjekt=Gut / Objekt=Böse. So einfach ist das nicht, da hat sich der Feminismus irgendwie mal wieder bei der Kirche bedient. (Die steckt tief in uns allen) Das andere Geschlecht nur sexuell wahrzunehmen ist in der Tat schade. Ich habe aber den Eindruck, dass die Freundschaften zwischen Männern und Frauen insgesamt zunehmen, und intensiver werden. Ich glaube jedenfalls nicht, dass FHM etc auch nur einen einzigen Mann mehr dazu bringt, Frauen nur sexuell wahrzunehmen. Ich denke, die FHMer werden ihr eigenes Blatt nicht besonders ernst nehmen, aber keine Ahnung, ich kenne es nicht einmal. Ist leider versiegelt, und zum Kaufen hat die Neugier dann doch nicht gereicht. @Arbiter: Die Rolle der Geschlechter, wie wir sie von unseren Großeltern kennen, ist auch gerade mal ca. 200 Jahre alt. Da wurde die schwache, von uns Männern stets zu beschützende und zu versorgende Frau erfunden. Davor hat man sich um Kindererziehung gar nicht gekümmert, Kinder wurden von alleine Groß oder eben nicht. Wenn man Adlig war, gabs lebenslang Party, für Mann und Frau, und wenn nicht: Lebenslang ackern, bis zum Umfallen. Mann und Frau.

  • arbiter

    20.01.08 (16:57:26)

    @NICK: Na, wir reden aber doch hier nicht über die Rolle unserer Altvorderen, sondern über das, was FHM rüberbringt. FHM ist nicht BRAVO, hat mit Kindererziehung nichts am Hut, nicht mal mit Zeugung! - Die kämen sonst noch auf die Idee und wollten `ne Herdprämie! ;-) - Täuscht nicht alles, waren die Altvorderen wesentlich sinnenfroher und versierter im Umgang mit den Quellen der Lebensfreude. Die Aufklärung hat da ordentlich was versaubeutelt. Umgang mit den Früchten genossener Sinnesfreuden steht auf einem ganz anderen Blatt. Und nur, weil der Sklave, der später Leibeigner, noch später Diener hieß, jetzt Arbeiter heißt, hat sich die Relation zwischen Party und Ackern nicht wesentlich verschoben. Erst hatten wir vereinzelt Schlüsselkinder, jetzt reihenweise verwahrloste Kleinkinder und Jugendliche. Der Weg in die verwahrloste Gesellschaft ist Programm der Moderne. Aber war das Anliegen bei FHM?

  • Nick99

    20.01.08 (21:33:08)

    FHM kenne ich, wie gesagt, nicht. Mein Anliegen war einfach, dass an dem Begriff "alltäglicher Sexismus" ein Menschenbild hängt, dass ich sehr fragwürdig finde.

  • arbiter

    20.01.08 (21:54:09)

    Einverstanden! Bin sowieso auf der Suche nach dem "sonn- und feiertäglichen Sexismus" ;-). Überhaupt Sexismus: schon mal versucht, jemandem eine Definition abzuringen, möglichst dann, wenn er den Begriff gerade gebraucht hat? Vielleicht noch die Vorgabe, nicht mehr als drei, na ja, meinetwegen vier Wörter? Echt spannend!

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